B19-Umleitung durch Kupferzell: „Wenn die Autos stehen, geht’s“
Dienstagfrüh geht es nur sehr langsam voran, auf der B19-Umleitung bei Kupferzell. Auch nach den Ferien kaum Auswirkung für Rettungsdienste. Ein Besuch im Berufsverkehr.
Im Schnitt 400 Meter pro Stunde. Eines ist sicher: Der Fahrer dieses Golfs in der Kupferzeller Ortsmitte wird sich nicht wegen eines Verstoßes gegen die Geschwindigkeitsbeschränkung verantworten müssen. Für die letzten, etwa 26 Meter auf seiner Fahrt aus Richtung Langenburg braucht er drei Minuten und 50 Sekunden.
Um 8 Uhr am Dienstagmorgen herrscht Stau im Ort. Seit zwei Wochen ist die B19 bei Kupferzell gesperrt, die Umleitung führt durch den Ort – und dafür wurde die Vorfahrtsregelung geändert: Jetzt haben die Autos aus Richtung Künzelsau Vorrang vor denen aus Richtung Langenburg. Und die sind im Berufsverkehr zu allermeist abhängig vom Wohlwollen anderer Autofahrer, wie sich am Morgen zeigt. An der Kreuzung in der Ortsmitte treffen die Blechlawinen aufeinander. Sie reißen nur selten ab, damit sich Autos der einen Lawine in die andere einfädeln können.

B19-Umleitung durch Kupferzell: Nur Unfälle mit Sachschaden
„Ich fahre lieber außen rum“, berichtet Burgund Kurz – über die Straßen im Ort, damit sie nicht über diese Kreuzung fahren muss. Oder sie läuft die Strecken, wie jetzt, da sie am Straßenrand wartet, bis sie Autos anhalten und sie sicher kreuzen kann. Der Verkehr habe seit Montag zugenommen im Vergleich zu den ersten beiden Wochen der Umleitung, erzählt die Kupferzellerin. Am Montag habe sie dort entlang fahren müssen, „der Lkw vor mir musste auf den Gehweg fahren“, weil die Straße so eng ist.

Ein umgefahrener Steinpoller an der Kreuzung deutet am Dienstagmorgen auf einen weiteren Wagen hin, der auf den Gehweg gefahren ist – an einer Stelle, an der Gegenverkehr oftmals ausweichen muss, damit Lkw die Kurve fahren können. Am Nachmittag sei der Poller bereits vom Bauhof entfernt worden, schreibt Kupferzells Bürgermeister auf Nachfrage unserer Redaktion. „Beschädigungen einzelner Poller kommen bedauerlicherweise auch unabhängig von einer Umleitung immer wieder vor“, betont er. Ein Zusammenhang mit der Umleitung sei deswegen nicht direkt herzustellen. Dieser Unfall mit Fahrerflucht sei nun angezeigt worden.
Bis dahin hat die Polizei drei Unfälle in dem Bereich registriert, schreibt Petra Rutz, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Heilbronn: „Einen ,Spiegelstreifer’ im Begegnungsverkehr, ein Auffahrunfall und eine Vorfahrtsverletzung. Alle ohne Personenschaden.“ Am Montag gab es einen Einsatz mit rettungswagen. Das war allerdings kein Unfall im Zuge der Umleitung, gibt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Heilbronn auf Nachfrage unserer Redaktion an – vielmehr sei es medizinischer Notfall gewesen, bei dem die Polizei nicht involviert gewesen sei.

Rettungsdienste haben kein Problem mit dem Stau
Für den Rettungsdienst sei die Umleitung durch Kupferzell kein Problem, sagt Kai Schlecht. Er ist der stellvertretende Kreisgeschäftsführer des DRK und Leiter des Rettungsdienstes. „Wenn es drum geht, haben wir die Möglichkeit, uns vorbeizudrängeln.“ Die Umleitung sei zwar „nicht optimal“. Größere Verzögerungen oder Einschränkungen seien aber nicht festzustellen.
Bei einer Umleitung, die nur über wenige Wochen eingerichtet ist, würden solche Daten aber auch nicht gemessen, betont Schlecht. Viel mehr als das Verkehrsaufkommen – auch in Stoßzeiten – wirke sich eine weitere Strecke aus. Die Umleitung durch Kupferzell ist nur etwa 700 Meter länger als die gesperrte Strecke auf der B19.
B19-Umleitung durch Kupferzell: Jugendliche auf dem Schulweg
Manche Fahrer suchen Schleichwege, erzählt Anne Giesen, die in der Gerberstraße wohnt. „Wenn wir aus unserer Ausfahrt fahren, müssen wir schon aufpassen, weil der Verkehr viel stärker geworden ist.“ Ob die Autofahrer dort Zeit sparen, da ist sie nicht sicher: „Am Marktplatz müssen sie ja wieder warten.“

Auch wenn – wie die Kupferzeller Schule angibt – der Schulweg nicht an der Umleitung entlang geht, läuft gegen 8.15 Uhr eine Gruppe Jugendlicher über den Marktplatz, um zum Unterricht zu kommen. Die vier haben den Stau interessiert beobachtet – gefährlich fühle es sich für sie nicht an. „Wenn die Autos stehen, geht’s“, kommentiert der 14-jährige Enrico.
Um 8.45 beruhigt sich der Verkehr für wenige Minuten. Fünf Minuten später rollen die nächsten Blechlawinen heran.
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