Mülldeponie Beltersrot war fünf Jahre Baustelle: Ein Rekord jagte den nächsten
Die alte Hausmülldeponie in dem Kupferzeller Teilort wurde stillgelegt und eine neue Deponie für Bauschutt und Erden neu eröffnet. Was zwischen 2020 und 2025 noch passierte und wie der vehemente Widerstand besorgter Bürgern in ein sachliches Miteinander mündete.
Der Kreistag beschloss am 12. Dezember 2016, die Mülldeponie in Beltersrot einerseits stillzulegen und andererseits zu erweitern. Von 2020 bis 2025 passierte vieles nacheinander und parallel. Jetzt ist die Großbaustelle abgeschlossen. Sie war nicht nur die flächenmäßig größte, sondern auch die am besten überwachte seit Bestehen des Kreises.
Mülldeponie in Beltersrot: Ein Rekord nach dem anderen
Noch nie wurde so viel Erdreich (750.000 Tonnen) bewegt und wurden so viele Sickerwasserleitungen geprüft (neun Kilometer) und Dichtungsbahnen gelegt (650.000 Quadratmeter). Noch nie wurden so viele neue Gasleitungen verlegt (2,5 Kilometer) und Gasbrunnen saniert (30), um schädliches Methan abzusaugen und in umweltfreundlicheren Kohlenstoff und Wasserstoff umzuwandeln – während modernste Aktivkohlefilter in der Sickerwasseranlage daneben dafür sorgen, dieses Deponieabwasser so zu reinigen und in die Kläranlage Waldenburg abzuleiten, damit kein Grenzwert überschritten wird.

Drei streng geschützte Tierarten mussten vergrämt und umgesiedelt werden: Zauneidechse, Haselmaus und Gelbbauchunke. Noch nie kämpften im Kreis Umweltschutz und Naturschutz so vehement gegeneinander (Wohl des Menschen hier, Schutz von Flora und Fauna dort). Noch nie wurde ein komplett verfüllter Baukörper, der eine Million Kubikmeter umfasst, so aufwendig von oben gegen eindringendes Wasser abgedichtet, das mit dem über Jahre entsorgten Abfall auf schädliche Weise reagieren kann, Richtung Grundwasser versickert und davor aufgefangen wird (Hausmülldeponie) – und direkt daneben ein 1,2 Millionen Kubikmeter großes Areal neu aufgemacht und in großem Stil von unten abgedichtet, um den Müll bestmöglich vom Grundwasser abzuschotten (Bauschutt- und Erddeponie).
Müllprojekt in Beltersrot: Großer Widerstand am Anfang, gutes Miteinander danach
Und noch nie sorgte ein solch großes Müllprojekt anfangs für so viel Wirbel und Widerstand, während der Konflikt dann in Rekordzeit entschärft wurde und in ein sachliches Miteinander mündete. Das unterscheidet es von der Sondermüllverbrennungsanlage oder der Anlieferung von Erde aus Mailand, die 1990 und 2006 in und um Kupferzell zu einem Sturm der Entrüstung und zum Sturz dieser Pläne führten.
Die Gegner hatten weiter ein waches Auge auf die Baustelle, nachdem der Kreistag den Kompromiss zwischen ihnen und der Verwaltung am 16. Dezember 2016 gutgeheißen hatte. Zuvor hatten sie die schiere Größe kritisiert, besonders die des neuen Abschnitts, und den Abstand zur Wohnbebauung. Der Baugrund kam ihnen spanisch vor, nachdem laut Analysen der Verdacht im Raum stand, die alte Hausmülldeponie sei an manchen Stellen undicht, so dass womöglich belastetes Sickerwasser ins Grundwasser gelangen könnte.
Grundwasser durch Hausmülldeponie verunreinigt? Das sind die Hintergründe
Deshalb sollte die Oberfläche so schnell wie möglich abgedichtet werden, damit kein Regenwasser mehr in den Deponiekörper gelangen und mit dem Hausmüll reagieren konnte. Auch das Regierungspräsidium Stuttgart machte Druck. Die Baufläche nochmals hydrogeologisch zu untersuchen, war ein Ausfluss des Bürgerdialogs. Es zeigte sich: Im Großen und Ganzen passt alles. Auch weil das Areal weder in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt noch wasserrechtlich relevante Grundwasserleitungen vorhanden sind.

Nur am westlichsten Messpunkt, dem Zustrom des Grundwassers, wurden 2017 Spuren von FCKW, Schwefelhexafluorid und Chlor gefunden. Woher diese Stoffe stammten, war rätselhaft. Jedenfalls konnten sie nicht aus dem Deponiekörper kommen: Fließrichtung und Gefälle sprachen dagegen. Bis heute fehlt der Nachweis, dass belastetes Grundwasser die Folge brüchiger Sickerwasserleitungen in der Hausmülldeponie war – die aber tatsächlich gefunden wurden.
Großbaustelle in Beltersrot: Abfallwirtschaft setzte auf größtmögliche Transparenz
Seitdem der Konflikt beigelegt wurde, legte die Abfallwirtschaft größtmögliche Transparenz an den Tat und schaffte einen konstruktiven Austausch auf Augenhöhe. Dieser fand vor allem in den Baustellenstammtischen ihren Niederschlag. Der elfte und letzte fand vor kurzem statt. Alle waren sich da einig: Es brauchte zwar einen langen Atem, es hat sich aber gelohnt. Unterm Strich wurde die Großbaustelle nicht wie anfangs geplant Ende 2020, sondern Ende 2025 fertig. Zumindest die Baukosten bleiben wohl im Rahmen. 16 Millionen Euro wurden damals genannt und nun wieder, die Schlussabrechnung folgt 2026.
Die Abfallwirtschaft modernisierte den zentralen Wertstoffhof des Kreises und ordnete den Einfahrtsbereich neu. Gebaut wird noch eine neue Kälte- und Wärmehalle. Wenn die jahrelange Hängepartie mit dem Regierungspräsidium ein gutes Ende findet, könnte auf dem Dach der Hausmülldeponie noch eine größere Solaranlage Platz finden. Klar ist, dass die Nachsorge des stillgelegten Bereichs eine jahrzehntelange Generationenaufgabe wird, für die viele Millionen Euro zurückzulegen sind.
Zu viel Lärm und Schmutz wegen Anlieferungen? Es kam anders
Auch das neue Areal muss weiterhin penibel kontrolliert werden. Der erste Abschnitt soll die Entsorgung von schwach belastetem und unbelastetem Bauschutt und Erdaushub über 15 Jahre sichern, ein möglicher zweiter nochmals so lange. Der Regelbetrieb begann im Frühjahr 2023. Im ersten Jahr blieb die angelieferte Menge unter den Erwartungen, im zweiten wurden sie erfüllt. Dass die Transporte mittels Lkw zu viel Lärm und Schmutz in den umliegenden Straßen und Dörfern erzeugen, wie anfangs befürchtet worden war, hat sich nicht bewahrheitet.
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