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Hohenlohe

Durchbruch auf der CMT: Norden Baden-Württembergs bekommt gemeinsamen Tourismus-Dachverband

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Die "Tourimia GmbH" soll als Dachorganisation den Norden Baden-Württembergs vermarkten. Ein Jahr lang war um Namen, Form und Ausrichtung des Dachverbands gestritten worden. Alle sechs Touristikgemeinschaften von Kraichgau-Stromberg über Heilbronner Land bis Hohenlohe bleiben erhalten.

Sechs Touristikgemeinschaften und ein Kreis begeben sich in der Vermarktung ihrer Ferien- und Freizeitangebote auf einen gemeinsamen Weg.
Sechs Touristikgemeinschaften und ein Kreis begeben sich in der Vermarktung ihrer Ferien- und Freizeitangebote auf einen gemeinsamen Weg.  Foto: Chris Frumolt

Vor einem Jahr haben sieben kommunale Partner auf der CMT einen Treueschwur geleistet: Ja, wir wollen unsere Kräfte bündeln und die Top-Produkte der Ferienregionen im Norden des Landes gemeinsam vermarkten. Nach dieser Absichtserklärung vom 16. Januar 2023 folgte am 15. Januar 2024 an gleicher Stelle der Vollzug: Noch im Januar wird die neue Dachorganisation gegründet, die das Destinations-Management vorantreiben soll. Auch der Name dieser Gesellschaft wurde am Montag auf der Urlaubsmesse in Stuttgart verkündet: Tourimia Tourismus GmbH.

Der Kunstgriff: Trotz Neugründung bleiben die bisherigen sechs Touristikgemeinschaften erhalten

Alle sechs Touristikgemeinschaften von Kraichgau-Stromberg und Odenwald über Heilbronner Land und Liebliches Taubertal bis zu den zwei TGs, die Hohenlohe und Schwäbisch Hall beackern, bleiben erhalten. Als siebter Partner im Boot ist der Rhein-Neckar-Kreis, wo es keinen übergeordneten Tourismusverbund gibt. Ist die GmbH noch offen für andere? "Ja, das lässt unser Gesellschaftsvertrag zu", sagt Landrat Christoph Schauder, Chef der TG Liebliches Taubertal. Die Städte Heidelberg und Mannheim könnten also später dazustoßen, sie sind noch nicht dabei.

"Alle sieben Partner haben in der GmbH die gleichen Gesellschaftsanteile und das gleiche Stimmrecht", informiert Schauder, der vorerst zum Sprecher der Tourismus-Allianz erkoren wurde. Die sieben Gesellschafter bringen insgesamt eine "erhebliche sechsstellige Summe ein", um die GmbH zum Laufen zu bringen. Die Höhe der einzelnen Beiträge sei aber unterschiedlich und richtet sich danach, wie stark das Tourismusgeschäft in der jeweiligen Region aktuell floriert. "Bei uns im Main-Tauber-Kreis ist der Tourismus Wirtschaftsfaktor Nummer zwei", sagt Schauder. Also zahlt die TG Liebliches Taubertal am meisten.

Der Grund: Das Land Baden-Württemberg fördert nur noch große Tourismus-Strukturen

Die kommunalen Partner präsentieren den Namen (v.l.): Daniel Bullinger (TG Hohenlohe + Schwäbisch Hall), Martin Wolff (TG Kraichgau-Stromberg), Norbert Heuser (TG Heilbronner Land), Christoph Schauder (TG Liebliches Taubertal), Staatssekretär Patrick Rapp, Achim Brötel (TG Odenwald), Stefan Dallinger (Rhein-Neckar-Kreis), Gotthard Wirth (TG Hohenlohe).
Foto: Reichert
Die kommunalen Partner präsentieren den Namen (v.l.): Daniel Bullinger (TG Hohenlohe + Schwäbisch Hall), Martin Wolff (TG Kraichgau-Stromberg), Norbert Heuser (TG Heilbronner Land), Christoph Schauder (TG Liebliches Taubertal), Staatssekretär Patrick Rapp, Achim Brötel (TG Odenwald), Stefan Dallinger (Rhein-Neckar-Kreis), Gotthard Wirth (TG Hohenlohe). Foto: Reichert  Foto: Reichert, Ralf

"Wir sind uns einig, dass die neue GmbH finanzielle Power benötigt", so Schauder. Auch das Land leistet eine "Anschubfinanzierung" von 400.000 Euro. Dies versetze den Verbund in die Lage, in der staatlichen Tourismusfinanzierung künftig viel höhere Beiträge "abzugreifen", erklärt Patrick Rapp, zuständiger Staatssekretär im Wirtschaftsministerium.

Das heißt: Die Fördermöglichkeiten sind stark gewachsen, weil das Land nur größere und zusammenhängende Feriendestinationen in dieser Hinsicht "belohnt". Dies ist im neuen Tourismuskonzept von 2019 festgeschrieben, seitdem waren die TGs im Norden quasi gezwungen, eine gemeinsame Dachorganisation zu gründen.

Ein erster Versuch war 2017 gescheitert, weil man sich nicht auf den Namen "Fränkisches Baden-Württemberg" einigen konnte. Diesmal vermied man es tunlichst, die Destination selbst namentlich zu vermählen. "Das ist bei all den landsmannschaftlichen Besonderheiten zwischen Rhein-Neckar und Ost-Württemberg auch gar nicht möglich", so Schauder. Also beschränkte man sich darauf, nur der Dach-GmbH einen Namen zu geben.

Der Name: Schwierig zu finden bei solch vielen Landsmannschaften unter einem Dach

Aber auch das war gar nicht so einfach, weil Marken-, Wettbewerbs- und Namensrecht zu beachten waren. "Eine Handvoll Namen waren in der engeren Auswahl, am Ende blieben drei Vorschläge übrig. Und wir haben uns sehr schnell auf Tourimia geeinigt". Der Begriff sei "smart und weich, modern und leicht", er stehe für "Offenheit, Freude und Bodenständigkeit".

"Es ging gar nicht darum, eine neue Tourismusmarke im klassischen Sinne wie Bodensee oder Allgäu zu kreieren, sondern die Vielfalt und Perlen im Norden effizienter und besser sichtbar für Feriengäste aus dem In- und Ausland koordiniert zu vermarkten", sagt Patrick Rapp. Das seien: Radfahren und Wandern, Kultur und Kulinarik. Die GmbH wird ihren Sitz in Kloster Bronnbach im Main-Tauber-Kreis haben. Die Stelle des Geschäftsführers wurde ausgeschrieben. Schauder: "Wir wollen fünf hauptamtliche Kräfte einstellen." Dies dauere aber noch. "So lange wird einer unserer Justiziare aus dem Main-Tauber-Kreis Gründungs-Geschäftsführer sein." Meinung "Durchbruch"

 
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