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Ausländerbehörde

Einbürgerung im Hohenlohekreis: Antragsstau immer größer

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In der Behörde des Künzelsauer Landratsamts waren Ende 2024 noch 532 Papiere unbearbeitet, die Wartezeit ist auf 16 Monate gestiegen. Was steckt dahinter?


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Der Bund verabschiedet immer mehr Gesetze, die immer komplexer sind und immer schneller umgesetzt werden müssen. Kreise und Kommunen kommen dabei immer stärker in die Bredouille. Die Fülle an neuen Pflichtaufgaben überlastet viele Behörden.

Gut zeigen lässt sich das am Beispiel des Amtes für Ordnung und Zuwanderung als Teil der Hohenloher Kreisverwaltung. Vor allem die Einbürgerungsbehörde ist hier schwer gefordert, aber auch das Ausländeramt hat genügend zu tun. Trotz personeller Verstärkungen stockt die Abarbeitung von Anträgen, die Einführung der E-Akte sorgt zumindest ein Stück weit für Entlastung.

Ausländerbehörden in Hohenlohe überlastet: Diese Gesetzesänderung maximiert den Bearbeitungsdruck 

Die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen, ist seit 27. Juni 2024 noch einfacher möglich. Das entsprechende „Modernisierungsgesetz“ des Bundes war an diesem Tag in Kraft getreten. Doch schon davor war die Künzelsauer Behörde heillos überlastet. Die durchschnittlichen Wartezeiten betrugen im Frühjahr 2023 zehn Monate. Im Sommer 2024 hieß es, etwa zwölf bis 13 Monaten würde es dauern, bis neu gestellte Anträge angegangen würden. Aktuell dauert dieser Prozess sogar 16 Monate.

„Die Bearbeitung erfolgt chronologisch nach Eingangsdatum der Anträge“, sagt Sprecher Sascha Sprenger. Der Rückstau ist gewaltig. 332 unbearbeitete Anträge waren es zum 30. Juni 2024. Zum 31. Dezember 2024 ist dieser Wert um 200 auf 532 gestiegen. 

169 Einbürgerungen im Hohenlohekreis in 2024: Das ist Rekord

Im Jahr 2020 waren bei der Behörde 164 Anträge auf einen deutschen Pass gestellt worden, 2024 waren es 472. Damals wurden 73 Einbürgerungen vollzogen, im vergangenen Jahr waren es 169. Die meisten der jüngst Eingebürgerten stammen aus Syrien (76), gefolgt von Rumänien (15) und der Türkei (sieben).  

Einbürgerung im Hohenlohekreis: Personal wurde von zwei auf sieben Kräfte aufgestockt  

Das Personal wurde kräftig aufgestockt: Ende 2022 waren es nur zwei Mitarbeiter, mittlerweile sind es sieben. Die Stellenanteile stiegen von 1,3 auf 4,05. „Ab März 2025 bekommen wir voraussichtlich weitere Verstärkung durch eine Vollzeitkraft in der Sachbearbeitung“, erklärt Sprenger. Trotzdem reicht das nicht, um die Antragsflut adäquat zu bewältigen.

Dies liege vor allem daran, dass neue Mitarbeiter erst eingearbeitet werden müssten. „Mehr Personal führt deshalb nicht sofort, sondern nur nach und nach zu einer höheren Zahl an Bearbeitungen.“ Zuletzt sei die E-Akte eingeführt worden, wodurch „nach gewisser Zeit“ eine Entlastung möglich sei - „insbesondere, wenn Online-Anträge medienbruchfrei bearbeitet werden können“. 

Persönlichen Beratungsgespräche fallen ab 2025 weg

Dennoch gilt seit 1. Januar 2025: Alle persönlichen Beratungsgespräche sind ersatzlos gestrichen, stattdessen können sich Interessierte nur noch auf der Internetseite des Kreises schlau machen. Die Einbürgerungsbehörde habe bislang 20 bis 25 Beratungsgespräche pro Woche geführt, „was erhebliche personelle Kapazitäten gebunden hat“.

Zuletzt waren alle Termine ausgebucht. Jetzt müssen sich potenzielle Antragsteller mit der Online-Variante begnügen. „Weitergehende Fragen können telefonisch oder per E-Mail geklärt werden“, so Sprenger.

So ist die Lage im Ausländeramt des Hohenlohekreises 

Vor allem aus größeren Städten ist bekannt, dass auch die Ausländerämter am Limit sind. Wie ist die Lage in Hohenlohe? „Die Belastung ist hoch, eine Überlastung besteht aber nicht“, sagt Sprenger. Nichtsdestotrotz sei die Situation „herausfordernd“: für das Ausländeramt ebenso wie für Asylbewerberleistungsstelle. Hauptgrund sei „der Umgang mit sehr umfassenden und schnell umzusetzenden Gesetzesänderungen, die in letzter Zeit stark zugenommen haben“.

Einführung der E-Akte sorgt für Entlastung 

Außerdem müsse speziell das Ausländeramt „einige neue Verfahren im Auftrag des Bundes oder des Landes implementieren“. Hilfreich sei, „dass wir in beiden Bereichen die E-Akte schon eingeführt haben und in diesem Zuge die Digitalisierung schneller noch weiter vorantreiben können“.

Und: Sowohl im Ausländeramt als auch in der Asylbewerberleistungsstelle seien aktuell alle Stellen mit „sehr engagierten und erfahrenen Kräften“ besetzt. Im Ausländeramt könne es vor allem donnerstagnachmittags zu längeren Wartezeiten kommen. „Deshalb weisen wir auf unserer Homepage darauf hin, wenn möglich die Sprechzeiten des Ausländeramtes am Vormittag zu nutzen.“ 

So stellt sich die Lage bei den Einbürgerungen im Raum Heilbronn dar: Die zuständige Behörde der Stadt Heilbronn hat im Jahr 2024 insgesamt 786 Personen eingebürgert, so viele wie noch nie seit Beginn der Erfassung. So wurden in Heilbronn die Rekordzahlen der Vorjahre deutlich übertroffen. So waren es 2023 noch 503 und im Jahr zuvor 504 Einbürgerungen.

Im Vorjahr wurden wurden 858 Anträge gestellt, vorher gab es eine persönliche Beratung. Diese wird in Heilbronn nur noch nach vorheriger Anmeldung im Internet angeboten. Das Landratsamt Heilbronn berichtet von „kontinuierlich hohen“ Antragszahlen.

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