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„Flammerie zum Ochsen“ in Kocherstetten – Wiedereröffnung nach 60 Jahren

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Julian Klose übernimmt das Traditionslokal seiner Großeltern in Künzelsau-Kocherstetten und macht daraus die „Flammerie zum Ochsen“. Die Pläne für ein Café liegen auch schon in der Schublade. 


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60 Jahre lag die Traditionsgaststätte „Zum Ochsen“ im Dornröschenschlaf. Nur an einzelnen Tagen, wie etwa bei privaten Familienfeiern der Inhaber, war das Gasthaus wieder kurze Zeit auferstanden. Nun hat das Restaurant im Künzelsauer Stadtteil Kocherstetten seine Türen unter neuer Regie wieder geöffnet.

Julian Klose, Enkel der damaligen Inhaber, hat die Räume mit viel Liebe zum Alten zum Leben erweckt und die Speisekarte verändert. Schon der neue Name „Flammerie zum Ochsen“ zeigt, worauf der junge Gastronom, der in Kocherstetten lebt und aufgewachsen ist, Wert legt: Eine Verbindung von Tradition und Moderne. 

Julian Klose übernimmt „Ochsen“ in Künzelsau-Kocherstetten: Gastronom als Traumberuf 

Julian Klose ist über Umwege seinem Traum näher gekommen. Begonnen hat der 30-Jährige seine berufliche Laufbahn als KFZ-Mechatroniker und anschließend als Verkäufer bei einem großen Autohersteller.

Julian Klose hat die "Flammerie zum Ochsen" im Künzelsauer Stadtteil Kocherstetten wieder eröffnet.
Julian Klose hat die "Flammerie zum Ochsen" im Künzelsauer Stadtteil Kocherstetten wieder eröffnet.  Foto: privat

Irgendwann merkte der kommunikative Kocherstettener, dass er neue Herausforderungen sucht. Beinahe zeitgleich mit der Pandemie begann er sein Sabbatjahr. Statt zu reisen, war das Ergebnis eine Weiterbildung und der Entschluss, das Lokal seiner Großeltern zu übernehmen.

„Flammerie zum Ochsen“ in Kocherstetten: Rustikalen Charakter beibehalten 

Der Großteil des Gaststättenraums, der Platz für rund 50 Gäste bietet, hat sich nicht verändert.  „Mir war wichtig, diesen rustikalen Charakter beizubehalten. Ich habe alles etwas aufgefrischt, bis auf die Sanitäranlagen, die sind neu“, erklärt Klose und blickt auf das Klavier in der Ecke. Auch das ist wie früher.

Nostalgie steckt in vielen Details. Klose zieht eine alte Speisekarte hervor. Kirchweih 1959 ist darauf zu lesen. Die Preise, die „konnten wir natürlich nicht ganz halten“, meint er lachend und zeigt auf die nächste Seite der leicht vergilbten Karte. Bier: 0,75 Pfennig ist dort zu lesen. Eine Seite weiter: Spätzle und Ripple: 2,60 DM. 

Viele Kocherstettener sind mit Gaststätte Ochsen verbunden

Die Wiedereröffnung kommt gut bei den Gästen an. „Viele Einheimische sind sehr verbunden mit dem Ochsen“, freut sich der 30-Jährige, der mit 14 Jahren nach Kocherstetten gezogen ist. Er selbst lebt im zweiten Stock. Im Stadtteil ist er ehramtlich aktiv. 

An der Speisekarte hat sich am meisten verändert. Auf den Tellern von damals werden heute hauptsächlich Flammkuchen von süß bis salzig serviert. Die Flammerie bietet damit eine Alternative zu Bowls und Burgern, die derzeit Trend vieler Neueröffnungen sind. 

„Flammerie zum Ochsen“ macht Essen in der Gruppe möglich

Und: Flammkuchen essen sei mit Gemeinschaft verbunden, deshalb hat er sich neben den normalem Angebot auf der Karte ein All-you-can-eat-Angebot überlegt. Klose erklärt: Für 21,90 Euro pro Person (Kinder von sechs bis zwölf Jahren bezahlen 12,90 Euro) bestellt eine Gruppe an einem Tisch einen Flammkuchen nach dem anderen.

Ist er fast gegessen, kommt der nächste, solange bis ein Viertel übrig bleibt oder man einfach die nächste Bestellung stoppt.  „So kann man auch immer genug probieren“, erklärt der 30-Jährige. „Das ist im weitesten Sinne das Tapas-Konzept, das schon seit einigen Jahren Trend ist.“

Derzeit sind fast 15 verschiedene Flammkuchen im Angebot und es sollen noch mehr werden. Vom Burger- oder Kebapstyle bis hin zu Nordwind (mit Lachs) erstreckt sich die Auswahl. Auch Vegetarier und Veganer finden eine Variante. Der Teig stammt direkt aus dem Elsass und wird in der Küche frisch mit regionalen Zutaten belegt. Die Nüsse kommen aus der heimischen Nussplantage. Mit Fisch aus der Region will Klose das Angebot nochmals erweitern. 

Oma freut sich, dass der Ochsen in Kocherstetten wieder geöffnet ist

Die Flammerie hat zum Start zwei Tage pro Woche geöffnet. Zusätzlich können Familienfeiern gebucht werden. Der Gastronom möchte lieber langsam starten und schauen, wie die Geschäfte laufen. Gastronomie ist hartes Brot und bringe einen oft an die Grenzen der Kräfte. Diese Lehre hat er von seinen Großeltern bekommen. Und auch wenn sie weiß, was auf den Enkel zukommt: Die Großmutter, die noch heute im ersten Stock des Gebäudes lebt, freut sich, dass ihr Restaurant wieder offen ist. 

Neben den Gasträumen gab es bis Mitte der 1970er Jahre einen kleinen Dorfladen. Langfristig könnte sich Klose dort ein kleines Café in dem urigen Raum vorstellen, wo sich auch mal die Landfrauen oder sonstige Gruppen zum Basteln treffen können. „Mir fällt schon einiges ein“, sagt er, „aber wir fangen erstmal langsam an.“ 

Öffnungszeiten sind donnerstags von 17.30 bis 22.30 Uhr, und sonntags von 11.30 bis 14 Uhr und 17.30 bis 22.30 Uhr. 

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