Der Hohenlohekreis als Tourismus-Marke
Der Landkreis sieht Tourismus als eine gesellschaftliche Aufgabe und investiert kräftig in Hohenlohe als Marke, um mehr Reisende in die Region zu locken. Welchen Nutzen hat das?

Beliebtestes Inlandsreiseziele in Deutschland liegen in Bayern, gefolgt von Mecklenburg Vorpommern. Baden-Württemberg folgt erst auf Platz vier. Wer dann Urlaub in Baden-Württemberg im Internet sucht, der stößt auf den Schwarzwald, den Bodensee, Heidelberg oder Stuttgart. Hohenlohe – oder gar Attraktionen hier –, sind schwer zu finden. Dabei gibt es seit dem Jahr 1976 die Touristikgemeinschaft Hohenlohe (TG), gegründet als Fremdenverkehrsgemeinschaft Hohenlohe. Ihr Ziel: Den Tourismus in der Region stärken und Hohenlohe als attraktives Reiseziel zu etablieren. Doch ist dies gelungen? Und was bringt vermehrter Tourismus der Region überhaupt?
Was bringt Tourismus den Menschen?
Letztere Frage beantwortet Sascha Sprenger, Pressesprecher des Landratsamtes: „Es ist eine freiwillige, aber dennoch wichtige gesellschaftliche und wirtschaftliche Aufgabe zur nachhaltigen Stärkung der Region.“ Denn die Touristen würden dafür sorgen, dass gastronomische Angebote sowie die Infrastruktur, etwa Rad- und Wanderwege, durch die erforderliche Auslastung aufrechterhalten werden können. Die Vielfalt an Angeboten führe dann wiederum zur Steigerung der Lebensqualität der Einwohner – und zu einer Attraktivität der Region für die Fachkräftegewinnung. Ohne Bekanntheit, so Sprenger, sei zu befürchten, dass durch Abwanderung Arbeitsplätze verloren gehen.

Für genau diese Bekanntheit soll die TG sorgen. Und dafür bezahlt der Kreis Geld. Durch jährliche Zuschüsse des Landkreises und Mitgliedschaftsbeiträge der Kommunen hat die TG 150.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Zusätzlich stellt der Landkreis das Personal – sieben Personen in Voll- und Teilzeit – sowie die notwendige Ausstattung, wie Sprenger erklärt.
Urlaub im nördlichen Baden-Württemberg nicht gerade beliebt
Doch wie misst die TG, ob sie Erfolg mit ihren Maßnahmen hat? Die „Qualitätssteigerungen, die Zufriedenheit der Gäste und den Mehrwert, den wir für die Bevölkerung durch unsere Maßnahmen erzeugen“, seien ein Maßstab, bleibt Sprenger wage, wie dies ermittelt wird. „Ein wichtiges Messinstrument sind nach wie vor die Übernachtungszahlen“, erklärt er weiter. Und diese zeigen: Der Tourismus in der Region steigt stetig an. Waren es 2014 noch 375 000 Besucher, hat sich dies um 15 Prozent bis 2019 gesteigert. Corona war dann ein Dämpfer, von dem sich der Tourismus in der Region noch nicht gänzlich erholt hat. Zwar gab es einen Anstieg von 14 Prozent vom Jahr 2022 auf 2023, was viel klingt, aber ein im Vergleich zu anderen Regionen, eher geringer Anstieg ist.

Auch zeigt sich an den Zahlen, dass das Reisegebiet nördliches Baden-Württemberg, (Odenwald, Taubertal, Heilbronner Land, Kraichgau-Stromberg, Hohenlohekreis und Schwäbisch Hall) nicht gerade das beliebteste ist im Ländle. Denn während die Schwarzwaldregion im vergangenen Jahr über 23 Millionen Übernachtungen vorweisen konnte und Bodensee-Oberschwaben 11 Millionen – waren es im nördlichen Baden-Württemberg 9,7 Millionen. 425 000 davon fallen auf den Hohenlohekreis.
Was hat Hohenlohe Touristen zu bieten?
Was genau hat unsere Region den Touristen überhaupt zu bieten? „Touristische Glanzlichter, wie Kocher und Jagst, Schlösser und Burgen, historische Städtchen, ergänzt durch Rad- und Wanderwege sowie Kultur- und Freizeitangebote“, schreibt die TG. Und: „Man kann hier noch Ruhe erleben und dem stressigen Alltag entfliehen“, so Sprenger. Zielgruppe sind also Aktivreisende, Ruhesuchende und Kulturreisende.
„Es ist eine freiwillige, aber wichtige gesellschaftliche und wirtschaftliche Aufgabe zur Stärkung der Region.“
Sascha Sprenger
Und was hat die TG nun konkret vor, um den Tourismus weiter zu stärken? Im vergangenen Jahr kündigte sie an, mit der „TG Schwäbisch Hall und Hohenlohe“ eine gemeinsame Marke zu gründen. Man sei derzeit „engagiert“ an der Arbeit, so Sprenger. „Für die Umsetzungsphase wird noch etwas Zeit benötigt, um die Prozesse aufeinander abzustimmen. Nichtdestotrotz sind wir guter Dinge, erste Ergebnisse noch in diesem Jahr veröffentlichen zu können“, glaubt er.
Und es gibt die neueTourimia GmbH, für die sich die sechs TGs im nördlichen Baden-Württemberg unter einem Dachverband zusammengeschlossen haben. Auch der Rhein-Neckar-Kreis,wo es keinen Tourismusverbund gibt, ist dabei. So soll eine Vermarktung des Nordens von Baden-Württemberg besser funktionieren. Auch weil es für den Zusammenschluss Fördermöglichkeiten gibt. Derzeit steht das Projekt noch ganz am Anfang. Ob es mehr Touristen in das nördliche Baden-Württemberg führt, wird sich zeigen. Dass diese dann auch ihren Weg nach Hohenlohe finden, bleibt zu hoffen.
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