Nachruf
Unser Nachruf auf Frank „Molle“ Winkler erscheint, wie es der Wunsch der Familie war, gleichzeitig mit der Traueranzeige, die in der E-Paper-Ausgabe ab Freitag, 20 Uhr, zu sehen ist.
Am Dienstag ist Frank „Molle“ Winkler in seinem Heimatort Forchtenberg gestorben. Er und seine Mundart-Band Annâweech haben Hohenlohe geprägt wie wenige andere.

„Wie beschreibt man Liebe?“ Das hat Frank Winkler, den die meisten unter dem Namen „Molle“ kennen, zurückgefragt, als er in einem Interview einmal beschreiben sollte, was Heimat für ihn bedeutet. Das Hohenloher Urgestein, der als Sänger und Gitarrist der Mundart-Band Annâweech zu regionalem Kultstatus gelangte, ist am Dienstag im Alter von 70 Jahren gestorben.
„Er ist am Abend eingeschlafen und am Morgen nicht mehr aufgewacht, so wie er es sich gewünscht hat“, berichtet seine Tochter Lisa Wiesbacher im Gespräch mit unserer Redaktion. Winkler litt an einer seltenen Nervenkrankheit. „Er hat kein Geheimnis aus seiner Erkrankung gemacht“, erklärt Wiesbacher. Wegen der Einschränkungen hat er schon zuletzt bei Auftritten seiner Band das Mikrofon abgeben müssen.

Als Frontmann von Annâweech war „Molle“ in seinem Element – und noch viel mehr als Botschafter des hohenlohischen Dialekts. Den haben er und seine Band geprägt wie wenig andere in diesem so besonderen Landstrich.
Ihre Konzerte waren einmalige Erlebnisse, ihre Alben so originell und schlitzohrig wie ihre Heimat. Die Als inoffizielle Nationalhymne gilt ihr Lied „Hohâloher Land“. Das kennen auch viele Nicht-Fans – etwa aus der Warteschleife im Telefonsystem des Hohenloher Landratsamts.
1955 kommt Frank Winkler auf die Welt, als Sohn des Forchtenbergers Karl und der aus Niedersachsen stammenden Anneliese Winkler. Seine Eltern eröffnen in Forchtenberg im Jahr 1963 Winklers Weinstube. Frank Winkler und seine Frau Sigrid übernehmen sie im Jahr 1989 und bewirtschaften die Weinberge der Familie. Zu dem Zeitpunkt spielt „Molle“ bereits in seiner zweiten Musikgruppe, der Freetime Schwoofband.
Deren Ende im Jahr 1995 wird zum Anfang einer der erfolgreichsten Hohenloher Bands: Annâweech – das bedeutet auf Hohenlohisch „Trotzdem“: Die Freetime Schwoofband – eigentlich eine Coverband – hatte zu ihrer Auflösung eine CD aufgenommen - und dabei Texte von bekannten Hits auf Hohenlohisch umgedichtet. Die kamen so gut an, dass sie es in den Rundfunk geschafft haben.
Auf dem Weg zu einem Termin im Studio des SDR in Stuttgart entscheiden die Musiker, annâweech weiter zu machen. In den folgenden 30 Jahren werden „Molle“ und seine Band zu einem Stück hohenlohischen Kulturguts – mit mehr als 160 Liedern über typisch Hohenlohisches, die Menschen in der Region und die ganze Welt.
Immer humorvoll und mit einem verschmitzten Lächeln gesegnet, das zu einem seiner Markenzeichen wird. Und immer als Ur-Hohenloher auf Achse. Durch und durch. Bei allem Stolz auf seine Heimat und den Dialekt schätzt Winkler auch die Fremde: „Nur der Dumme ist ausschließlich auf sich selbst bezogen“, hat er in einem Interview gesagt.
Er reist gerne, um sich „zu kalibrieren“ – und kommt gerne zurück: „Beim Heimkommen geht einem dann wirklich das Herz auf, und es wird einem bewusst, welch’ großes Glück man hat, in diesem wunderbaren Hohenlohe leben zu dürfen.“
Im Jahr 2021 übergeben Frank und Sigrid Winkler die Weinstube in Forchtenberg an die Tochter Lisa und deren Mann Thomas Wiesbacher. Nur die Pension betreiben sie noch weiter. Frank Winkler ist aber immer wieder in der Gaststätte, wo er sich mit den Gästen unterhält, ohne hinterm Tresen zu arbeiten. „Die Stammgäste sind erweiterte Familie“, sagte er einmal bei einem Besuch unserer Redaktion im Jahr 2024. Und: „Die Familie ist das Wichtigste.“

In der Zeit, in der die Gaststätte an die nächste Generation übergeben wird, treten „Molle“ und Annâweech nicht auf. Im Oktober 2020 ist sein Freund, der Gitarrist und Dichter der meisten Lieder, Peter „Boudsch“ Botsch, gestorben. „Molle“ Winkler bezeichnete ihn einmal als den „außergewöhnlichsten Textschreiber in der Mundartszene“.
Im Sommer 2022 kehren er – in seiner typischen Latzhose – und Annâweech auf die Bühne zurück, mit Sandra Masuch als neues Bandmitglied. Sie haben mehrere Auftritte. Den letzten im November 2025, beim „Jahresabschlusskonzert“ in Buchenbach. Da kündigt „Molle“ eine Pause auf unbestimmte Zeit an – darin steckt schon ein „leiser Hauch von Abschiednehmen“, wie es im Bericht unserer Redaktion heißt.
Frank Winkler hat Hohenlohe geprägt. Seine Familie verabschiedet sich passenderweise in der Hohenloher Zeitung mit einer Traueranzeige in hohenlohischer Mundart.
Nachruf
Unser Nachruf auf Frank „Molle“ Winkler erscheint, wie es der Wunsch der Familie war, gleichzeitig mit der Traueranzeige, die in der E-Paper-Ausgabe ab Freitag, 20 Uhr, zu sehen ist.
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