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Zu wenig Platz und Dreck

Veterinäramt des Hohenlohekreises stellt zahlreiche Mängel in Rinderbetrieb fest

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Ein Rinderbetrieb im Hohenlohekreis ist im Fokus der Behörden. Es geht um mögliche Verstöße gegen den Tierschutz. Der Landwirt wehrt sich. Eine Tierrechtsorganisation erstattete Anzeige.

Ein landwirtschaftlicher Betrieb in Hohenloher steht in der Kritik.
Ein landwirtschaftlicher Betrieb in Hohenloher steht in der Kritik.  Foto: Azaliya (Elya Vatel) / stock.adobe.com

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn bestätigt Ermittlungen gegen einen Rinderbetrieb in Bretzfeld. Es steht der Verdacht im Raum, dass der Bauernhof gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Ob das zutrifft, ist unklar. Die Ermittlungen laufen noch. Die Tierrechtsorganisation Aninova hat nach eigenen Angaben im März Anzeige erstattet. 

Aninova gibt in einer Pressemitteilung an, dass ihr Fotos vorliegen, die im März in dem Rinderbetrieb entstanden sein sollen. Sie zeigten, dass die Tiere angebunden im Stall stehen – laut Aninova das ganze Jahr über. Diese Anbindehaltung ist erlaubt. Der Gesetzgeber beschloss 2024 zwar das Aus für diese Form ganzjähriger Tierhaltung. Landwirte erhielten aber zehn Jahre Zeit, um die neuen Vorgaben umzusetzen.

Veterinäramt bemängelt zu kleine Buchten und verdrecktes Futter

Unabhängig davon hat das Veterinäramt des Hohenlohekreises nach eigenen Angaben schon im Februar Missstände in dem Betrieb festgestellt. Die Buchten einiger Haltungseinrichtungen sollen nicht den gesetzlichen Mindestanforderungen entsprochen haben. Außerdem sei die Klauenpflege einer Kuh überfällig gewesen, teilt die Pressestelle des Landratsamts in Künzelsau mit. Der Betrieb sei aufgefordert worden, die Mängel zu beseitigen.

Bei einer erneuten Kontrolle im April seien die kritisierten Flächen immer noch zu klein gewesen. Außerdem seien die Flächen für die Kühe in Anbindehaltung nicht breit genug gewesen. Weitere Kritik des Amts: Verdreckte und nasse Liegeflächen, die Beleuchtung an einigen Stellen im Stall sei zu schwach. Kälber seien vom Boden gefüttert worden, wodurch das Futter verunreinigt worden sei.

Molkerei will vorerst keine Milch mehr von dem Betrieb annehmen

Die Frist für die Beseitigung der Mängel lief vor ein paar Tagen ab. Für den Fall der Nichteinhaltung drohte das Amt mit Zwangsgeld. Dagegen habe der Landwirt Widerspruch eingelegt, über den noch zu entscheiden ist.Bei dem Bretzfelder Betrieb handelt es sich um einen Zulieferer der Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall. „Im Sinne unseres Qualitäts- und Tierhaltungsverständnisses werden wir ab sofort bis zur vollständigen Klärung des Sachverhalts vorsorglich von diesem Betrieb keine Milch mehr annehmen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Molkerei. Sie will die Vorwürfe vollständig aufklären. Der Großteil ihrer Milch stamme aus modernen Laufstallbetrieben, von Betrieben mit Weidehaltung und/oder einem ganzjährig nutzbaren Laufhof. Um mehr Tierwohl zu fördern, vergüte die Molkerei allen Lieferanten zusätzliche Tierwohlleistungen, die den Tieren mehr Platz, keine Anbindehaltung und Zugang zu Außenklima biete.

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