Das Ehepaar wandte sich wegen der Ruhestörungen durch Lidl in Kupferzell im September 2025 an die Polizei. Pressesprecher Frank Belz bestätigt auf Stimme-Nachfrage zwei Anzeigen. Sabine Hörle-Krauß sagt, damals sei ihr dort nahelegt worden, sich an das Ordnungsamt zu wenden. Belz teilt mit: „Das Polizeirevier Künzelsau hatte im Nachgang zu den Meldungen jeweils die Gemeinde Kupferzell in Form eines Berichtes informiert. Über dort getroffene Maßnahmen liegen hier keine Erkenntnisse vor.“
Seit Jahren Ruhestörung von Lidl in Kupferzell – Familie erhebt Vorwürfe
Seit 2022 rollen über Jahre mehrmals pro Nacht Lkw an die Lidl-Filiale in Kupferzell. Unter dem Lärm leidet ein Ehepaar erheblich. Kürzlich ist das Landratsamt eingeschritten – nach einer langen Behörden-Odyssee. Kehrt jetzt Ruhe ein?
Rangiergeräusche, scheppernde Klappen und Pieptöne reißen Sabine Hörle-Krauß und Fritz Hörle seit 2022 aus dem Schlaf. Das Ehepaar lebt etwa 100 Meter von der Lidl-Filiale in Kupferzell entfernt und leidet unter Anlieferungen durch Lkw-Spediteure, die jahrelang teils mehrmals pro Nacht stattgefunden haben. „Wir sind psychisch am Limit“, sagt die 56-Jährige.
Hinter der Familie liegt eine Odyssee mit den Behörden. Fotos dokumentieren die Lieferungen in der Nacht, seit 2025 führen die Hörles auf Anraten ihres Anwalts ein Lärmprotokoll, das die Stimme einsehen konnte. Kürzlich schritt schließlich das Landratsamt Hohenlohekreis ein. Was ist schiefgelaufen – und kehrt nun wirklich Ruhe ein?
Familie über Ruhestörung bei Lidl in Kupferzell: „Irgendwann so unerträglich“
Blickt man vom Wohnzimmer der Hörles aus dem Fenster, trennt lediglich eine breite Grünfläche das Bauernhaus von jenem Standort, an dem Lidl seine Filiale in Kupferzell betreibt. Das Schlafzimmer des Ehepaars liegt nebenan. Irgendwann ab 2022, so erinnert sich die 56-Jährige, begann es, dass mehrmals pro Nacht die Lkw rollten. Anfangs hätten sie und ihr 70-jähriger Mann den Lärm noch ignoriert. „Es wurde aber so unerträglich, dass wir was machen mussten.“
Im August 2024 wandte sich das Paar erstmals wegen des Lärms an die Gewerbeaufsicht, im September erneut. Beide Male rückte ein Mitarbeiter aus, wie das Landratsamt Hohenlohekreis auf Stimme-Nachfrage bestätigt. „Von der Firma Lidl wurde als Ergebnis der Vor-Ort-Begehungen zugesichert, die Missstände zu beheben“, schreibt eine Sprecherin.

Der Lärm blieb. Wieder wandte sich das Ehepaar, im April 2025, an die Behörde – und die Gewerbeaufsicht forderte Lidl erneut dazu auf, die Missstände zu beheben. „Weitere Beschwerden gingen im Juni und August 2025 ein“, schreibt das Landratsamt. „Die Firma Lidl hat daraufhin mitgeteilt, sich direkt mit der Beschwerdeführerin in Verbindung zu setzen.“
Lidl teilte der Familie per E-Mail mit, die Spediteure seien angewiesen, den Piepton beim Rangieren auszuschalten. Ebenso sei die Rampe gummiert und erneuert worden. „Außer Gummipuffern ist nichts passiert“, sagt Hörle-Krauß. Die Behörde habe ihr schließlich nahegelegt, sich bei weiteren Beschwerden direkt an Lidl zu wenden. Das Landratsamt dementiert das, den Hörles liegt das jedoch schriftlich vor. Im August schaltete die Familie einen Anwalt ein.
Lkw-Lärm bei Lidl in Kupferzell: Baurechtsamt schreitet erst Ende 2025 ein
Eine „ausführliche E-Mail mit Lärmprotokoll“ an Bürgermeister Christoph Spieles (CDU) folgte im September 2025 mit der Bitte, tätig zu werden. Hörle-Kraus sagt: „Wir haben nie eine Antwort bekommen.“ Spieles teilt hierzu mit: „Wir bedauern, wenn bei Betroffenen der Eindruck entstanden sein sollte, ihr Anliegen werde nicht ernst genommen oder es sei keine Rückmeldung erfolgt. Unser Ziel ist eine dauerhafte, praktikable Lösung im Sinne des Lärmschutzes.“ Nach Eingang der Hinweise und des Lärmprotokolls seien der Betreiber „zeitnah kontaktiert“ und der Sachverhalt zur Prüfung an die Baurechtsbehörde weitergegeben und der Vorgang dort begleitet worden.
Anfang Dezember 2025 habe das Baurechtsamt Lidl schließlich in einer E-Mail nahegelegt, den nächtlichen Betrieb einzustellen, da dieser nicht genehmigt sei. Das Schreiben liegt dem Ehepaar Hörle vor. Auf Stimme-Nachfrage teilt das Landratsamt mit: „Für die Firma Lidl besteht keine Ausnahmeregelung. Die Betriebszeiten sind in der Baugenehmigung von 6 bis 22 Uhr festgelegt.“ Mitte Januar dieses Jahres soll Lidl der Behörde mitgeteilt haben, die nächtlichen Lieferungen eingestellt zu haben. Seitdem herrscht, bis auf vereinzelte Anlieferungen im Januar und Februar, größtenteils Ruhe, wie Hörle-Krauß sagt. Die Familie behält sich weitere rechtliche Schritte vor.
Lidl betont kontinierliche Anpassung von Abläufen – Ehepaar fühlt sich im Stich gelassen
Was sagt Lidl dazu? Auf Stimme-Nachfrage teilt das Unternehmen knapp mit, es sei sich „der Bedeutung eines guten nachbarschaftlichen Verhältnisses bewusst.“ Logistische Abläufe an den Standorten würden von Lidl „kontinuierlich überprüft und bei Bedarf angepasst“ werden. Lidl stehe mit dem Landratsamt Hohenlohekreis und den Anwohnern im Austausch. Hörle-Kraus sagt, bei ihr habe sich zuletzt niemand gemeldet.
Das Ehepaar fühlt sich nach den Erfahrungen im Stich gelassen – vor allem von den Behörden. „Es gab auch nie eine Entschuldigung.“ Das mehrmalige Aufwachen in der Nacht über die Zeit hinweg habe ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Bei einem Besuch ihres Hausarztes in der Zeit habe Hörle-Krauß geweint, ihm gesagt, sie könne nicht mehr. Bis heute schieße sie nachts noch aus dem Bett, wie die 56-Jährige sagt.
Kupferzeller Bürgermeister versteht „erhebliche Belastung“ – seit 15 Jahren keine Beschwerden
„Wir können nachvollziehen, dass wiederholte nächtliche Anlieferungen für Anwohnerinnen und Anwohner eine erhebliche Belastung darstellen. Störungen der Nachtruhe beeinträchtigen die Lebensqualität – das nehmen wir ernst“, teilt Bürgermeister Spieles mit.
Die Lidl-Filiale befinde sich seit über 15 Jahren am Standort. „Vergleichbare Hinweise auf nächtliche Anlieferungen oder entsprechende Ruhestörungen lagen der Gemeindeverwaltung nach unserer Kenntnis in den Jahren zuvor nicht vor.“
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