Hitzige Debatte um das Feuerwehrhaus Forchtenberg
Ein genervter Bürgermeister, ein zerstrittener Rat: In Forchtenberg wird hitzig diskutiert, wie das neue Feuerwehrhaus aussehen soll - und was es kosten darf. Einsparungen von drei Millionen bringen keine Zufriedenheit. Was bleibt von den ursprünglichen Plänen?

Ein Bauprojekt, dass drei Millionen Euro weniger kostet, als eigentlich vom Gemeinderat abgesegnet: eine Seltenheit. Dass genau dieser Rat dann dennoch nicht zufrieden ist, wohl ebenfalls. So geschehen bei der jüngsten Ratssitzung in Forchtenberg. Im Mittelpunkt der Diskussion: Der geplante Neubau des Feuerwehrgerätehauses. Ursprünglich auf rund zehn Millionen Euro veranschlagt und in dieser Höhe auch vom Rat genehmigt, konnte das Projekt durch Einsparungen auf etwa sieben Millionen Euro reduziert werden. Dennoch diskutieren die Räte hitzig darüber.
Forchtenberg benötigt neues Feuerwehrhaus
Bereits 2018 entschied der Gemeinderat, dass Forchtenberg ein neues Haus benötigt, das nicht nur die Freiwillige Feuerwehr, sondern auch die Jugendfeuerwehr und die Abteilung Muthof beherbergen soll. Der Bauplatz wurde erworben und inzwischen ist das Gelände für den Hochwasserschutz aufgefüllt. „Die größte Herausforderung ist die Finanzierung“, beginnt Bürgermeister Michael Foss den Tagesordnungspunkt. Denn zum einen gibt es nur eine geringe Förderung für das ursprünglich 10 Millionen Euro teure Großprojekt, zum anderen ist die Haushaltslage angespannt. Deshalb gab der Gemeinderat im November vergangenen Jahres der Verwaltung den Auftrag, die Kosten zu senken, erklärt Foss. „Sonst können wir den Neubau nicht finanzieren.

Nach intensiven Gesprächen zwischen Verwaltung, dem Architekten Martin Knorr und der Feuerwehr konnte eine neue Planungsvariante erarbeitet werden, die die Kosten auf rund sieben Millionen Euro reduziert. Diese beinhaltet zahlreiche Einsparungen. „Wir haben Kosten für die ursprüngliche große Variante detailliert berechnet“, erklärt Architekt Knorr. Mit der anfänglich geplanten Holzbauweise würden aktuell 9,5 Millionen Euro fällig werden. Rund eine halbe Million Euro könnte man sparen, so Knorr, würde man von Holz- auf Massivbau umstellen. „Überraschenderweise“, wie der Architekt zugibt.
Kein Aufzug für die Forchtenberger Feuerwehr
Ein weiterer Posten zur Kostenreduzierung: Fahrzeugwaschhalle und des Übungsturms fallen weg. Besonders der letztere sei ein „Höhepunkt“ des Projekts gewesen, sowohl funktional für die Feuerwehr als auch optisch für den Ortseingang, so Knorr. „Da blutet mir schon das Herz.“ Weitere Einsparungen könnte es durch den Verzicht auf einen Aufzug sowie auf einige Parkplätze geben. „Die Feuerwehr ist hier wirklich viele Kompromisse eingegangen“, sind sich Knorr und Foss einig. Viele der nun weggefallenen Dinge, darunter auch ein Aufzug, könnten laut Knorr im Nachhinein noch gebaut werden.
Wenig Zeit sei für diese Neuplanung gewesen, berichtet Foss, deshalb kamen viele Unterlagen dem Rat kurzfristig zu. „Es ist deshalb wichtig, dass wir nicht zwingend eine schnelle Entscheidung treffen müssen“, sagt Foss. „Wenn wir mehr Zeit brauchen, sollten wir sie uns nehmen, bevor wir unzufrieden sind.“ Aber er stellt auch klar: „Wenn wir kommendes Jahr mit dem Bau beginnen möchten, braucht es heute die Entscheidung.“ Denn bis Mitte Februar müsse der Förderantrag gestellt werden.

Dann wird es im Rat chaotisch. Eingeleitet von den Worten von Ratsmitglied Annika Wolz: „Ich bin davon ausgegangen, dass wir noch mehr Varianten durchsprechen, etwa in Modulbauweise, wie es auch andere Wehren haben“. Es sei „schade“, dass es kein Vergleichsangebot gebe. „Wir haben klaren Auftrag vom Rat bekommen, von den Kosten runterzugehen, das haben wir verfolgt“, so Foss. Auch Architekt Knorr wendet ein: „Wir haben die verschiedenen Arten früher besprochen, Modulbauweise war auch darunter, aber der Gemeinderat hat sich damals für diese Variante hier entschieden.“
Kein architektonisches Highlight für Forchtenberg
Auch Ratsmitglied Barbara Bruhn bemängelt: „Wir hatten konkrete Wünsche im November an die Verwaltung. Ich habe das Gefühl, dass das ignoriert wurde.“ Wie mehrere Räte fordert auch sie die Prüfung einer weiteren – und vielleicht günstigeren – Variante. Ratsmitglied Rat Jürgen Walter: „Es ist ein Problem für uns, dass es so kurzfristig ist. Es kommen gerade täglich Zahlen und Varianten rein und jetzt sollen wir schnell beschließen, da habe ich Sorge mit. Es geht nicht um 100.000 Euro.“ Philipp-Emanuel Lechner schlägt vor, den Punkt zu vertagen: „Es gibt offensichtlich noch Diskussionsbedarf. Vielleicht sind wir in einer Woche nicht schlauer, aber dann hätten wir mehr Zeit, darüber nachzudenken.“
„Wir haben uns gestern im Ausschuss getroffen, wir sollten die Modulbauweise prüfen“, fordert auch das langjährige Ratsmitglied Ulrich Karle. „Wir wollen einen Zweckbau, wie eine Industriehalle, kein architektonisches Highlight.“
Daraufhin wird Foss ungehalten. Auch, weil er Mitglied in besagtem Ausschuss ist - er jedoch nicht informiert wurde. Aber er verweist auch auf die städtebauliche Verantwortung. „Das ist eine freiliegende Lage, auf erhöhtem Niveau, mit Weinbergen, Altstadt und Teehaus, dort jetzt eine Blechhütte hinzustellen, da fragen uns unsere Kinder später, was wir da gemacht haben.“ Auch sei gerade ein günstiger Zeitpunkt, Gewerke zu vergeben. „Wir wissen nicht, wie sich das entwickelt. Und wenn wir jetzt Geld sparen, weil eine neue Variante heute vielleicht günstiger scheint, ist nicht sicher, ob wir das nicht gleich wieder ausgeben für gestiegene Kosten“, weil man erst später bauen könne, gibt der Bürgermeister zu bedenken.
Zähes Ringen um Kompromisse
„Wir stehen hinter unserer Feuerwehr, die bereit war, von den Kosten runterzugehen. Es ist ein riesiger Erfolg, von zehn Millionen auf sieben Millionen Euro zu gehen“, erklärt Foss weiter. „Eine weitere Variante war in der kurzen Zeit seit November 2024 nicht machbar und vor allem war die bisherige Beschlusslage nicht, andere Varianten zu prüfen. Wir haben umgesetzt, was hier beschlossen wurde“, wird der Bürgermeister deutlich. „Aber es bringt nichts, ich will keine Fehde auslösen. Wir entscheiden das demokratisch und die Verwaltung macht, was der Rat beschließt“, ergänzt er, fast schon resignierend.

Nach fast zweistündiger Diskussion melden sich dann Stimmen, die für das Projekt sprechen. „Die Planung ist gut, die Hausaufgaben bezüglich der Preissenkung wurden gemacht, und die Erweiterung des Gebäudes ist nachrüstbar“, so Ratsmitglied Thomas Hartmann. Auch Werner Engel ist für den Plan: „Wir sind uns doch einig, dass auch mit Warten nicht mehr dabei herauskommt. Ich plädiere dafür, die Variante so wie vorgeschlagen abzustimmen.“
Schließlich einigen sich die Räte auf eine Entscheidung. Bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen wird die reduzierte Planungsvariante mit einem Budget von sieben Millionen Euro genehmigt. Somit werden voraussichtlich Anfang 2026 die Arbeiten ausgeschrieben und der Bau kann daraufhin starten.
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