Stimme+
Hohenlohe

Hohenloher müssen ab 2023 weniger für Bauschutt zahlen

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Private Kleinanlieferer profitieren von der neuen Mülldeponie in Beltersrot. Das Entsorgungsgeschäft mit den Großkunden lahmt noch.

Hier ist Platz für 51 000 Tonnen Bauschutt und Erdaushub sowie 2000 Tonnen Asbest pro Jahr. Bis 10. November kamen die ersten 100 Tonnen an. Foto: Ralf Reichert
Hier ist Platz für 51 000 Tonnen Bauschutt und Erdaushub sowie 2000 Tonnen Asbest pro Jahr. Bis 10. November kamen die ersten 100 Tonnen an. Foto: Ralf Reichert

Private Kleinanlieferer, die Bauschutt in Beltersrot entsorgen wollen, müssen dafür ab 2023 weniger zahlen. Während 2022 jeder Kubikmeter 155 Euro kostet, sind es ab nächstes Jahr nur noch 90 Euro. Auf dem Wertstoffhof Stäffelesrain können derzeit Mengen bis 0,5 Kubikmeter oder 500 Liter Bauschutt abgegeben werden. Bei größeren Mengen besteht jetzt die Möglichkeit, das Material direkt auf der neuen Deponie für Bauschutt und Erdaushub abzuladen, die seit 4. Oktober in Betrieb ist und nur wenige Meter den Hang hinauf entfernt liegt. Dorthin laden die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis (AWH) auch die kleineren Anlieferungen um, die im Wertstoffhof eingehen.


Mehr zum Thema

Zwei Mitarbeiter des Öhringer Bauhofs werden der Bestechlichkeit und Vorteilsannahme verdächtigt. Die Räume wurden am 17. Oktober durchsucht.  Foto: Ralf Reichert
Stimme+
Öhringen
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Öhringer Bauhofleiter nach Razzia fristlos entlassen


Transportkosten fallen komplett weg

Die alten Tarife haben aktuell noch Gültigkeit, weil die bestehende Preistabelle erst Ende des Jahres ausläuft. Die günstigeren Tarife können dann ab 2023 in Kraft treten, weil die Transportkosten komplett wegfallen. Bisher musste der Bauschutt aus Beltersrot auf die Deponie Vogelsang in Heilbronn gefahren und dort zu viel teureren Annahmepreisen entsorgt werden. Jetzt kann der Hohenlohekreis den Bauschutt der Bürger in seiner eigenen Deponie direkt nebenan einbauen. Dafür und für Verwaltungsleistungen fallen viel geringere Kosten an.

Kleinere Mengen auf den Wertstoffhof, größere direkt auf die Deponie

Noch finden nur wenige Lastwagen ihren Weg in die neue Mülldeponie in Beltersrot. Das Geschäft mit großen gewerblichen Kunden rollt erst langsam an. Foto: Ralf Reichert
Noch finden nur wenige Lastwagen ihren Weg in die neue Mülldeponie in Beltersrot. Das Geschäft mit großen gewerblichen Kunden rollt erst langsam an. Foto: Ralf Reichert

Die maximalen Preise pro Anlieferung auf dem Wertstoffhof Stäffelesrain liegen ab 2023 also bei 45 Euro für 500 Liter Bauschutt – und nicht mehr bei 77,50 Euro wie 2022. Für alle Mengen, die darüber liegen, müssen die privaten Anlieferer künftig direkt die neue Deponie ansteuern. Schwach belastete Bau- und Abbruchabfälle schlagen laut der dortig gültigen Tarife mit rund 55 Euro pro Tonne zu Buche.

100 Liter Bauschnitt pro Jahr sind frei 

Kleinere Mengen Bauschutt werden also weiter auf dem Wertstoffhof umgeschlagen und sind auch in der neuen Kalkulation etwas teurer als größere Mengen, die nun selbst ans Deponie-Feld gefahren werden können. Unberührt von allen Zahlungen bleibt die Abgabe der jährlichen Freimengen von insgesamt 100 Litern Bauschutt über die AWH-Servicemarke.

Geschäft mit gewerblichen Großkunden kommt erst langsam in Fahrt

Seit die neue Deponie in Betrieb ist, sind vorwiegend solche privaten Kleinanlieferungen angenommen worden. Das Geschäft mit den großen gewerblichen Kunden und Baustellen kommt erst langsam in Fahrt und wird wohl im Frühjahr 2023 einen ersten Höhepunkt erreicht haben. „Der Herbst ist generell etwas ruhiger am Bau“, sagt Betriebsleiter Michael Freiberg. Hinzu kommt, dass wegen der lahmenden Konjunktur derzeit viel weniger gebaut wird als sonst: ob gewerblich oder privat. „Dieses Feedback bekommen wir von allen Betrieben“.

Viele Baufirmen haben noch bestehende Lieferverträge 

Olaf Müller hat im neuen Wiegehaus alles im Blick. Vier Kameras sind im Einsatz, um die ein- und ausfahrenden Fahrzeuge auf der Waagefläche zu kontrollieren. Foto: Ralf Reichert
Olaf Müller hat im neuen Wiegehaus alles im Blick. Vier Kameras sind im Einsatz, um die ein- und ausfahrenden Fahrzeuge auf der Waagefläche zu kontrollieren. Foto: Ralf Reichert

Ein weiterer Grund für die aktuelle Zurückhaltung ist, dass viele Baufirmen noch Lieferverträge mit anderen Deponien haben, die zwar weiter entfernt liegen, aber erfüllt werden müssen. „Manche Deponien haben auch noch günstigere Tarife, wir sind aber schon auf dem Niveau von 2023“, sagt Freiberg. „Spätestens dann müssen auch die anderen nachziehen.“

Mit dem Kreis Schwäbisch Hall wurde bereits eine Einigung erzielt

Die Akquise von Bauschutt und Erdaushub ist in vollem Gang, darum kümmert sich Angelika Maier, die Erdmanagerin. „Ich bin gerade mit vielen Baufirmen in Kontakt“, sagt sie. Auch mit allen Nachbarkreisen laufen Gespräche. Sie werden mit dem Hohenlohekreis eine Entsorgungsregion für Bauschutt und Erden bilden, die unbelastet (Deponieklasse 0: DK 0) oder schwach belastet sind (Deponieklasse 1: DK 1). Im gesamten Norden Baden-Württembergs gab es bisher keine DK 1-Deponie. „Mit dem Kreis Schwäbisch Hall haben wir schon eine Einigung erzielt“, sagt AWH-Chef Sebastian Damm. Das heißt: Alle Mengen, „die kommunal dort auflaufen, werden bei uns entsorgt“.

Auch Kreise Heilbronn, Neckar-Odenwald und Main-Tauber sollen Material in Beltersrot entsorgen   

Die Baurechtsämter aller Kreise sind involviert, wenn Baustellen ab einer bestimmten Größe geplant sind oder laufen. Sie müssen die Baufirmen auf ihre Entsorgungspflicht hinweisen und haben somit den besten Überblick, welche Mengen anfallen können. Eigentlich muss Abfall dort entsorgt werden, wo er anfällt. Bei DK 1-Müll ist das schwer möglich, wenn es keine Deponien in der Nähe gibt. Nun soll der Hohenlohekreis der nächste Anlaufpunkt sein für die Kreise Heilbronn, Neckar-Odenwald, Main-Tauber und Schwäbisch Hall.

 

 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben