Photovoltaik-Anlagen bei Firmen: Wie Würth, Knorr, Bechtle und Co. Solarenergie nutzen
Viele Unternehmen investieren verstärkt in Photovoltaik-Anlagen auf ihren Gebäuden – wie etwa bei Knorr in Heilbronn zu sehen. Doch manchmal läuft bei der Nutzung von Solarenergie nicht alles glatt.
In die Nutzung von Solarenergie auf Firmendächern kommt Bewegung. Waren es anfangs nur einige Hallen, vorwiegend Neubauten, bei denen die Module gleich mitinstalliert wurden, so setzen sich mehr und mehr Unternehmen auch auf bestehende Gebäude ihre eigene Stromerzeugung.
Wobei das freilich nicht in jedem Fall problemlos funktioniert: Oft müssen ältere Dächer erst einmal statisch ertüchtigt werden, um das Gewicht einer PV-Anlage überhaupt tragen zu können. Dennoch: Eigener Strom vom Dach ist mittlerweile, wo auch der Fuhrparks stets mehr Elektroautos umfasst, eine wichtige Energiequelle für Firmen geworden. Ein Überblick über große Betriebe und ihre Anlagen.
Würth-Konzern nutzt Solarenergie: Strom kommt vom Parkhaus und vom Firmendach
Beim Künzelsauer Würth-Konzern setzt man verstärkt auf die Kraft der Sonne zur Energiegewinnung: Denn Ökostrom und nicht zuletzt der Ausbau von Photovoltaik-Kapazitäten auf Firmengebäuden oder Parkplätzen seien ein "wichtiger Hebel für die Würth-Gruppe, um ihre Klimaziele zu erreichen", teilt Sprecherin Alexandra Schneid mit.
Konkret trage man dem folgendermaßen Rechnung: Das Unternehmen prüfe nicht nur bei bereits bestehenden Häusern die Nachrüst-Optionen mit Photovoltaik-Anlagen und setze diese "sukzessive" um, sondern denke "bereits in der Bauphase neuer Gebäude den Ausbau von PV-Anlagen mit". So sei etwa auf dem Dach des 2021 errichteten Mitarbeiter-Parkhauses in Künzelsau-Gaisbach eine 4000 Quadratmeter große Anlage installiert worden.
"Ein weiteres Beispiel liefert Würth Industrie Service, die im vergangenen Jahr eine der größten Photovoltaik-Fassadensysteme Europas in Betrieb genommen hat", so die Konzern-Sprecherin weiter. An der Südseite des Würth-Logistikzentrums in Bad Mergentheim soll jenes mit einer Fläche von mehr als 4600 Quadratmetern, 2000 einzelnen Modulen und einer Leistung von über 1000 Kilowatt-Peak "einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung des Standorts leisten".
Damit habe man die PV-Leistung an allen deutschen Standorten auf über 110.000 Kilowatt-Peak erhöht - und im vergangenen Jahr insgesamt 99 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Stromverbrauch eines Einfamilienhauses wird mit rund 3000 Kilowattstunden angegeben. Die selbstproduzierte PV-Energie nutze die Unternehmensgruppe "nahezu 100 Prozent selbst", heißt es.
Solarenergie bei Firmen: Ziehl-Abegg nutzt Photovoltaik in aller Welt
Der Ventilatoren-Hersteller Ziehl-Abegg bekundet ebenfalls, dass die Photovoltaik als "wichtiger Punkt in die globale Nachhaltigkeitsstrategie" eingebunden sei. "Es gibt auf zahlreichen Gebäuden im In- und Ausland PV-Anlagen: etwa in Thailand, den Niederlanden, China und auch in Deutschland", sagt Sprecher Rainer Grill. Aktuell prüfe man bei bisher freien Dächern, ob dort Sonnenstrom möglich wäre. "Daher steigt die für PV genutzte Dachfläche stetig an."
Markt-Konkurrent EBM-Papst vermeldet, dass im Werk bei Mulfingen-Hollenbach noch in diesem Jahr Jahr bereits eine dritte Photovoltaik-Anlage ans Netz gehen wird. "Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Inbetriebnahme von weiteren Anlagen in Slowenien und Ungarn", informiert das Unternehmen.
PV-Module auf den Dächern: Bechtle erzeugt 30 Prozent seines Strombedarfs selbst
Beim IT-Dienstleister Bechtle sind alleine auf der Konzernzentrale in Neckarsulm inzwischen 5400 der PV-Module im Einsatz. Auf einer Fläche von 11.419 Quadratmetern, also rund 1,1 Hektar, erzeugten sie vergangenes Jahr exakt 1,474398 Millionen Kilowattstunden Strom, teilt Unternehmenssprecher Stefan Maurer mit. "Dies entspricht circa 30 Prozent unseres Strombedarfs."
Alle geeigneten Dachflächen auf den Bürogebäuden, der Logistikzentrale und dem Parkhaus seien mit PV-Modulen belegt. Der auf diese Weise gewonnene Strom sei sowohl für die Bürogebäude, als auch für E- und Hybridfahrzeugen nutzbar. Die grüne Energie fließe in das intelligente Lastmanagement ein, das die Ladeleistung der Fahrzeuge regelt und für die 166 Ladepunkte der Zentrale auch die verfügbare Solarenergie berücksichtigt.
Solarenergie: Läpple wartet noch auf das letzte Zertifikat
Bürokratische Anlaufschwierigkeiten hat der Heilbronner Autozulieferer Läpple erlebt, wie Sprecherin Bilke Schäffer berichtet: "An unserem Standort Heilbronn wurde bereits im ersten Quartal 2023 eine großflächige Photovoltaikanlage installiert", sagt sie. Auf mehreren Produktionshallen seien auf knapp 8000 Quadratmeter Fläche 4136 Photovoltaikmodule angebracht worden.
Die Anlage könne einen Ertrag von etwa 1,615 Millionen Kilowattstunden erzielen. Die Eigenverbrauchsquote des erzeugten Stroms werde dadurch zukünftig rund 90 Prozent betragen, womit rund 565 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. "Die Leistung deckt damit rund zwölf Prozent unseres Stromverbrauchs ab."
Die bürokratischen Hürden in der gesamten Genehmigungsphase seit der Installation im vergangenen Jahr seien aber enorm. "Die letzten Zertifikate des Netzbetreibers stehen weiterhin aus", beklagt die Sprecherin. "Uns wurde hierfür nun ein Termin zur Zertifikatsübergabe in Kalenderwoche 34 zugesichert. Bis dies erfolgt ist, dürfen wir die Leistung der Anlage zu 80 Prozent und rein für den Eigenbedarf nutzen."
Knorr plant schon die Erweiterung der Photovoltaikanlage
Im Knorr-Werk in Heilbronn wurde vor wenigen Wochen eine der leistungsstärksten Photovoltaikanlagen der Stadt fertiggestellt. Die 4000 Quadratmeter große Anlage mit mehr als 2000 Panels befindet sich auf dem Hochregallager. Die Leistung von rund 870 Kilowatt in der Spitze entspricht etwa der 100-fachen Leistung einer Einfamilienhaus-Solaranlage. Bis zu 800.000 Kilowatt Strom werden zukünftig das größte Unilever-Werk für trockene Lebensmittel in Europa versorgen. Bis 2030 will der Standort CO2-neutral sein.

Die Nutzung von Ökostrom am Werksstandort soll ausgebaut werden: Eine Freiflächenanlage mit 800 Modulen und einer Leistung von rund 350 Kilowatt in der Spitze wird noch dieses Jahr fertiggestellt, heißt es. Sie wird dann zusammen mit der bereits installierten Dachanlage rund 1,15 Millionen Kilowatt im Jahr liefern. "Die Installation dieser Solaranlage ist ein entscheidender Schritt, um unser Werk CO2-neutral zu machen", sagt Werksdirektor Julius Mannherz.
Im Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz des Landes ist eine Pflicht zur Installation von Photovoltaikanlagen beim Neubau von Wohn- und Nichtwohngebäuden aufgenommen. Seit 2023 gilt diese Pflicht auch für bereits bestehende Wohn- und Nichtwohngebäude, sobald deren Dächer grundlegend saniert werden.
Stimme.de
Kommentare
Jürgen Mosthaf am 16.08.2024 06:18 Uhr
Wieso erfährt man nirgendwo, wieviel Strom Audi Neckarsulm verbraucht, selbst produziert, geschweige denn pro Kilowatt bezahlt. Man hört, dass Audi hier deutliche Vorteile hat gegenüber kleinen Unternehmen. Auch der Wasserbedarf und die Kosten pro m3 würden mich einmal fürchterlich interessieren.
Jürgen Mosthaf