Barber-Shops in Öhringen und Heilbronn boomen: Sind günstige Haarschnitte legal?
Barber sollten nur Bärte trimmen. Denn: Friseure brauchen einen Meister, um Haare schneiden zu dürfen. Was Kontrollen von Handwerkskammer und Hauptzollamt ergeben.
Sie sprießen in manchen Städten schneller aus dem Boden als Barthaare, die Barber-Shops. Das gilt für kleinere Städte wie Öhringen gleichermaßen wie für größere wie Heilbronn. Bemerkenswert: Eigentlich dürfen sogenannte Barber nur Bärte trimmen. Die meisten aber verpassen ihren – überwiegend männlichen – Kunden auch Haarschnitte. Bei Preisen von unter 20 Euro zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Aber ist das legal?
Barber-Shops in Heilbronn und Öhringen: Zwischen Trend und rechtlichen Grauzonen
In Öhringen, weiß Stadtsprecherin Monika Pfau, sind fünf Barber-Shops angemeldet. Da Gewerbefreiheit herrsche, benötigen diese Betriebe keine gewerberechtliche Genehmigung, erklärt Monika Pfau. Es werde also nicht von einer Stelle geprüft, ob alle notwendigen Voraussetzungen vorliegen.
Fakt aber ist: Wird das „volle“ Programm eines Friseurbetriebs angeboten, muss ein ausgebildeter Meister im Betrieb sein. Sprich: Werden Haare geschnitten, Wellen geföhnt oder Strähnen gefärbt, muss ein Meister mit Fachkunde vor Ort sein. Meldet ein Friseur die Eröffnung eines Ladens an, dann wird das von der zuständigen Handwerkskammer geprüft. Ist keine Handwerksrolleintragung vorhanden, sagt Monika Pfau, werde diese von der Handwerkskammer angefordert.
Kontrollen in Barber-Shops in Heilbronn und Öhringen: Wo das Handwerk an Grenzen stößt
In der Vergangenheit habe es in Abstimmung mit der Handwerkskammer immer wieder Kontrollen in den Öhringer Barber-Shops gegeben. Dabei, haben unsere Recherchen ergeben, ist es durchaus vorgekommen, dass zum Zeitpunkt der Prüfung kein Meister im Laden war, die entsprechenden Nachweise wurden aber nachgereicht, sodass die Kontrollen ohne Konsequenzen für die Betreiber blieben.

Deutlich mehr Wildwuchs ist in einer Stadt wie Heilbronn zu befürchten: Dort sind derzeit 177 Friseurbetriebe und Barber-Shops gewerblich angemeldet, sagt Stadtsprecherin Suse Bucher-Pinell. Eine weitere Unterteilung sei nicht möglich. Auch über Kontrollen und mögliche Konsequenzen könne sie nichts sagen.
Barber-Shops boomen – sind günstige Haarschnitte legal? Das sagt die Friseurinnung
Das macht Friseur-Obermeister Jens Schmitt (43), Vorsitzender der Friseurinnung Heilbronn-Öhringen. Er sagt: „Das ist ein Thema für sich.“ Schmitt, der seit seinem 17. Lebensjahr im Friseurhandwerk arbeitet, 25 Jahre davon selbständig in Schwaigern, verweist auf eine der letzten Kontrollen des Zolls.
Dabei sei in etlichen Betrieben, in denen Haare geschnitten wurden, kein Meister anwesend gewesen. „Das wurde dann nachgereicht“, sagt Schmitt. Auch seien diverse andere Verstöße festgestellt und sanktioniert worden. „Auch bei Friseurbetrieben“, verweist Schmitt darauf, dass es auch in den eigenen Reihen schwarze Schafe gebe. In der Friseurinnung Heilbronn-Öhringen sind etwa 200 Friseure organisiert. Für seine Kollegen spricht Schmitt, wenn er sagt: „Aber es ist schon auch so, dass auch wir uns in manchen Dingen weniger Regulatorik wünschen würden, allein die Dokumentationspflichten nehmen viel Zeit in Anspruch.“
Barber-Shops fallen bei Schwarzarbeitkontrolle auf
Zahlen zu Verstößen gibt es von einer bundesweiten Schwarzarbeitkontrolle im Frühjahr 2022, an der sich nahezu alle Hauptzollämter beteiligten. Im Zuständigkeitsbereich des Zollamts Heilbronn wurden dabei 61 Friseursalons und Barber-Shops sowie die dort tätigen 144 Arbeitnehmer geprüft. Bei diesen Kontrollen geht es vor allem um Verstöße gegen das Sozialversicherungsrechts, den Mindestlohn und Scheinselbständigkeit.
43 Geschäftsunterlagen wurden zur Prüfung mitgenommen. In 33 Fällen wurde weiter ermittelt. In sieben Fällen, weil gegen die Meldepflicht zur Sozialversicherung verstoßen worden war, in drei Fällen wurde Arbeitsentgelt vorenthalten, 17 Mal wurde nicht der Mindestlohn bezahlt. In vier Fällen gab es nicht die notwendigen Arbeitsgenehmigungen. Und in einem Fall wurde gegen die Handwerksordnung verstoßen.
Der überwiegende Teil der Sachverhalte, denen nachgegangen werden musste, habe sich nicht in den überprüften Friseurbetrieben, sondern in den Barber-Shops ergeben, sagte damals der zuständige Pressesprecher Marcel Schröder.
Kontrollen zu illegaler Beschäftigung und Schwarzarbeit
Grundsätzlich werden regelmäßig (nicht nur im Rahmen von Schwerpunktprüfungen) Prüfungen in besonders von illegaler Beschäftigung und Schwarzarbeit betroffenen Branchen durchgeführt, so Schröder. Erst am 17. Oktober seien bei einer Mindestlohnsonderprüfung von 54 Zöllnern 195 Beschäftigungsverhältnisse geprüft worden.
An diesem Aktionstag wurden neun Strafverfahren wegen des Verdachts auf Mindestlohnverstöße und illegalen Aufenthalts sowie 27 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.
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Kommentare
Jürgen Mosthaf am 18.02.2025 17:54 Uhr
Im Handwerk und in der Gastronomie existieren zwei Welten nebeneinander. Hier die Betriebe die versuchen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben wie z. B. Steuerehrlichkeit, Sozialabgaben, Arbeitszeiterfassung und vieler weiteren vernünftigen wie auch unsinnigen Vorgaben zu wirtschaften. Und paralell dazu existieren Betriebe die sich so gut wie an gar nichts halten. Die Behörden sind mit letztgenannten Betrieben heillos überfordert, da es oft schon an der Sprachbarriere scheitert und der offizielle Betriebsinhaber nicht erreichbar ist. Das erhöht die Frustation bei den Ehrlichen immens da hier die Latte immer höher gelegt wird - solange bis man diese nicht mehr überwinden kann.
Jürgen Mosthaf