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Haushaltskrise
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Kreisstraßen in Hohenlohe verkümmern – kein Geld in der Kasse

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Viele kaputte Strecken im Hohenlohekreis müssten dringend ausgebaut oder saniert werden. Statt dessen werden etliche Abschnitte mit Flickschusterei und Verschiebekünsten bloß über die Zeit gerettet. 

Die Marlacher Steige wartet schon lange auf Erneuerung. Schäden wurden im Herbst 2024 notdürftig geflickt, im Sommer 2027 soll der Ausbau starten.
Die Marlacher Steige wartet schon lange auf Erneuerung. Schäden wurden im Herbst 2024 notdürftig geflickt, im Sommer 2027 soll der Ausbau starten.  Foto: Reichert\, Ralf

Weil der Hohenlohekreis zu wenig Geld hat, um sein Straßennetz in Schuss zu halten, muss er immer öfter improvisieren. Dies führt zu finanziellen Verschiebekünsten, die aus der Not eine Tugend machen, und notdürftiger Flickschusterei am brüchigen Asphalt, die alles andere als nachhaltig ist.

So kommt die horrende Haushaltskrise, die 2026 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen wird, konkret bei frustrierten Verkehrsteilnehmern an.

Kaputte Straßen im Hohenlohekreis: Zwei Strecken stehen exemplarisch für das Dilemma

Die einen kritisieren dann etwa, dass eine katastrophale Kreisstraße wie die 2319 von Marlach nach Erlenbach nicht längst ausgebaut ist. Die anderen klagen, dass Abschnitte wie die K2332 zwischen Unter- und Obermaßholderbach nur mit Bindemittel und Splitt über die Zeit gerettet werden.

Beide Strecken stehen exemplarisch für viele weitere kaputte Kreisstraßen, die bis heute weder nach der reinen Lehre ausgebaut noch gründlich saniert worden sind.

600.000 Euro, um Risse und Löcher notdürftig zu kitten

Das ganze Ausmaß dieser Finanzmisere wurde in der jüngsten Sitzung des zuständigen Kreistagsausschusses einmal mehr ersichtlich. Eigentlich bräuchte der Kreis pro Jahr fast 1,4 Millionen Euro, um alle Fahrbahndecken so zu erneuern, dass zumindest die Substanz einigermaßen erhalten bleibt. Um diese dauerhaft zu verbessern, wären jährlich bis zu zweieinhalb Millionen Euro fällig.

Tatsächlich hat das Straßenbauamt 2025 nur 600.000 Euro zur Hand, um reine „Oberflächenbehhandlungen“ zu tätigen. So nennen Experten das flüchtige Kitten und Flicken von Rissen und Löchern mit Emulsion und Rollsplitt, um mit den begrenzten Haushaltsmitteln wenigstens „in die Fläche gehen“ zu können, wie Kreiskämmerer Michael Schellmann erklärt.

Warum die Rollsplit-Lösung nicht nachhaltig ist

Die sonst üblichen „Deckenerneuerungen“ fallen komplett aus. Dass diese Variante deutlich besser ist, will er gar nicht in Abrede stellen. Nur: Woher das Geld nehmen, wenn nicht stehlen? Auf vielen Kreisstraßen streuten Baukolonnen in diesem Sommer fleißig Splitt. Auf lange Sicht wird der Zustand aber so aber immer schlechter.

Wer immer nur oben kratzt und nicht in tiefere Schichten vordringt, riskiert irgendwann die komplette Substanz. Dann wird alles noch viel teurer – und irgendwann gänzlich unbezahlbar.

Extrembeispiel Marlacher Steige: Bis heute kein Kilometer ausgebaut

Investitionen in die Tiefe sind das eine, solche in die Breite das andere. Die K2319 von Marlach nach Erlenbach misst drei Kilometer. Sie sollte bereits 2011 ausgebaut werden. Bis heute ist nichts passiert. Im Herbst 2024 wurden die gröbsten Defekte geglättet. Ende 2021 hatte der Kreistag den Ausbau der Marlacher Steige auf 2023 vorgezogen.

Doch die Planungen dauern bis heute an, und die Kosten kletterten von fünf auf 7,5 Millionen Euro. Zumindest bezahlt das Land wohl die Hälfte. Ein Plus von 2,5 Millionen: Das ist so viel, wie der Kreis bislang pro Jahr in den Straßenausbau stecken kann: insgesamt. Die Grundstücksverhandlungen waren kompliziert, jetzt könnten sie bis Ende 2025 ein gutes Ende finden, sagt Landrat Ian Schölzel.

Im Sommer 2027 könnte der Baustart erfolgen 

Die Entwurfsplanung ist seit Mai 2025 fertig, derzeit laufen Nacharbeiten. Neben der heiklen Eigentumsfrage – 15 unterschiedliche Flächen mussten erworben werden – lähmte die schwierige Topographie den Prozess. Ohne massive Stützbauwerke geht nichts. „Wenn der Grunderwerb abgeschlossen ist, dauert es in der Regel eineinhalb Jahre bis zum Baustart“, sagt Oliver Bückner, der Leiter des Straßenbauamts. Deshalb: „2027 ist unser Ziel.“

Not macht erfinderisch

Jedes Jahr gibt es „Verpflichtungsermächtigungen“, die für den Ausbau der Marlacher Steige bestimmt sind. Allein: Sie wurden kaum abgerufen. Also kam der Kreis auf die Idee, 2025 aus diesem Etatposten 550 000 Euro loszueisen, um die Fahrbahndecke der K2371 vom Ortsausgang Kupferzell bis zur Kupferbrücke Ulrichsberg auf 1,4 Kilometern zu sanieren. Der Kreis will damit die Gunst der Stunde nutzen, die sich mir dem Abschluss der Brückenbaustelle an der B19 in der Kupfersenke ergibt.

Kreisrat Züfle kritisiert: „Das ist eine Milchmädchenrechnung“

Das Land wird die zwei Bauwerke Anfang November für den Verkehr freigeben. Die Nacharbeiten beinhalten auch die Erneuerung jener 100 Meter K2371, die unter der einen Brücke verläuft. Da lag es aus Kreissicht nahe, den Rest Richtung Ulrichsberg gleich mit zu erledigen. Nur: Jene halbe Million Euro muss er 2026 woanders wieder einsparen. Es bleibt also: ein Verschiebebahnhof. Oder um mit Kreisrat Rainer Züfle zu sprechen: eine „Milchmädchenrechnung“. 

Zustand der Kreisstraßen wird immer schlechter 

Früher war das 336 Kilometer lange Netz von Kreisstraßen mal besser in Schuss als die 294 Kilometer Landesstraßen. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Etliche Streckenabschnitte sind in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand. Nach der letzten Straßenbewertung im Jahr 2022 lag die Gesamtnote bei 3,7 – und damit über dem Warnwert von 3,5. Die fünfstufige Skala reicht von 1,0 bis bis 5,0. Die Landesstraßen im Hohenlohekreis wurden zuletzt 2020 bewertet. Die Gesamtnote lag hier bei 3,2. 

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