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Bürgermeisterwahl Weißbach: Zwei selbstbewusste Frauen zeigen, was sie draufhaben

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Meike Augsburger und Katharina Fuchs wollen Bürgermeisterin von Weißbach werden. Wie wollen sie die kleine Kochertalgemeinde voranbringen? Das wurde beim HZ-Wahlforum deutlich.   


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Meike Augsburger oder Katharina Fuchs? Die große Mehrheit der 235 Besucher hat eine klare Favoritin. Nur zwei Dutzend wissen noch nicht, wen sie am Sonntag wählen sollen. Etwa genauso viele haben sich bereits per Briefwahl entschieden und sind trotzdem da. Zwei Drittel sind der Meinung: Weißbach kann frischen Wind gut gebrauchen.

Während der Rest Rainer Züfle gerne behalten hätte: Achim Beck und Michael Foss inklusive, seine „Buddys“ aus dem Gemeindeverwaltungsverband. Das ist das Ergebnis des Stimmungstests zu Beginn des HZ-Forums zur Bürgermeisterwahl am Mittwochabend.

Bürgermeisterwahl in Weißbach: Stimmungstest zeigt klare Tendenzen unter den Besuchern des HZ-Forums

75 Minuten später sind die meisten Gäste noch sicherer, bei wem sie am 26. April ihr Kreuz setzen werden. Keiner hat hat sich umstimmen lassen oder weiß nicht, wen er wählen soll. Und: Nur die wenigsten denken, dass das Rennen eng wird. Meike Augsburger tippt auf einen 60-Prozent-Sieg, Katharina Fuchs sieht sich bei „50 Prozent plus x“.

Beim Wahlforum der HZ auf dem Podium (von links): HZ-Redakteur Götz Greiner, Katharina Fuchs, Meike Augsburger und HZ-Redakteurin Tamara Ludwig.
Beim Wahlforum der HZ auf dem Podium (von links): HZ-Redakteur Götz Greiner, Katharina Fuchs, Meike Augsburger und HZ-Redakteurin Tamara Ludwig.  Foto: Christiana Kunz

Beide Bewerberinnen sind selbstbewusst und schlagfertig. Und beide gehen äußerst höflich miteinander um. Die Atmosphäre ist sehr harmonisch, sehr freundlich, sehr positiv. 

Unterschiede zwischen Augsburger und Fuchs werden im Verlauf des Forums sichtbar

Trotzdem gelingt es den HZ-Redakteuren Tamara Ludwig und Götz Greiner immer wieder, die Kontrahentinnen ein bisschen aus der Reserve zu locken. Und: Im Laufe des Forums werden die Unterschiede immer deutlicher. Katharina Fuchs hat auf ein Wahlplakat verzichtet, „weil sie nachhaltig lebt“ und „Ressourcen schonen“ möchte. Deshalb: „Man darf sich nicht verstellen, es hat einfach nicht zu mir gepasst.“ Meike Augsburger hat kein Problem damit. Ihr Konterfei prangt weithin sichtbar und prominent auf dem Plakat, „um in Weißbach präsent zu sein“. 

Sie kommt ja von auswärts, während Katharina Fuchs ein Kind Weißbachs ist. Diese Nähe zur Heimat ist ihr wichtig. Und diese Karte spielt sie immer wieder aus. Sie lobt die tolle Gemeinschaft, das rege Vereinsleben. Warum will sie von der Wirtschaft in die Kommunalpolitik wechseln? „Um für meine Gemeinde etwas zu erreichen“, das könne sie als Bürgermeisterin eben am besten. Und: „Sich immer schnell in neue Themen einarbeiten: Das war schon immer meine Stärke“. Diese Fähigkeit reklamiert auch Meike Augsburger für sich: als studierte Verwaltungsfachfrau. „Ich habe auch bei der Stadt Neuenstein sehr schnell die Kämmerei übernommen.“ 

Finanzielle Spielräume in der Kommunalpolitik

Fachlichkeit hier, Heimatliebe dort? So simpel ist es nicht. Denn auch Augsburger fühlt sich längst in Hohenlohe angekommen, während Fuchs auch als IT-Expertin schon „sehr viel für öffentliche Ämter gearbeitet“ hat. Aber gibt es im kleinen Weißbach überhaupt genügend Spielraum, um Kommunalpolitik in größerem Stil zu gestalten? Die Kandidatinnen wehren fast alle Fragen des Moderatorenduos in diese Richtung ab. Auch wenn im Grunde jeder weiß, dass die Möglichkeiten und Mittel sehr limitiert sind.

Der scheidende Amtsinhaber Rainer Züfle schaut und hört jedenfalls ganz genau hin. Was er dabei denkt, bleibt sein Geheimnis. Dass Weißbach weiterhin eigenständig bleiben soll, daran lassen Augsburger und Fuchs natürlich keinen Zweifel. Dass die enge Zusammenarbeit mit Forchtenberg und Niedernhall höchst sinnvoll ist und weiter ausgebaut werden soll, quittieren beide ebenfalls mit einem lauten: Ja. 

Top-Themen im Doppelpass

Wo soll denn das arme Weißbach noch mehr Geld „ausbuddeln“, fragt Tamara Ludwig. „Es gibt ja noch Rücklagen und liquide Mittel“, antwortet Meike Augsburger. „Und 2030 kann die Gemeinde noch auf eine Einlage der Netze BW von 1,6 Millionen Euro zurückgreifen, während aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes weitere 1,4 Millionen Euro zur Verfügung stehen.“

Diese Sätze fallen, nachdem sie angekündigt hat, bestehende Lücken im Hochwasser- und Starkregenschutz „zügig umsetzen“ zu wollen. „Das kostet 6,2 Millionen Euro. Davon müssen wir 1,8 Millionen Euro aus der eigenen Kasse zahlen.“ Auch Katharina Fuchs drängt darauf, den Hochwasserschutz zu stärken – zehn Jahre nach der Katastrophe Ende Mai 2016, als in Weißbach ein Toter zu beklagen war. „Ich bin auch selbst Opfer dieses Hochwassers geworden“ - zum Glück nur mit „materiellen“ Schäden.      

Wohnraum, Vereine und Infrastruktur: Kandidatinnen präsentieren unterschiedliche Lösungsansätze

Vereine unterstützen: Wie geht das? Augsburger möchte dazu auf „den eigenen Bauhof zurückgreifen, um Vereine beim Auf- und Abbau von festen zu entlasten“. Mehr Wohnraum schaffen: Wie gelingt das? „Die Innenentwicklung stärken, so wie das Niedernhall mit seinem Scheunenprojekt super gemacht hat“, schlägt Fuchs vor. „Barrierefreies Wohnen fördern und Angebote für alle Generationen ausbauen“, meint Augsburger. Aber Eigentümer kann man doch nicht zum Verkaufen zwingen? Auf diese seit Jahrzehnten ungelöste und immer wiederkehrende Problematik, die Götz Greiner anspricht, haben sie aber auch kein Patentrezept.     

Die Infrastruktur stärken: Das sagt sich auch immer so leicht daher. Was haben die Kandidatinnen konkret im Köcher? „Das Café Milchmädchen wiederbeleben“, antwortet Fuchs. „Und ein Seniorenmobil anschaffen und den Busverkehr verbessern“, damit die Einwohner zumindest schneller und verlässlicher in den größeren Nachbarorten sind. Das heißt gleichzeitig: In Weißbach selbst sind in dieser Hinsicht nur ganz kleine Brötchen zu backen. Meike Augsburger will zumindest versuchen, Angebote wie den bestehenden „24/7-Laden“ auszubauen. Und auch sie meint: „Ein eigenes Café wäre sehr schön.“ Siehe Milchmädchen.  

Paraderollen im Bürgermeister-Theater

„Rainer Züfle ist länger im Amt als Augsburger auf der Welt“, wirft Tamara Ludwig in die Runde. Der eine ist schon seit 29 Jahren dabei, die andere erst 26 Jahre alt. Katharina Fuchs liegt hier eindeutig vorne: Sie ist 31. Solche  augenzwinkernden Einwürfe sorgen immer wieder für Lacher, das Publikum fühlt sich gut unterhalten. Das „Theater der drei Kochertal-Bürgermeister“ sei ein „Publikumsrenner“, so Ludwig. Was wären die Paraderollen der beiden Frauen, um in die Fußstapfen von Rainer Züfle zu treten? „Wirtschaftsförderin“, empfiehlt Augsburger für Fuchs.

„Richterin“, kontert Fuchs für Augsburger. Was würden sie am liebsten gemeinsam unternehmen? „Fahrrad fahren.“ Oder: „Fallschirm springen.“ Trotz aller Unterschiede wird am Ende klar: Dieses Duo würde tatsächlich ein gutes Tandem abgeben. Der Job des Bürgermeisters ist aber nur einmal zu vergeben. Und alle sind schon sehr gespannt, wer am Sonntag das Rennen macht. 

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