Berufsschulen in Heilbronn und Hohenlohe: Die Zahl der klassischen Azubis nimmt weiter ab
Die Berufsschulen im Hohenlohekreis und in der Stadt Heilbronn verlieren jedes Jahr Schüler – Vor allem der Teilzeitbereich ist betroffen

Immer weniger junge Menschen im Raum Heilbronn machen eine duale Ausbildung. Das belegen die Zahlen an den Berufsschulen in der Stadt. Vor allem bei den Teilzeitangeboten, bei denen sich Schulunterricht und Berufspraxis abwechseln, hält ein Abwärtstrend an, der schon länger auch im Hohenlohekreis zu beobachten ist. Dort sind gleichzeitig die Investitionen in Gebäude und Technik stark gestiegen. Allein für die Gewerbliche Schule und die Richard-von-Weizsäcker-Schule, beide in Öhringen, flossen in zwei Jahrzehnten 57 Millionen Euro. Auch die Schulen in Künzelsau müssen mit Millionenaufwand in Schuss gehalten werden. Beide Standorte sollen gehalten werden. Die Frage ist: Wie lange wird das noch möglich sein, wenn die Schülerzahlen weiter so rapide sinken?
Besonders starker Rückgang bei den Teilzeitschülern
„Wir befinden uns leider noch im Abschwung“, sagte Matthias Kyek im Oktober im Hohenloher Kreistag. „Der Aufschwung soll irgendwann 2026 kommen, 2030 ist aber wahrscheinlicher“, erklärt der Rektor der Kaufmännischen Schule Öhringen und Geschäftsführender Leiter aller Berufsschulen im Kreis. Die Zahlen sind ernüchternd: Waren im Jahr 2013 insgesamt 5800 Berufsschüler über alle neun Schularten hinweg gemeldet, sind es im Herbst des vergangenen Jahres noch 4301.
Die Stadt Heilbronn hat die Trägerschaft von drei Berufsschulen: Gustav-von-Schmoller-Schule, Johann-Jakob-Widmann-Schule und Wilhelm-Maybach-Schule. Hier waren im Schuljahr 2025/26 insgesamt 5258 Schüler gemeldet, ein Rückgang um 66 Schüler im Vergleich zum Schuljahr 2024/25. Besonders stark zurückgegangen ist dabei die Zahl der Teilzeitschüler von 3445 auf 3387.
Duale Ausbildung war einst stark nachgefragt
Das entspricht dem Trend, dass immer weniger junge Menschen die klassische und einst stark nachgefragte Duale Ausbildung wählen, der auch im Hohenlohekreis auffällig ist: Die Auslastung der entsprechenden Teilzeitangebote befindet sich dort über alle sechs betroffenen Schularten seit Jahren im Sinkflug. 86 Schüler weniger zählt der Kreis in diesem so wichtigen Bereich in 2025/26 – wobei Künzelsau mit minus 58 überproportional stark betroffen ist. Die Gewerbliche Schule Künzelsau hat einen Aderlass von 36 Schülern zu verkraften, „das sind hauptsächlich Bäcker, Anlagenführer und Produktdesigner“, sagt Kyek.
Fehlende Ausbildungsfähigkeit und weniger Ausbildungsplätze
Einen regelrechten Einbruch meldet Kyek bei den Lageristen in Künzelsau. „Wir hatten einst 90, jetzt sind es nur noch 55.“ Ein Grund: Viele Betriebe würden „lieber keine jungen Leute mehr ausbilden, als dann drei Jahre Probleme mit ihnen zu haben“. Diese fehlende Ausbildungsfähigkeit hat in den letzten Jahren weiter zugenommen. Dazu kommen ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wandel, der auch im Landkreis Heilbronn und in der Stadt zu beobachten ist. „Verschiebungen in den Ausbildungsberufen oder in den Anteilen von Vollzeit- und Teilzeitschülern sind jeweils Auswirkungen der Entwicklungen in den Wirtschafts- und Ausbildungsbetrieben in der Region“, sagt Karin Schüttler, Leiterin Schul-, Kultur- und Sportamt der Stadt Heilbronn.
In der Trägerschaft des Landkreises Heilbronn befinden sich die Andreas-Schneider- und die Christiane-Herzog-Schule, die Fachschule für Landwirtschaft, die Peter-Bruckmann-Schule und die Christian-Schmidt-Schule/Technische Schule in Neckarsulm. Nach Auskunft des Landratsamtes bewegen sich die Schülerzahlen hier auf stabilem Niveau. Der Pressesprecher des Landratsamtes, Andres Zwingmann, verweist außerdem auf die aktuellen statistischen Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz. Nach diesen Prognosen sollen die Schülerzahlen bundesweit ab dem Jahr 2032 wieder signifikant steigen. „Wir müssen die Zeit überwinden“, sagt auch Matthias Kyek. Allerdings geht er nicht davon aus, dass die Zahlen auf das alte Niveau zurückspringen.
Neuer Bildungsgang lässt Schülerzahlen steigen
Bereits in den vergangenen Jahren sind an den Berufsschulen immer wieder neue Fachklassen hinzugekommen in der Hoffnung, dass es damit besser läuft. Der Landkreis Heilbronn führt seit dem Schuljahr 2024/25 an den Berufsschulen in seiner Trägerschaft den Bildungsgang Ausbildungsvorbereitung dual (AVdual) ein. Schon jetzt könne festgestellt werden, dass dieser zu steigenden Schülerzahlen beitrage, sagt Andreas Zwingmann. Im Hohenlohekreis wurde aufgrund steigenden Fachkräftebedarfs die „Büromanagementklasse“ neu etabliert. Hier hätte man sich nach Kyek allerdings etwas mehr Erfolg erhofft, eine zweite Klasse sei derzeit nicht in Sicht.
Matthias Kyek hofft, dass sich die Prognosen der Kultusministerkonferenz erfüllen und die Zahl der Berufsschüler spätestens ab 2032 wieder steigen. „Bis dahin sind wir froh, unsere Angebote aufrechterhalten zu können, und darum kämpfen wir regelmäßig mit dem Regierungspräsidium“, so Kyek. Denn wenn ein Bildungsgang nicht über drei Jahre die gesetzlich geforderte Mindestschülerzahl von 16 erreicht, wird er gestrichen.
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