Wie die Landesregierung Gartenschauen fördert: Grundsätzlich unterstützt die Landesregierung die Landesgartenschauen mit fünf Millionen Euro und kleine Gartenschauen mit zwei Millionen Euro, führt der Sprecher des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz aus. Darüber hinaus erfolgten gezielte Förderungen über flankierende Maßnahmen wie über die Städtebauförderung, Tourismusförderung, Landesgemeindeverkehrsfinanzierung und andere. In Koordinierungssitzungen werde auf die Bedürfnisse der Kommunen eingegangen und es würden Wege gesucht, wie die Projekte umgesetzt werden können. Im Zeitraum zwischen der ursprünglichen Machbarkeitsstudie und der finalen Projektierung seien planerische Anpassungen durchaus üblich. Auch dadurch könne „flexibel auf finanzielle Aspekte oder andere äußere Einflüsse reagiert werden“.
Nach Gartenschau-Aus in Bretten: Droht auch Bad Mergentheim Ungemach?
Bad Mergentheim will die Landesgartenschau 2034 ausrichten, kämpft aber mit einem hohen Defizit. Mit welchen Argumenten Stadtverwaltung und Landesbehörden das Geschäftsmodell Gartenschau verteidigen.

Nachdem vor rund einer Woche die Stadt Bretten im Kraichgau wegen Geldmangels ihre Gartenschau 2031 abgesagt hat, blicken Bürger aus der Region mit Fragezeichen nach Bad Mergentheim. Hier soll 2034 die Landesgartenschau stattfinden. Bauprojekte wie die Neugestaltung zentraler Plätze sind bereits in vollem Gange. Doch seit Anfang Mai ist klar: Mergentheim rutscht in die roten Zahlen, das Haushaltsdefizit ist mit neun Millionen Euro größer als gedacht. Das Regierungspräsidium genehmigte den Plan nur unter Auflagen. Oberbürgermeister Udo Glatthaar teilte mit: „Dieser Einschnitt hat zunächst keine akuten Auswirkungen, bedeutet aber, dass es bei einzelnen Bauprojekten eventuell noch einmal zu einer Verschiebung kommen kann.“
Carsten Müller, Pressesprecher der Stadt, zerstreut die Bedenken hinsichtlich der Landesgartenschau: OB und Stadtverwaltung „sehen die Landesgartenschau nach wie vor als Chance“, teilt er auf Anfrage mit. Auch vonseiten des Gemeinderats gebe es keinen Antrag, der in die Laga infrage stelle. Negative Auswirkungen der Finanzlage auf das Großprojekt sehe die Verwaltung nicht, „im Gegenteil“: Bad Mergentheim müsse in den nächsten Jahren ohnehin Kurpark und öffentliche Plätze sanieren - und könne dies dank zahlreicher Förderungen rund um die Laga mit „finanziellem Rückenwind“ tun. Die Investitionen seien mit dem Land und dem RP abgestimmt, „die beide unseren Weg als Landesgartenschau-Stadt unterstützen“. Auch aus weiteren Fördertöpfen flössen Gelder einfacher, etwa für das Sanierungsgebiet in der Altstadt. Alleine für den Gänsmarkt, der als erster sanierter Platz vor Kurzem fertiggestellt und eröffnet wurde, rechne man mit zwei Millionen Euro und damit mehr als 50 Prozent Förderung. „Die Landesgartenschau entlastet uns somit auch ein Stück weit“, so das Fazit des Sprechers.
Um über mögliche Kürzungen beim Veranstaltungsprogramm zu diskutieren, sei neun Jahre vorher viel zu früh. Außerdem sei Mergentheim die erste Landesgartenschau, die der Main-Tauber-Kreis bekomme, was die Motivation zusätzlich steigere.

Droht nun eine grundlegende Debatte über Kosten, Sinn und Nutzen von Gartenschauen? Wie sich Landesbehörden dazu äußern
Auch Sebastian Schreiber, Sprecher des Ministeriums für Ländlichen Raum stellt klar: Es lägen derzeit „keine Informationen vor, dass aufgrund der Haushaltslage weitere Gartenschauen nicht durchgeführt werden können“. Städte und Gemeinden im ganzen Land kämpfen derzeit mit struktureller Unterfinanzierung. Er weiß: „Am Ende liegt es immer in der Entscheidung der ausführenden Kommune, die letztlich die Verantwortung für das Gesamtprojekt trägt.“
Droht nun eine grundlegende Debatte über Kosten, Sinn und Nutzen von Gartenschauen? Für Robert Hoffner, Geschäftsführer von BW Grün, der Fördergesellschaft für die Gartenschauen im Land überwiegt ganz klar der Nutzen bei jeder Gartenschau. Öhringen 2016 und Eppingen 2022, wo Bürger, Vereine und Freundeskreise viele Veranstaltungen auf die Beine gestellt haben, lobt er: Hier sei „aus Nachbarn ein Team“ entstanden. An diesen Beispielen sehe man, „welche Kräfte Gartenschauen entfalten können: ehrenamtliches Engagement, Mobilisierung unserer Zivilgesellschaft“.
Welchen Sinn das Land im Geschäftsmodell Gartenschau sieht

Und nicht zuletzt „sichtbare, nachhaltige und positive Veränderungen im Stadtbild“. Soll heißen: Viele Städte, die sich dafür bewerben, sehen ähnlich wie Mergentheim die Notwendigkeit, ihre Parks neuzugestalten. Diese Neubauten schüfen Mehrwerte für Jahrzehnte, die den Baukosten als Nutzen gegenüberstünden. Viele dieser Bauvorhaben ließen sich aus dem städtischen Haushalt so nicht bauen wie mit Landesunterstützung im Zuge einer Gartenschau. Diese Mehrwerte seien „Beiträge zur Resilienz und Lebensqualität“. Bauprojekte an Bächen könnten sogar der Hochwasserprävention dienen. Und nicht zuletzt sei „Grüne Prävention die günstigste Art und Weise der Gesunderhaltung der Menschen“.
Stelle man rein die Kosten der Durchführung den Ticketeinnahmen gegenüber, hätten viele Gartenschauen Gewinn gemacht - Öhringen 2016 den bis dato höchsten, und auch Wangen 2024 habe mit Gewinn abgeschlossen, ebenso wie die Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn.
Gartenschauen seien daher „kein Selbstzweck“, so Hoffner, sondern ein „bewährtes Werkzeug“ für die Stadtentwicklung. Besonders gut habe man das in Heilbronn gesehen, wo mit dem Neckarbogen ein modernes Wohnviertel auf einer ehemaligen Brache entstanden sei. Solch ein moderner Städtebau habe Beispielcharakter.
In seinem Resümee dreht der Geschäftsführer von Grün BW daher die Frage herum: „Können es sich unsere Städte leisten, Gartenschauen nicht zu machen?“


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