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Kaum Hoffnung auf Erhalt der Ernsbacher Grundschule – Entscheidung am Dienstag

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Denkbar knapp macht der Ernsbacher Ortschaftsrat den Weg für die Zusammenlegung mit Forchtenberg frei. Der Gemeinderat entscheidet am Dienstag über die Zukunft der Grundschule.


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Es geht eng zu am Donnerstagabend im Ernsbacher Rathaus: Nicht nur ist der Sitzungssaal prall gefüllt mit interessierten Bürgern, auch das Abstimmungsergebnis ist denkbar knapp. Mit fünf Ja- und drei Nein-Stimmen hat der Ortschaftsrat den Weg freigemacht, die örtliche Grundschule aufzugeben. Auch wenn das gar nicht das ist, worüber abgestimmt wurde.

Vereinbarung gibt Ortschaftsrat Ernsbach besondere Rechte, wenn es um die Schule geht

Denn eigentlich ging es darum, den Paragrafen 14 der sogenannten Vereinigungsvereinbarung aufzuheben. Darin wird dem Ortschaftsrat Ernsbach die Entscheidungsgewalt bezüglich der Grundschule Ernsbach zugesprochen. Das hat sich die damals noch selbständige Ortschaft im Zuge der Kommunalreform in den 1970er Jahren vertraglich gegenüber Forchtenberg zusichern lassen. In dem Vertrag heißt es, dass „die Grundschule – mindestens einzügig – in Ernsbach verbleibt. Und: „Falls erforderlich, werden Grundschüler anderer Stadtteile in Ernsbach eingeschult.“

Kinderzahlen an Grundschule Ernsbach absehbar zu gering

Doch nun ist man in der Situation, dass die Grundschule Ernsbach, obwohl dort bereits auch die Kinder aus Sindringen unterrichtet werden, absehbar nicht mehr genügend Schüler hat. Insgesamt sind es derzeit noch 75. 16 Schüler pro Klasse braucht es eigentlich, haben zwei Klassen zusammen weniger als 29 Schüler, sollte bereits jahrgangsübergreifend unterrichtet werden, also beispielsweise Erst- und Zweitklässler zusammen. In den vergangenen Jahren lag man mehrfach unter der Mindestzahl pro Klasse. 

Was passiert mit der Ernsbacher Grundschule? Das letzte Wort hat am Dienstag der Forchtenberger Gemeinderat.
Foto: Götz Greiner
Was passiert mit der Ernsbacher Grundschule? Das letzte Wort hat am Dienstag der Forchtenberger Gemeinderat. Foto: Götz Greiner  Foto: Götz Greiner

„Es ist ein schwieriges und schmerzhaftes Thema, das sicher jedem von uns schlaflose Nächte bereitet“, beginnt Bürgermeister Michael Foss seine Ansprache im Ortschaftsrat. Schweigen und steinerne Gesichter dominieren den Saal, während Foss spricht. Manche schütteln ungläubig den Kopf.

Diejenigen, die an diesem Abend zur Sitzung gekommen sind, wünschen sich einen Erhalt ihrer Grundschule. Das ist eindeutig.  Foss jedoch ist überzeugt, dass „trotz aller Emotionen, eine sachliche Entscheidung getroffen werden muss“. Die beste Bildung erreiche man seiner Ansicht nach nur mit eigenständigen Klassenstufen. Zuletzt seien in Ernsbach und Sindringen zusammen wieder lediglich 14 Kinder geboren worden. Der Trend gehe absehbar nicht nach oben. Foss warnt davor, das Ganze aussitzen zu wollen und auf die lange Bank zu schieben. 

Ernsbacher Grundschule müsste für mehrere Millionen saniert und umgebaut werden

Denn – das wird an diesem Abend nur angedeutet: Zwar braucht es am Standort Forchtenberg eine Erweiterung der Grundschule. Doch auch am Standort Ernsbach müssten 4,4 Millionen Euro investiert werden. Das weiß man so genau, weil entsprechende Planungen schon angelaufen waren für eine Sanierung sowie die nötigen Umbauten für die Ganztagesbetreuung. Der Rechtsanspruch hierfür tritt ab dem kommenden Schuljahr sukzessive nach Klassenstufen in Kraft. Doch angesichts der Zukunftsprognosen, wäre der Invest kaum vertretbar. 

Ernsbacher Ortschaftsräte hadern mit der Entscheidung um ihre Grundschule

Nichtsdestotrotz bleiben auch die Ortschaftsräte in ihrer Meinung gespalten. So argumentiert Uwe Schmetzer: Im Juli habe man noch die Sanierung geplant, Ende September sei die Kehrtwende gekommen. „Ich kann auch nicht mehr Kinder herbeizaubern.“ Aber mit etwas mehr Zeit könne er sich vorstellen, dass man gemeinsam Lösungen finde, die Ortschaft attraktiver zu machen. „Ich zähle da auf die Eltern von Ernsbach.“ Applaus im Saal.  

Jürgen Walter findet: „Es ist ein schwieriges Thema – von der Renovierung direkt zur Schließung.“ Er spricht auch die Krux der zugrundeliegenden Vereinbarung mit Paragraf 14 an. Denn laut der müsste die Verwaltung ja Kinder nach Ernsbach schicken, um den Vertrag zu erfüllen und den Standort zu sichern. So habe man als Ortschaftsrat (OR) nun den Schwarzen Peter. Dennoch sieht er auch die Vorteile einer Zusammenlegung, also ein gesicherter Unterricht und bessere Vertretungslösungen für Lehrer.

Viele sind genau wegen dieser Entscheidung gekommen: Die Abstimmung im Ortschaftsrat über die Zukunft der Ernsbacher Grundschule.
Foto: Tamara Ludwig
Viele sind genau wegen dieser Entscheidung gekommen: Die Abstimmung im Ortschaftsrat über die Zukunft der Ernsbacher Grundschule. Foto: Tamara Ludwig  Foto: Ludwig, Tamara

OR Rolf Marmein betont, dass die Ernsbacher Schule bisher hervorragend funktioniert hat. Doch er sehe vor allem das Problem der Ganztagesbetreuung. „Ich möchte, dass allen Kindern das ermöglicht wird. Das geht nur an einer gemeinsamen Grundschule“, ist er überzeugt. Alleine die vier Wochen Ferienbetreuung, die damit einhergehen, seien in Ernsbach nicht leistbar. „Entscheidend ist die Qualität der Bildung, die muss ganz oben stehen“, findet OR Martin Pecho. Auch die Planbarkeit über einen Zeitraum von zehn, 20 oder gar 30 Jahren sei wichtig. Man müsse die Chance sehen für die Gemeinschaft, ist er überzeugt. Sein Ratskollege Lutz Hörnle sieht das ähnlich: „Ab 2030 wird es von den Schülerzahlen her schwierig.“ Da müsse man sich fragen, „welche Investition ist gerechtfertigt.“

Ernsbacher Grundschule vor dem Aus? Gemeinderat muss Entscheidung treffen

Als Ortsvorsteher Werner Engel dazu aufruft, die Hand zu heben, wer der Aufhebung von Paragraf 14 zustimmt, gehen fünf Hände nach oben. Drei Räte stimmen mit Nein. Die Bürger verlassen sofort den Saal, nur eine Handvoll bleibt zurück und wartet die nächste Abstimmung ab: Die Empfehlung an den Gemeinderat, die Grundschule Ernsbach mit der in Forchtenberg zusammenzuführen. Wieder fünf zu drei. Die endgültige Entscheidung obliegt nun dem städtischen Gemeinderat. Der muss am Dienstag mit Zweidrittel-Mehrheit für die Aufhebung von Paragraf 14 stimmen und sich dann ebenfalls zur Zukunft der Ernsbacher Grundschule positionieren.

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