Künzelsau plant Photovoltaik-Kampagne – Drohne soll Wohnhausdächer untersuchen
Nur auf zwölf bis 15 Prozent der Dächer in Künzelsau sind Photovoltaik-Anlagen installiert. Die Stadt will nun Anreize für Eigentümer schaffen, um den Anteil zu erhöhen.
Wenn die Sonne auf die Häuser im Ländle brennt, geht eine Menge Potenzial verloren. Denn 60 Prozent der Sonnenenergie, die hierzulande gewonnen werden kann, liegt auf den Dächern der Wohnbauten. Darauf weist die Künzelsauer Klimaschutzmanagerin Melissa Neumann kürzlich in der Sitzung des Klimaausschusses hin. In Künzelsau seien erst zwölf bis 15 Prozent der Dächer belegt, bei denen sich das Ernten der Sonnenstrahlen lohnen würde.
Deswegen will die Stadtverwaltung allen Eigentümern in der Stadt einen einfacheren Einstieg dafür bieten, Photovoltaik-Anlagen auf Wohngebäuden zu installieren. „Viele Menschen haben ein Händchen dafür und arbeiten sich ein, aber viele sind vorsichtiger bei dem Thema“, begründet die Klimaschutzmanagerin den Anreiz, den die Stadt setzen will. Dafür plant sie eine „Photovoltaik-Kampagne“.
Photovoltaik auf Wohnhäusern: Künzelsau will mehr Sonnenenergie nutzen
Dabei soll jedes Wohnhaus mit einer Drohne überflogen werden. Das Unternehmen Solarhub wertet die gesammelten Bilder aus – zum Beispiel nach Schattenwürfen, Gauben und Antennen. Für jedes Haus könne die Info dann in einem Online-Portal nachgesehen werden. „Dann kann man von daheim vom Sofa aus anzeigen lassen, wie groß das Potenzial auf dem eigenen Dach ist.“
So könne der eigene Energieverbrauch angegeben und zum Beispiel simuliert werden, wie groß der Bedarf wäre, wenn man eine Wallbox zum Laden eines Elektroautos oder eine Wärmepumpe anschafft, erklärt Neumann. Und der Eigentümer kann sehen, „wie viele Module brauche ich, damit es sich für mich lohnt?“.

Drohnenflug liefert präzise Dachdaten zur Einschätzung des Solarpotenzials: Beratung und lokale Betriebe im Fokus
Die Kampagne soll aber auch weitere Schritte beim Bau einer Photovoltaikanlage umfassen: Unabhängige Energieberater stehen dann den Interessierten bei, zum Beispiel bei Online-Webinaren, bei entsprechenden Veranstaltungen oder bei Sprechstunden im Rathaus.
Beim Aufbau der Anlagen sollen dann heimische Handwerker profitieren. Sie sollen bereits von Beginn an Teil der Kampagne sein, die Stadt wolle bewusst keine bundesweit tätigen Unternehmen ins Boot holen, die ohnehin bereits „verstärkt Werbung machen“, betont Neumann.
Stadt Künzelsau kalkuliert flexible Kosten je nach Beteiligung und Umfang der Auswertung
Die Kosten für die Stadt variieren. „Es gibt eine Spanne von 10.000 bis 50.000 Euro“ pro Jahr, je nachdem, für wie viele Häuser das Unternehmen die Auswertung macht: Die Stadt könne im ersten Jahr beispielsweise einen Vertrag für 60 Häuser abschließen. „Wenn das funktioniert, können wir das nochmal machen. Und wenn wir merken, das Interesse geht zurück, können wir auch ein kleineres Paket nehmen.“ Entsprechend werden die Kosten dann geringer.
Bei den Kosten ist sich Klima-Ausschuss-Mitglied Wolfgang Kubat (UBK) unsicher. Ob das jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag koste, möchte er wissen. Das verneint Klimaschutzmanagerin Neumann: „Die Befliegung mit der Drohne ist das teuerste, die passiert aber nur einmal.“ Die erstmaligen Kosten betragen laut Sitzungsunterlagen zwischen 11.500 Euro und 23.000 Euro. „Danach kostet es etwa 3000 Euro“, antwortet Neumann.
Teilorte werden berücksichtigt – Drohnen liefern bessere Daten als Solarkataster
„Was ist denn mit den Teilorten?“, fragt Kubat weiter nach. Bei der Kampagne seien die Häuser aller Teilorte mit einbezogen, versichert Neumann. Dass mit dem Solarkataster des Landes Baden-Württemberg schon Potenziale der Häuser kostenlos abrufbar seien, kommt noch als Thema auf. Neumann bittet einen im Publikum anwesenden Energieberater um eine Einschätzung. „Das basiert auf Satellitendaten“, sagt der. Die Drohnenbilder können detailliertere Daten liefern. Die Mitglieder des Klimaausschusses begrüßen die „Photovoltaik-Kampagne“.
Der Drohnenflug passiert in über 100 Metern Höhe. „Dadurch sind wir rechtlich abgesichert, dass keine Persönlichkeitsrechte eingeschränkt werden“, versichert Künzelsaus Klimaschutzmanagerin Melissa Neumann . Für das Online-Portal werden 3D-Modelle der Häuser erstellt. Nach der Planung der Anlage können Eigentümer in einem Konfigurator unterschiedliche Parameter und technische Wünsche simulieren. Daraufhin werden die Energieberater und zuletzt die Anlagen-Installateure einbezogen. Für das Projekt soll es Webinare und Infoveranstaltungen geben.Die Klimaschutzmanagerin berichtet, sie habe auch mit ihrer Kollegin in Öhringen, Sophie Giebler, und beim Leiter des Klimazentrums des Hohenlohekreises, Joachim Schröder, gesprochen. Auch dort gebe es Interesse an einer solchen „Photovoltaik-Kampagne“.


Stimme.de
Kommentare
Jürgen Mosthaf am 05.06.2025 06:46 Uhr
Das lohnt sich, vor allem in Verbindung mit einem guten Stromspeicher. Wenn es gut läuft sind wir mit einem fünf köpfigem Haushalt von März bis in den September nahezu autark. Wir sparen ca. 3000 kWh pro Jahr und erhalten noch ca 500 Euro für die Einspeisung. Eine bessere Wertanlage und Altersversorgung gibts fast nicht.
Jürgen Mosthaf