In Hohenlohe schließen immer mehr kleine Recyclinghöfe
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Nach Waldenburg schließen auch die Recylinghöfe in Gommersdorf, Ernsbach und Neuenstein. Warum? Und wie geht es mit der Entsorgung im Kreis weiter?
Von unserer Redakteurin Katrin Draskovits
Mal eben ein bisschen Metallschrott wegbringen gehört in Neuenstein bald der Vergangenheit an, denn der Recyclinghof stellt Ende August den Betrieb ein.
Foto: Reichert, Ralf
Mal eben die alten Tonerkatuschen oder etwas Metallschrott auf einem kleineren Recyclinghof entsorgen: Das scheint im Hohenlohekreis langsam aber sicher der Vergangenheit anzugehören. Nachdem 2023 bereits der Standort in Waldenburg geschlossen wurde (wir berichteten), folgt nun Ende Juli der in Gommersdorf. Weitere Recyclinghöfe schließen im August, wie die Abfallwirtschaft Hohenlohe (AWH) auf HZ-Nachfrage bestätigt hat. Doch was ist das Problem? Und wie geht es mit der Entsorgung solcher Wertstoffe im Kreis weiter?
Nach der Umstellung des Entsorgungssystems im Jahr 2018 gab es im Landkreis noch acht kleine Recyclinghöfe. Einer der kleinsten – Waldenburg – schloss Ende Dezember 2023. Der Grund: Er lag zu nah am zentralen Wertstoffhof Stäffelesrain. Zu hoch waren die laufenden Kosten, zu gering die abgegebenen Mengen. Der Öhringer Recyclinghof am Ö-Center wurde Ende September 2018 geschlossen, weil das Einkaufszentrum seinen Parkplatz erweiterte. Geblieben sind bis heute die Höfe in Mulfingen, Gommersdorf, Bieringen, Künzelsau, Ernsbach und Neuenstein. Im Zusammenhang mit der Schließung von Waldenburg kündigte die AWH zuletzt an, die Strukturen könnten weiter angepasst werden. Dies wird nun mit der Schließung von gleich drei weiteren Recyclinghöfen in die Tat umgesetzt.
Recyclinghof Gommersdorf schließt
Ende dieses Monats wird Gommersdorf dicht gemacht. Wie auch in Waldenburg, ist einer der Gründe „die verhältnismäßig geringen Abgabemengen an Wertstoffen“, erklärt Anja Kohr, Sprecherin der AWH. Die Wirtschaftlichkeit schwinde, gesetzliche Anforderungen würden steigen, genauso die Kosten für Entsorgung und Transport von Müll. Hauptursache sei jedoch der Personalmangel. Dies führt ganz aktuell bereits dazu, dass im Juli drei Recyclinghöfe für jeweils eine Woche schließen müssen, weil es zu wenig Mitarbeiter gibt(wir berichteten). Solche kurzfristigen partiellen Schließungen kündigt Kohr auch für August an.
Wäre Videoüberwachung eine Alternative, um Personal zu sparen? Laut Kohr sprechen etliche Faktoren dagegen. Einer sei der Datenschutz, zudem benötige man auch dann noch Personal – etwa zur Überprüfung der Videos. „Hinzu kommt auch, dass Entsorgung im falschen Container zwar auffällt, aber niemand da ist, der die Bürger über den korrekten Weg aufklären kann. Und es gibt leider auch ,schwarze Schafe’, die einen Recyclinghof ohne Betreuer ausnutzen, um kostenpflichtige Abfälle auf Kosten der Allgemeinheit zu entsorgen. Um diese Personen dann ausfindig zu machen, wird erneut Personal benötigt“, so Kohr.
Darum schließen auch Recyclinghöfe in Ernsbach und Neuenstein
Die Abfallentsorgung sei besonders im ländlichen Raum eine Gratwanderung. Immer neue gesetzliche Regelungen führten zwar zu einer immer gezielteren Trennung, was die AWH begrüße. „Das bedeutet jedoch auch einen stetigen Zuwachs von Containern, die für die Trennung aufgestellt werden müssen.“ Das gäben die Flächen nicht überall her. Hinzu komme, dass nicht auf allen Höfen die Sicherheit für Bürger und Mitarbeiter gegeben sei, da die Fläche zeitgleich auch anderweitig durch die Kommune genutzt werde, so Kohr. Diese Gründe führen auch zur Schließung von weiteren kleinen Recyclinghöfen, wie Kohr auf HZ-Nachfrage mitteilt. „Ende August stellen auch die Standorte in Ernsbach und Neuenstein den Betrieb ein“, erklärt sie. „Die Gründe sind identisch wie in Gommersdorf.“
Was heißt das für die Entsorgung außerhalb der großen Städte? Alternativen seien der zentrale Wertstoffhof in Beltersrot sowie die vier größeren Schwerpunkthöfe in Öhringen, Schwabbach, Niedernhall und Dörzbach, wo der alte Mietvertrag gekündigt wurde und die AWH derzeit einen neuen Hof plant. Auf den Schwerpunkthöfen könnten wesentlich mehr Abfälle entsorgt werden, erklärt Kohr. Außerdem seien sie länger geöffnet. Während die kleinen Recyclinghöfe an lediglich zwei Tagen pro Woche meist zwei und in Ausnahmefällen vier Stunden geöffnet hätten, seien die Schwerpunkthöfe drei bis vier Mal pro Woche zwischen drei und sieben Stunden offen. 2018 gab es noch acht kleine Recyclinghöfe, ab September 2024 sind es nur noch drei: in Mulfingen, Bieringen und Künzelsau. Gibt es also bald gar keine mehr? Kohr sagt, die AWH könne nicht ausschließen, dass „aus personellen oder wirtschaftlichen Gründen“ die Struktur weiter angepasst werden müsse.
So funktioniert Recycling im Hohenlohekreis
2018 wurde die Entsorgung im Hohenlohekreis neu strukturiert. Seitdem gibt es im Hohenlohekreis kleine Recyclinghöfe, größere Schwerpunkthöfe und einen zentralen Wertstoffhof. Die Unterregionen Jagsttal, Kochertal und Hohenloher Ebene verfügten anfangs über acht Recyclinghöfe und jeweils mindestens einen Schwerpunkthof. Auf den derzeit noch sechs Recyclinghöfen in Ernsbach, Gommersdorf, Bieringen, Mulfingen, Neuenstein und Künzelsau können kleinere Mengen Altkleider, Batterien, Glas, Kartons, Metallschrott, Speisefett und Tonerkartuschen abgegeben werden.
Die Schwerpunkthöfe in Schwabbach, Dörzbach, Öhringen und Niedernhall nehmen zusätzlich große Elektrogeräte, Altholz aus dem Innenbereich und Bauschutt an. Der Wertstoffhof Stäffelesrain in Beltersrot fasst am meisten Müllarten, etwa auch Altreifen oder Dämmwolle. In Bieringen können nun auch große Elektrogeräte und Bauschutt abgeladen werden, er ist damit einem Schwerpunkthof gleichgestellt. In Dörzbach wird, sobald der neue Standort betriebsbereit ist, auch Sperrmüll angenommen, in Niedernhall geht das ab 1. August.
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