Stimme+
Kreisstraßen
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Marlacher Steige wird ausgebaut – für 7,9 Millionen Euro

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Der Hohenloher Kreistag gibt grünes Licht für die Planung, nachdem der Ausbau seit mindestens 15 Jahren auf sich warten lässt. Die Grundstücksverhandlungen waren kompliziert und verzögerten den Prozess. 


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Jetzt ist es amtlich: Die Marlacher Steige wird von der Landesstraße 1025 bis zur Grenze des Neckar-Odenwald-Kreises ausgebaut. Am Montag genehmigte der Fachausschuss des Kreistags die Planung und ermächtigte die Verwaltung, die Bauarbeiten auszuschreiben. Gleichzeitig bekam das Landratsamt grünes Licht, mit der Gemeinde Schöntal und dem Land jene Punkte zu managen, in die sie involviert sind.

Kreistag genehmigt Ausbau der Marlacher Steige: Bauzeit beträgt eineinhalb Jahre

So gut wie abgeschlossen sind die schwierigen Grundstücksverhandlungen. Sie hatten über vier Jahre gedauert. „Eine Unterschrift fehlt noch, der Eigentümer hat aber signalisiert, dass er unterschreibt“, sagt Oliver Bückner, der das Straßenbauamt leitet. Wenn der Grunderwerb abgeschlossen ist, dauert es in der Regel eineinhalb Jahre bis zum Baustart.

Die Marlacher Steige zählt zu den wichtigsten und gleichzeitig kaputtesten Kreisstraßen im Hohenlohekreis.
Die Marlacher Steige zählt zu den wichtigsten und gleichzeitig kaputtesten Kreisstraßen im Hohenlohekreis.  Foto: Götz Greiner

Im Sommer 2027 dürfte es demnach so weit sein. Wann wird die Strecke fertig ausgebaut sein? „Die Bauzeit beträgt nochmals eineinhalb Jahre“, meint Bückner. Also ist damit frühestens Ende 2028 zu rechnen.       

Verzögerter Baustart: Kosten klettern von fünf auf 7,9 Millionen Euro

Die K2319 von Marlach in Richtung Erlenbach ist viel zu eng und völlig kaputt und soll seit mindestens 15 Jahren ausgebaut werden. Bis heute ist nichts passiert. Im Herbst 2024 wurden die gröbsten Defekte geglättet. Ende 2021 hatte der Kreistag den Ausbau der Marlacher Steige auf 2023 vorgezogen. Doch die Planungen dauerten länger als gedacht, während die Kosten von fünf auf 7,9 Millionen Euro kletterten.

Grundstücksverhandlungen waren extrem schwierig

Dies resultiert zum einen aus der komplizierten Topographie, zum anderen aus den stark fragmentierten Besitzverhältnissen. „Der Grunderwerb war der größte Zeitfresser“, sagt Bückner. Nicht weniger als 18 Beteiligte und Erbengemeinschaften mussten überzeugt werden. „Das war viel, viel Arbeit“, sagt Bückner. Beim Ausbau der Hollenbacher Steige war die Gemengelage ähnlich vertrackt. Ohne die Hilfe der Gemeinde hätte es wohl noch länger gedauert.

„Schöntals Bürgermeister Joachim Scholz managte 15 Grunderwerbsfälle“, berichtet Bückner. Weil bestimmte Streckenpunkte wegen gefährlicher Überholstellen im Rahmen eines „Sicherheitsaudits“ nochmals umgeplant wurden, mussten drei Grunderwerbsfälle in die Verlängerung.

Eigentlich wollte der Kreistag das Vorhaben vorantreiben

Die Krux ist: Eigentlich wollte der Kreistag den Ausbau forcieren. Tatsächlich ist er durch sein Plazet weiter ausgebremst worden. Am 13. Dezember 2021 hatte das Gremium die Verwaltung beauftragt, die Planungen „beschleunigt voranzutreiben“, und zwar mit dem „selben Standard wie die Straße vom Neckar-Odenwald-Kreis her kommend“. Diese Straße trägt die Kennung K 3960 und ist längst veritabel ausgebaut, weil sie in der Zuständigkeit des Nachbarkreises liegt.

Vielen Verkehrsteilnehmern sind solche Feinheiten schnuppe. Sie wundern sich seit Jahren über die schlagartige Verschlechterung an der Kreisgrenze und wollen nur so schnell und sicher wie möglich von der A81 ins Jagsttal kommen – oder umgekehrt. Nicht nur Berufspendler leiden unter der viel zu schmalen Holper-Piste. Vor allem Lkw geraten immer wieder in brenzlige Situationen. Die Fahrer der Spedition Rüdinger können ein Lied davon singen.

So wird die Strecke ausgebaut

Das Straßenbauamt des Kreises untersuchte mehrere Ausbau-Varianten. Im Portfolio war auch eine verkürzte Strecke ohne die 180-Grad-Kehre im unteren Bereich. Außerdem wurde eine völlig neue Trasse mit ganz neuer Anbindung an die L 1025 in Richtung Winzenhofen in Augenschein genommen. Alle geprüften Varianten wurden aus wirtschaftlichen und fachlichen Gründen verworfen.

Deshalb wird die Kreisstraße 2319 nun weitgehend auf und entlang der bestehenden Trasse ausgebaut: auf einer Länge von exakt 3,049 Kilometern. Die Fahrbahn wird auf sechs Meter verbreitert, in der Kehre auf elf Meter, damit zwei Laster problemlos aneinander vorbeifahren können. Die maximale Steigung beträgt 8,2 Prozent, gegen den Hang abgestützt wird die Strecke auf 500 Metern von einer bis zu 4,50 Meter hohen Gabionenwand. Alle Entwässerungsanlagen werden erneuert. 

Die K 2319 ist so wichtig fürs Hohenloher Jagsttal, weil auf dieser Strecke über Erlenbach und Merchingen die A81 am schnellsten zu erreichen ist. Berufspendler nutzen diese Hauptachse über die L 515 ebenso stark wie Unternehmen: etwa der Logistiker Rüdinger. Ab der Kreisgrenze bis Erlenbach ist die Kreisstraße schon sechs Meter breit. Sie heißt dort K 3960 und ist Sache des Neckar-Odenwald-Kreises. Danach misst sie erst 5,50 Meter und dann nur noch fünf Meter. Ihr Zustand wurde von Jahr zu Jahr schlechter.

Was ist noch geplant?

Geplant sind ferner eine neue Linksabbiegespur in die L 1025 sowie die Erneuerung der Steinbachbrücke, der barrierefreier Umbau einer Bushaltestelle und der Bau einer Querungshilfe an der Landesstraße. Auch der Geh- und Radweg entlang der L 1025 wird neu gebaut sowie gegebenenfalls der vorhandene Feldwegs entlang des Steinbachs bis zum Gemeindeverbindungsweg nach Heßlingshof asphaltiert und ausgebaut.

Wer muss was bezahlen?

Für den Grunderwerb und Bau werden insgesamt 7,93 Millionen Euro fällig. Davon muss der Kreis 6,93 Millionen, das Land 0,79 Millionen und die Gemeinde 0,21 Millionen Euro zahlen. Abzüglich der in Aussicht stehenden Fördermitteln seitens des Landes verbleiben am Ende 3,9 Millionen Euro, die der Kreis aus Eigenmitteln stemmen muss. Damit wird die Marlacher Steige zum bislang teuersten Kreisstraßen-Ausbauprojekt.

Die ebenfalls drei Kilometer lange Hollenbacher Steige wurde 2017 fertig und kostete 4,4 Millionen Euro. Das Land übernahm 1,98 Millionen Euro, der Kreis 2,42 Millionen Euro. Kann sich der Kreis das leisten? „Ja“, sagt Kämmerer Michael Schellmann. In der Haushalts- und Finanzplanung 2026 bis 2029 seien ausreichend Mittel vorhanden. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben