Wie war und ist die Lage im Landkreis Heilbronn? Wann wurden die Baukosten in den vergangenen 15 Jahren bei Berufsschulprojekten deutlich überschritten? Sprecher Andreas Zwingmann nennt fünf größere Bauprojekte an drei Berufsschulzentren. „Demnach blieben die Kostenentwicklungen gemessen an der jeweiligen Investitionssumme in einem annehmbaren Rahmen ohne größere Ausreißer nach oben oder unten.“ Beispiel Peter-Bruckmann-Schule: Labor Berufskolleg für biologisch-technische Assistenten (2023 bis 2024), genehmigte Kosten: 1,4 Mio., abgerechnete Summe 1,3 Mio. Euro. Drei-Feld-Sporthalle (2016 – 2018), genehmigte Kosten: 5,5 Mio., abgerechnete Summe: 5,6 Mio. Euro. Beispiel Berufsschulzentrum Heilbronn-Böckingen: Neubau Heizzentrale (2014 bis 2016), genehmigte Kosten: 3,3 Mio., abgerechnete Summe: 3,8 Mio. Euro. Neubau Gewächshaus und Pflasterhalle (2014 bis 2016), genehmigte Kosten: 1,8 Mio., abgerechnete Summe: 1,6 Mio. Euro. Beispiel Christian-Schmidt-Schule Heilbronn: Fassadensanierung in mehreren Bauabschnitten (2015 bis 2020), genehmigte Kosten: 2,7 Mio., abgerechnete Summe: 2,91 Mio. Euro. Aktuell stehe die Erweiterung der Kaywaldschule Lauffen an. An den Berufsschulen liefen ansonsten derzeit keine größeren Investitionsvorhaben“, erklärt der Sprecher.
Berufsschulen im Hohenlohekreis: Wenn die Baukosten aus dem Ruder laufen
Die Zahl der Berufsschüler sinkt, die Ausgaben für Modernisierungen steigen. Bei Bauprojekten an Hohenloher Berufsschulen kommt es immer wieder zu massiven Verzögerungen und Kostenexplosionen.
Aus heutiger Sicht klingt es wie ein Bauprojekt aus fernen und fast schon paradiesischen Zeiten. Im Sommer 2003 stoppte der Kreistag den Neubau der Richard-von-Weizsäcker-Schule in Öhringen aufgrund der schlechten Finanzlage. 2006 nahm er die Planungen wieder auf und fasste im Sommer 2007 den Baubeschluss. Im Frühjahr 2008 war der Baustart, im Oktober 2010 wurde die neue Schule eingeweiht. Zweieinhalb Jahre für dieses Großprojekt? Chapeau - würde man anno 2026 rufen. Und noch besser: Die anfangs geplanten Baukosten von rund 26 Millionen Euro wurden tatsächlich eingehalten.
16 Jahre später reibt man sich da nur verwundert die Augen. Teils massive Kostensteigerungen und zeitliche Verzögerungen sind mittlerweile an der Tagesordnung. Gewiss: Corona und der Ukraine-Kreis bremsten so manches Projekt. Doch nicht in jedem Kreis liefen Bauvorhaben in dieser Zeit derart aus dem Ruder. Die Gewerbliche Schule in Öhringen wurde von 2015 bis 2019 saniert und erweitert. Anfangs hieß es, das wäre für 19,6 Millionen Euro zu haben. Am Ende wurden 31 Millionen Euro abgerechnet. Nur der Zeitplan wurde eingehalten.
Baukosten im Hohenlohekreis: Warum Schulprojekte immer teurer werden und Kreistage warnen
Seit Jahren sinken die Schülerzahlen an den Berufsschulen des Kreises. Das Landratsamt kommt aber nicht umhin, die Gebäude in Öhringen und Künzelsau sukzessive zu erneuern. Nur drohen Maß und Mitte immer stärker verloren zu gehen. Gleichzeitig werden viele Kreisräte immer hellhöriger und kritischer, weil sich die allgemeine Finanzlage zunehmend verdüstert hat. Dies ist in nahezu jeder Sitzung zu spüren.

So auch im Fachausschuss des Kreistags, der für die Schulen zuständig ist. Dabei wurden am 9. März zwei ärgerliche Dauerbrenner abgeräumt. Christian Wolz, Leiter des Hochbauamts, präsentiert die finalen Kostenrechnungen. Und die haben es in sich. Außer Uwe Köhler (parteilos), der sich enthält, stimmen alle Kreisräte dafür. Das erste Sorgenkind ist die Ausporthalle in Öhringen. Nach ewigem Hin und Her begannen die Hauptarbeiten an der komplizierten Dachkonstruktion im Juni 2024 und zogen sich bis in den Spätherbst 2025. Dabei sollte alles schon im Herbst 2021 erledigt sein. Damals hieß es: Die Sanierung der Leimbinder kostet 447.000 Euro. 2026 steht fest: Es sind 2,6 Millionen Euro - sechsmal mehr als gedacht.
Kompetenzzentrum in Künzelsau wird deutlich teurer
Der zweite Problemfall ist das elektronisch-physikalische Kompetenzzentrum mit Cafeteria an der Gewerbeschule Künzelsau. Die Bauarbeiten dauerten geschlagene sechs Jahre, von 2019 bis 2025. Die Kosten stiegen von 4,6 auf 6,6, Millionen Euro.

Mit Dachsanierungen hat der Kreis zuletzt also schlechte Erfahrungen gemacht. Jetzt folgt die nächste: an der Karoline-Breitinger-Schule in Künzelsau. „1,25 Millionen Euro sind dafür veranschlagt“, sagt Wolz. Erinnerungen werden wach an den 6. Oktober 2025, als er gleich drei Berufsschuldächer nannte, die ihm „Kopfzerbrechen“ bereiten, weil deren Sanierung „leider jeweils eine Million Euro oder mehr kosten werden“. Dies sei aber nicht „über Kredite möglich“, sondern müsse „über den laufenden Verwaltungsbetrieb finanziert“ werden - der ohnehin dick im Minus ist. „Wie und wann das wegen der knappen Kassenlage realisierbar ist, bleibt abzuwarten.“
Erweiterung der Akademie Kupferzell: Kreis fürchtet Mehrkosten bei Bauprojekt des Landes
Doch zurück zu der Sitzung am 9. März und zu einem Bauprojekt, das eigentlich Sache des Landes ist, aber vom Hohenlohekreis geplant und ausgeführt wird: die Erweiterung der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell. Schulträger ist der Hohenlohekreis. Das Gebäude gehört aber dem Landesbetrieb Vermögen und Bau, und auch das Ministerium Ländlicher Raum mischt mit. Die Rechnung geht somit ans Land. Eigentlich. Zwei Förderbescheide über zwei Millionen und 1,5 Millionen Euro sind bereits eingegangen.
Der Haken ist: Womöglich muss der Kreis einspringen, wenn der genehmigte Kostenrahmen gesprengt wird. Das bringt einige Kreisräte auf die Palme. Am meisten Achim Beck (FWV). „In jedem Satz ist etwas Teures dabei. Ich sehe hier überhaupt keinen Eigenanteil des Kreises“, kommentiert er den Vortrag von Christian Wolz, der die baulichen Feinheiten vorstellt. Selbst Landrat Ian Schölzel spricht von einem „seltsamen Konstrukt“ und konstatiert: „Wir können nicht derjenige sein, der mögliche Mehrkosten trägt. Da brauchen wir eine verbindliche Zusage des Landes.“
Auch Otto Weidmann (FWV) schwant Böses: „Bei jedem zweiten Satz von Ihnen ist mir schlecht geworden.“ Er regt an, einen „Generalübernehmer“ zu beauftragen: so wie das beim Klinikneubau in Öhringen der Fall war und beim neuen Landratsamt in Künzelsau nachträglich verfügt worden ist. Die maximalen Baukosten und Bauzeiten sind in diesem Modell vertraglich garantiert. Der Baubeschluss soll am 13. Juli fallen und die Erweiterung im November 2028 abgeschlossen sein.
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