Nachfolger für Modehaus Bär in Öhringen fix: Was das für die Kunden bedeutet
Während an Orten wie in Heilbronn traditionsreiche Modehäuser schließen, übernimmt in Öhringen die nächste Generation die Geschäftsführung im Modehaus Bär. Warum es hier gelingt.

Mitarbeiter und Kunden müssen sich nicht umstellen: Auch ihren neuen Chef erkennen sie schon von weitem. Matthias Kellermann (39) überragt seinen Vater Gerd sogar um einen Zentimeter: „Beim letzten Vermessen für das neue Rad war ich nur noch 2,01 Meter groß“, erzählt Gerd Kellermann lachend.
Zum 1. September hat er offiziell die Geschäftsführung an seinen Sohn Matthias übergeben, der zuvor seit seinem 23. Lebensjahr Erfahrungen auf diversen Positionen in großen Modekonzernen wie Peek & Cloppenburg gesammelt hat. „Das ist schon etwas anderes“, sagt Matthias Kellermann nach nur sechs Wochen im Familienunternehmen.
Geschäftsführung übergeben: Im Familienunternehmen Bär in Öhringen sind die Entscheidungswege kürzer
„Hier sind die Entscheidungswege viel kürzer, exakt dreieinhalb Schritte von meinem Büro auf die Ladenfläche.“ Von wegen einem Sachbearbeiter eine Frage per E-Mail stellen und auf die Antwort warten. Prozessgetrieben seien die Entscheidungen in Konzernen. So hat er es die vergangenen 20 Jahre erlebt. Nun ist seine Expertise bei all den vielen Einzelentscheidungen jeden Tag gefragt.
Nicht nur im Verkauf, der ihm besonders am Herzen liegt, sondern auch im Einkauf, der nach wie vor vor allem von Susanne Kellermann (Jahrgang 1971) verantwortet wird. Auch Personalfragen und mehr müssen beantwortet werden. 48 Köpfe zählt das Unternehmen, das seit Beginn des Ö-Centers eine feste Adresse im ersten Obergeschoss ist und zu dem zwei weitere Shops im Eingangsbereich des Centers gehört. Gerd Kellermann hat das Modeunternehmen von Gerhard Bär übernommen.
Geschäftsübergabe bei Bär in Öhringen – andernorts schließen Modehäuser schließen
Was unterscheidet das Modehaus Bär von all den anderen großen Modehäusern in der Region, die die vergangenen Monate das Aus verkündet haben? Egal, ob man nach Heilbronn oder nach Bad Mergentheim blickt: Beide Städte haben in jüngster Vergangenheit traditionsreiche Modehäuser und damit Anker für die Innenstädte verloren. In Heilbronn kam für das Modehaus Palm das Aus nach 220 Jahren.
Warum ist in Öhringen die Entwicklung eine andere? Warum geht hier die nächste Generation optimistisch ans Werk? „Wir haben uns alles sehr genau angesehen“, gibt Matthias Kellermann einen Einblick in die Entscheidungsphase. „So eine Übergabe ist schon sehr gesprächsintensiv“, sagt Gerd Kellermann mit einem Lächeln. Die Entscheidung, den Betrieb weiterzuführen, sei sehr bedacht getroffen worden. Und die Gespräche werden auch nun, nach der Übergabe, nicht weniger – vorerst auch nicht die Zeit von Gerd Kellermann im Büro.

Oft beginnen die Gespräche – auch bei den gemeinsamen Runden auf den Rennrädern – mit einem „Warum macht ihr das so?“, schildert Gerd Kellermann. „Und das ist gut so. Man überdenkt dann vieles, was man so tut, weil es oft keinen speziellen Grund gibt, sondern Dinge sich über die Jahre so entwickelt haben“, stellt Familie Kellermann dann oft fest. „Es ist unheimlich spannend, es reißt einen aus einem gewissen Trott“, sagt Gerd Kellermann. Die Begeisterung über die neue Herausforderung klingt in seiner Stimme mit. Hier wird deutlich: Es geht nicht darum, an etwas festzuhalten. Es geht darum, die beste Lösung für die Zukunft zu suchen.
Kunden im Modehaus Bär entscheiden, welche Kleidung an den Ständern hängt
Deshalb wird auch Matthias Kellermann genau beobachten, was die Kunden in Öhringen wünschen. Das Kundenverhalten entscheidet auch künftig, welche Marken auf welchen Flächen geboten werden. Man habe den Markt im Blick, wolle die Kundinnen und die Kunden zufrieden stellen, neue Akzente setzen.
Mit Aktionen wie jüngst der Modenschau soll die Bindung intensiv bleiben. Die Schau, bei der Hohenloher für Hohenloher über den Catwalk liefen, kam gut bei den Besuchern an, berichten Matthias und Gerd Kellermann vom erhaltenen Feedback. Die Konkurrenz, wissen Vater und Sohn, sind nicht etwa die Mitbewerber vor Ort oder in der näheren Umgebung. Es ist der Online-Handel. Punkten könne man deshalb vor allem dann, wenn der Einkauf zu einem Erlebnis für alle Sinne wird.
Ursprung von Modehaus Bär liegt in Neuenstein
Auf 2500 Quadratmeter gibt es bei Bär im Ö-Center Mode für Damen, Herren und Kinder. Es gibt zudem eine große Abteilung für Wäsche- und Bademoden. Im Erdgeschoss gehören Trendstore und Tally Weijl dazu Gegründet wurde das Modehaus Bär 1973 von Emil Bär in Neuenstein.
In Öhringen gibt es Mode von Bär seit der Eröffnung des Ö-Center 1973. 1998 hat Gerd Kellermann das Modehaus von Gerhard Bär übernommen. Seither wurde immer wieder umgebaut und erweitert. Es gibt eine hauseigenen Änderungsschneiderei.
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