B19 bei Kupferzell: Schnelle Entlastung nicht in Sicht
Die staugeplagte Kreuzung bei Belzhag wird frühestens ab Sommer 2024 ausgebaut. Die kaputten Brücken sind vorher dran.

Die B19 zwischen der A-6-Anschlussstelle Kupferzell und Gaisbach ist die am stärksten befahrene Strecke im Hohenlohekreis, klammert man die Autobahn einmal aus. Seit vielen Jahren stockt der Verkehr auf dem 5,5 Kilometer langen Teilstück, ein kompletter vierspuriger Ausbau ist nicht in Sicht.
Doch auch die Planungen zur Aufweitung der besonders belasteten Kreuzung bei Belzhag wurden zuletzt immer wieder ausgebremst. Jetzt steht zumindest fest, dass ab Sommer 2023 die zwei völlig kaputten Kupferbrücken abgerissen und neu gebaut werden, was rund ein Jahr in Anspruch nehmen dürfte. Danach könnte die Belzhager Kreuzung bis 2025 vierspurig ausgebaut werden. Sofern bis dahin tatsächlich alle nötigen Grundstücke erworben sind. In dieser Frage bewegte sich zuletzt genauso wenig wie in den Morgenstunden oder nachmittags im Feierabendverkehr auf der staugeplagten Strecke.
Grundstücksfragen bleiben heikel
"Aktuell werden zwölf Grundstücke überplant", meldet Sascha Sprenger, Sprecher des Landratsamts, auf Stimme-Anfrage. "Für fünf Grundstücke wurden bisher Vorverträge unterzeichnet." Im Herbst 2022 hatte Oliver Bückner, der Leiter des Straßenbauamts, noch von "neun Grundstücken" gesprochen, "von denen bisher vier gekauft worden sind". Die Ausbeute ist bis dato also gering, zieht man in Betracht, dass die Planungen schon seit Herbst 2018 laufen. Wie bereits mehrfach berichtet, beißt sich das Straßenbauamt an manchen Eigentümern seit Jahren die Zähne aus.
Die Stimme weiß, wie vermint das Gelände ist. Und welche Macht die Besitzer haben. Deshalb formuliert das Landratsamt seine Antwort auf die jüngste Anfrage äußerst vorsichtig, um ja keinem auf die Füße zu treten: Die Verhandlungen verliefen in einer "angenehmen Atmosphäre". Und: Bedenken würden "geprüft und untersucht". Fragt sich nur: Wie groß muss die Liste der Einwände sein, um auch nach viereinhalb Jahren keinen Durchbruch erzielen zu können? Dass der Ausbau deshalb auf der Kippe stehen könnten, diesen Eindruck vermittelt die Behörde freilich nicht. Es klingt eher nach einem beharrlichen Spiel auf Zeit.
Ausbau der Kreuzung ist in Kupferzell umstritten
Die Aufweitung der Fahrbahnen an diesem neuralgischen Punkt ist umstritten in Kupferzell. Sowohl die Gemeinde wie einzelne Bürger haben Änderungsvorschläge und Forderungen gestellt, die auch schon erfüllt wurden. In reinstem Behördendeutsch liest sich das aus Kreissicht so: "Die Planungen wurden im Bereich der Kreisstraße nach Belzhag einvernehmlich angepasst. Eine Verkürzung der Linksabbiegespur wurde planerisch umgesetzt. Die Ampelsteuerung zur Verringerung des Rechtsabbiegeverkehrs in Richtung Belzhag ist von Beginn an Bestandteil der Lichtsignalanlagenplanung." Verstanden?
Doch nicht nur die nervenaufreibenden Grundstücksverhandlungen verzögern die Planungen, auch der personelle Notstand im Straßenbauamt hält schon länger an. Nur eine Teilzeitstelle konnte im Januar nachbesetzt werden. Zwei Stellen sind weiterhin unbesetzt. Zumindest die artenschutzrechtliche Prüfung sowie Untersuchungen zum Ausgleich und Schutz bedrohter Pflanzen liegen jetzt vor, beide Nacharbeiten hatten das Projekt zuletzt in die Länge gezogen. Auch die Schallbelastung musste neu analysiert werden, weil entsprechende Gesetze verschärft wurden.
Zwei Bauprojekte in einem Rutsch erledigen? Das ist nicht möglich
Wäre es nicht möglich gewesen, die Erneuerung der Brücken und den Ausbau der Kreuzung in einem Rutsch zu erledigen? Nein, meint das Landratsamt. "Es besteht keine geeignete ortsnahe Dauerumleitungsstrecke für beide Maßnahmen." Sie würden deshalb "unabhängig voneinander umgesetzt, um nicht in gegenseitige Abhängigkeiten mit möglichen Verzögerungen zu geraten". Das Brücken-Nadelöhr sollte schon ab 2019 beseitigt werden. Die Arbeiten an der Kreuzung wiederum sollten 2020 starten und 2022 beendet sein. Während das Regierungspräsidium den Beginn des Brücken-Projekts jetzt fix auf Sommer 2023 terminiert hat, meldet sich der Kreis aktuell zur Kreuzung wie folgt: "Belastbare Aussagen zur Baubeginn, Bauzeiten oder Kosten sind erst nach erfolgtem Grunderwerb und der Anhörung von Trägern öffentlicher Belange möglich." Gleichwohl wurde dem Kreistag im Herbst 2022 mitgeteilt, das Vorhaben werde 2024 und 2025 realisiert.
Dass die Verkehrsbelastung zuletzt stark zugenommen hat, wie die Stimme aus eigener Pendler-Erfahrung weiß, ist auch dem Landratsamt nicht entgangen: "Unsere Beobachtungen - auch durch Rückmeldungen der Verkehrsteilnehmer - decken sich mit den genannten Beobachtungen, dass seit Mitte 2022 der Verkehr und die Stockungen wieder zugenommen haben. Offizielle Zahlen zur Verkehrsbelastung liegen uns aktuell nicht vor." Die letzten Studien und Hochrechnungen lauten wie folgt: Pro Werktag sind auf der 5,5-Kilometer-Strecke 12.000 bis 16.000 Fahrzeuge unterwegs. Bis 2030 sollen es 18.600 sein.
Vierspuriger Ausbau? Das sind die Grundlagen

Die B 19 ist die einzige Bundesstraße im Hohenlohekreis - und der Abschnitt zwischen der A6-Anschlussstelle Kupferzell und Gaisbach am stärksten belastet. Das ist für das Land trotzdem kein Grund für einen kompletten vierspurigen Ausbau. Deshalb muss sich der Kreis vorerst mit der Aufweitung von zwei Knotenpunkten zufrieden geben, die eine Verkehrsuntersuchung als Hauptursachen für Staus und Stockungen ausgemacht hat: die Kreuzung bei Belzhag und die Abzweigung zum Gewerbepark Hohenlohe, die aber erst mit dem Ausbau der A6 in Angriff genommen werden kann.
Politisch hält Landrat Matthias Neth an seinem Ziel fest, den gesamten Streckenabschnitt vierspurig auszubauen. Das geht aber erst, wenn dieser im neuen Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt wird, der nach 2030 gilt. In das bis dahin gültige Planwerk war das Vorhaben nicht aufgenommen worden. Neth will für diesen Fall gewappnet sein und möglichst viele Fakten schaffen. Deshalb plant der Kreis die komplette Vierspurigkeit schon einmal vor: auf eigene Kosten und in der Hoffnung, dass das Land später nicht mehr Nein sagen kann.




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