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12. Tag der Heimatgeschichte im Hohenlohekreis

Burgen, Bahn und Höfe: Was die Heimatgeschichte Hohenlohes heute noch bewegt

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Welchen Einfluss hatten die Fürsten auf die Kulturlandschaft Hohenlohe? Wie entwickelten sich die Städte entlang der Hohenlohebahn? Und vor allem: Waren Aussiedlungen das Wundermittel gegen das Höfesterben? Ein spannender Blick in die Geschichte.


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Obwohl der Blick teils weit zurück ging: Bei manchem Thema beim 12. Tag der Heimatgeschichte im Hohenlohekreis fühlten sich die Zuhörer stark an aktuelle Diskussionen erinnert. Egal, ob es sich dabei um die Suche nach einer Strecke für die Bahn oder um das Höfesterben in der Landwirtschaft geht. Kein Wunder also, dass die Zuhörerreihen bis zum Ende dicht besetzt blieben.

Burgen und Siedlungsentwicklungen

„Spannend“, urteilten die Besucher im Anschluss bei einem Glas Wein. Unter den Besuchern waren auch einige ehemalige wie aktuelle Mitarbeiter des Landwirtschaftschaftsamtes wie auch der Landkreisverwaltung. Die verschiedenen Aspekte der Kulturlandschaft hatten ganz unterschiedliche Personengruppen in die Mehrzweckhalle Bretzfeld gebracht. Eröffnet wurde der Abend von Landrat Ian Schölzel, ehe Dr. Christian Ottersbach vom Landesamt für Denkmalpflege spannende Blicke auf die Hohenloher Burgen, Schlösser und Bauernhäuser warf.

Das Hoftheater im Öhringer Hofgarten aus dem Jahr 1743, das 1787 umgestaltet wurde, wie auch beispielsweise Schloss Friedrichsruhe sind bauliche Dokumente der zunehmenden Bedeutung der Herren von Hohenlohe. Sie wurden 1450 in den Reichsgrafenstand erhoben und ab 1744 in den Reichsfürstenstand.
Das Hoftheater im Öhringer Hofgarten aus dem Jahr 1743, das 1787 umgestaltet wurde, wie auch beispielsweise Schloss Friedrichsruhe sind bauliche Dokumente der zunehmenden Bedeutung der Herren von Hohenlohe. Sie wurden 1450 in den Reichsgrafenstand erhoben und ab 1744 in den Reichsfürstenstand.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

In einem Parforceritt ging es zurück bis ins Mittelalter. Und auf den Bildern hinter dem Referenten erkannten die Besucher das eine oder andere Schloss, erfreuten sich an historischen Ansichten und hörten auch, warum zusätzlich zu den Burgen und Schlössern der Herren zu Hohenlohe nach deren Erhebung in den Reichsgrafenstand (1450) und vor allem in den Reichsfürstenstand (ab 1744)  Lustschlösser wie Friedrichsruhe und das Hoftheater notwendig wurden und die Mariannenvorstadt in Ingelfingen und ab 1782 die klassizistische Karlsvorstadt in Öhringen entstanden: Mit der Erhebung, so Ottersbach, sei verbunden gewesen, dass man Macht und Reichtum sichtbar machen musste. Ottersbach warf einen Blick nicht nur auf die Burgen und Schlösser der Hohenloher Fürsten, sondern auch auf die Bauten und die Entwicklung von Schloss Stetten und Schloss Eyb in Dörzbach.

Die Bahn und die wirtschaftliche Entwicklung 

Wie wichtig die Bahn für die wirtschaftliche Entwicklung der Region war, das zeigte der Vortrag von Kreisarchivar Dr. Thomas Kreutzer auf. Die Diskussionen um die Anfänge der Hohenlohebahn erinnerten frappierend an aktuell geführte Diskussionen um die Kochertalbahn. Wo soll die Trasse laufen? Wer wird von der besseren Anbindung an den Rest der Welt profitieren? Wie haben sich die Städte und Dörfer entlang der Trasse entwickelt. Und warum wurde ein Tunnel durch den Wartberg gebohrt, wenn doch auch eine Trassenführung drum herum möglich gewesen wäre? 

Warum Gruppenaussiedlungen schlechtere Entwicklungschancen hatten als einzel stehende Aussiedlerhöfe, das war ein Thema beim Tag der Heimatgeschichte.
Warum Gruppenaussiedlungen schlechtere Entwicklungschancen hatten als einzel stehende Aussiedlerhöfe, das war ein Thema beim Tag der Heimatgeschichte.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Aussiedlungen und Entwicklung der Höfe

Gebannt lauschten die Zuhörer dem Vortrag von Dr. Marcus Mogk. Der Kulturgeograf aus Königswinter hat sich Jahrzehnte nach einem Studienprojekt erneut nach Hohenlohe begeben und die Zahl der Aussiedlerhöfe von damals mit heute verglichen. „Nachdem die Hohenloher Zeitung ausführlich über das Projekt berichtet hat, wurden mir bereitwillig wieder die Türen geöffnet“, berichtet Mogk von spannenden Gesprächen, die er bei Kaffee und Kuchen und oft auch noch beim Abendessen mit den jeweiligen Landwirtsfamilien geführt hatte.

Die Aussiedlungen, die in den 1970er Jahren von der Politik gewünscht und gefördert wurden, waren unterschiedlich erfolgreich, zeigt Mogk beeindruckend auf. Die Gruppenaussiedlungen wie beispielsweise die Birkenhöfe bei Bitzfeld hätten es den aussiedelnden Familien einfacher gemacht, den weit ab vom Dorf sollte so Isolation  und Einsamkeit bei den mehr ans Haus gebundenen Familienmitgliedern verhindert werden. Dass die Gruppenaussiedlungen aber die Entwicklung der Höfe verhinderten, wurde auch deutlich. Denn mit zunehmendem Landbedarf konkurrierten nun wieder mehrere Landwirte um die gleichen Flächen. Einzelaussiedlungen, zeigen die Zahlen, hatten die besseren Entwicklungschancen.

Info

Der „Tag der Heimatgeschichte im Hohenlohekreis“ fand zuletzt 2022 in Berlichingen statt. Das Angebot richtet sich an alle, die sich für die Geschichte der Region interessieren. 

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