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„Haben starken Ruf zu verteidigen“

Nach Vorwürfen gegen Bretzfelder Milchbauer: Molkerei zieht Konsequenzen

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Die Hohenloher Molkereigenossenschaft fackelt nicht lang, als Vorwürfe gegen einen Bretzfelder Rinderbetrieb bekannt werden. Sie nimmt vorerst keine Milch von dem Landwirt an. Der Molkerei-Geschäftsführer erklärt, warum.


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Als heftige Vorwürfe gegen einen Bretzfelder Rinderhalter und Milchlieferanten öffentlich werden, brechen auch für die Hohenloher Molkereigenossenschaft in Schwäbisch Hall turbulente Stunden an. Das Problem des Landwirts sei zu ihrem Problem geworden, sagt Geschäftsführer Martin Boschet. „Wir können nicht so tun, als ob uns das nichts angeht.“

Molkerei zieht Konsequenzen – Produkte stehen in Heilbronn und Hohenlohe im Supermarkt-Regal

Die Produkte der Molkerei stehen in vielen Supermärkten und Discountern der Region Heilbronn und Hohenlohe im Kühlregal: Sahne, Milch oder Butter unter dem Markennamen Hofgut. Gerät einer der 720 Molkerei-Lieferanten in den Verdacht, seine Tiere nicht ordnungsgemäß zu halten, droht der gesamten Genossenschaft Schaden. Für deren Kunden und für den Endverbraucher sei wichtig: Wie reagiert die Molkerei?

Sie reagiert unmissverständlich: Von dem Bauern in Bretzfeld bezieht sie ab sofort vorerst keine Milch mehr. Martin Boschet steht zu dieser Entscheidung. „Wir haben einen starken Ruf zu verteidigen.“ Der Molkerei-Chef verweist auf die Satzung der Genossenschaft und die Milchlieferanten-Ordnung. Ein Lieferant sei letztlich ein Lebensmittelunternehmer. Der sei verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Tierhaltung den gesetzlichen Anforderungen entspreche.

Dreck und zu wenig Platz im Bretzfelder Stall: Veterinäramt stellt Mängel fest

Das Veterinäramt in Künzelsau hatte nach eigenen Angaben bei Kontrollen in dem Bretzfelder Betrieb eklatante Missstände vorgefunden. Die Kühe sollen zu wenig Platz haben, das Futter für die Kälber verdreckt, die Klauenpflege einer Kuh überfällig gewesen sein. Aufforderungen, die Mängel zu beseitigen, sei der Landwirt nicht gefolgt. Er soll gegen einen Bescheid des Veterinäramts Widerspruch eingelegt haben.

„Wir sind zu der Auffassung gelangt, dass der Landwirt seinen genossenschaftlichen Pflichten nicht nachkommt“, erklärt Boschet. Die Molkerei, ein Unternehmen, sei zu schützen. Dazu sei man den anderen Milchbauern verpflichtet.

Wohin mit der Milch? Molkerei-Chef: „Es gibt Lösungen“

Auch wenn die Molkerei die Milch des Bretzfelders bis auf Weiteres nicht annimmt, muss der sie nicht wegschütten, ist Boschet überzeugt. „Es gibt Lösungen.“ Milch lässt sich etwa in einer Biogasanlage zu Energie umwandeln; ein Schweinemastbetrieb könnte ein Abnehmer sein.

Tierwohl ist für die Genossenschaft und ihren Geschäftsleiter nach eigenen Angaben ein wichtiges Thema. Seit vielen Jahren setze sie sich für besser Haltungsbedingungen für Kühe ein. Ein Qualitätsmanagementsystem kommt bei der Überprüfung der Lieferanten zum Einsatz. Es berücksichtige außer der Qualität der Milcherzeugung das Tierwohl über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.

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