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Beute bis heute verschwunden
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Anwalt Malte Höch erinnert sich an filmreifen Goldraub und Xatar-Prozess zurück

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Nach dem Tod von Rapper Xatar rückt der Goldraub von 2009 bei Ludwigsburg wieder in den Fokus. Sein damaliger Anwalt Malte Höch gibt Einblicke in den Prozess, eine gescheiterte Absprache – und den Verbleib der Beute.


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Mit dem Tod des Rappers und Musikproduzenten Xatar vor ein paar Wochen gerät ein spektakulärer Goldraub erneut in die Schlagzeilen. Im Jahr 2009 verkleiden sich einige Männer als Polizisten. In einem BMW, mit Blaulicht und der Leuchtschrift „Bitte folgen“ veranlassen sie einen Transporter, von der Autobahn 81 bei Ludwigsburg abzufahren. Im Lieferwagen befinden sich etwa 120 Kilogramm Schmuck und Zahngold. Wert: etwa 1,7 Millionen Euro. Die Räuber klauen das Gold und setzen die gefesselten Fahrer des Transporters in einem Wald bei Oedheim aus. Xatar ist einer der Täter. Er räumt die Tat vor Gericht ein. Die Beute taucht nie auf. „Ich weiß nicht, wo sie hingeflossen ist“, sagt Malte Höch. Der Heilbronner Rechtsanwalt war Xatars Verteidiger.

Heilbronner Anwalt Höch erklärt, warum er mit dem Fall Xatar noch heute hadert

Der Prozess ist dem 54-jährigen Höch in lebhafter Erinnerung. Nach all den Jahren hadert er mit dem Fall. „Weil nicht rausgekommen ist, was hätte rauskommen können“, nämlich eine geringere Strafe für Xatar. Höch handelt damals einen Deal mit dem Gericht über sechs Jahre für seinen Mandanten aus. Darauf lässt sich Xatar nicht ein, am Ende kassiert er acht Jahre Gefängnis.

Xatar, zur Tatzeit 27 Jahre alt, schreibt Höch aus der Untersuchungshaft in Ellwangen an. Der habe ihn wohl aus der TV-Sendung „Barbara Salesch“ gekannt, in der Höch mitspielt. Bis zum Anruf des Rappers habe er den Goldraub nicht im Fokus gehabt, erinnert sich der Rechtsanwalt. Er nennt seinen Mandanten stets beim bürgerlichen Namen Giwar Hajabi. Der sei ihm „hochgradig sympathisch“ gewesen. „Man kann ihn schon als coolen Typen bezeichnen.“

Giwar Hajabi alias Xatar im Jahr 2022 bei der Premiere des Films über ihn.
Giwar Hajabi alias Xatar im Jahr 2022 bei der Premiere des Films über ihn.  Foto: Archiv/dpa

Xatar stammt aus dem Iran und kommt als kleiner Junge nach Bonn. Er macht Abitur. Ein Studium in England bricht er ab. Schon zuvor rappt er. Er etabliert sich als Musikproduzent. Finanziell geht es bergauf und bergab. Im Prozess soll er als Motiv für den Goldraub Geldnot angegeben haben. Nach dem Überfall flieht er über Moskau in den Irak. Zielfahnder des Landeskriminalamts Baden-Württemberg verfolgen seine Spur. Xatar wird geschnappt und ausgeliefert.

„Ich kann keinen unsympathischen Mandanten vertreten“, sagt Malte Höch. Er könne als Verteidiger nur gut sein, wenn ein tiefes Vertrauensverhältnis besteht. Mit Xatar habe es gleich „gematcht“. Das Problem: Mit dem Rapper stehen drei weitere Komplizen vor Gericht. Deren Verteidiger verfolgen eine andere Strategie als Höch.

Goldraub bei Ludwigsburg: DNA-Spuren und GPS-Daten überführen Tatverdächtige

In der Folge fliegen hinter den Kulissen zwischen den Verteidigern die Fetzen. Dabei ist Höch klar: Angesichts der vorliegenden Beweise mit GPS-Daten und DNA-Treffern ist ein Freispruch der Beschuldigten ausgeschlossen. Das sagt er auch seinem Mandanten. Es sei seine Aufgabe, einen Mandanten zu führen und lenken. Es sei zu einem massiven Konflikt mit den Mitangeklagten und deren Verteidigern gekommen, erzählt Höch. Letztlich habe Xatar auf andere gehört und die Verfahrensabsprache, die ihm zwei Jahre weniger eingebracht hätte, platzen lassen.

„Man muss sehen, wohin sich ein Verfahren entwickelt“, erklärt Höch. Dazu gehört nicht nur die Beweislage. Gesichtsregungen von Richtern beispielsweise oder konflikthaftes Verhalten sind für ihn Hinweise darauf.

Der Prozess erfährt wegen des filmreifen Vorgehens der Täter und nicht zuletzt wegen der Bekanntheit des Rappers viel Aufmerksamkeit in den Medien. Über den Fall gibt es sogar einen Spielfilm.

Malte Höch hält ein T-Shirt von Giwar Hajabi alias Xatar. 415 ist der Titel eines Songs und die Zellennummer von Xatar im Gefängnis.
Malte Höch hält ein T-Shirt von Giwar Hajabi alias Xatar. 415 ist der Titel eines Songs und die Zellennummer von Xatar im Gefängnis.  Foto: Bihr, Lina

Prozess um Goldraub: Heilbronner Anwalt Höch erhält nur Pflichtverteidigerkosten 

Das Gericht stuft die Tat als Raub ein, weil einer der Täter einem gefesselten Fahrer des Transporters das Portemonnaie klaut und damit Gewalt ins Spiel kommt. Das sei eine Exzess-Handlung und nicht Teil des Plans gewesen, sagt Höch. Er hält das Urteil in der rechtlichen Würdigung für nicht sachgerecht, „das hat mich kämpfen lassen“.

Und was ist aus der Beute geworden? Höch hat zwar keine Beweise, aber eine klare Vorstellung, wer Drahtzieher hinter dem Goldraub gewesen ist. Der habe das Geld durchgebracht. Mehr kann er dazu nicht sagen. Xatars Anteil sei für dessen Flucht draufgegangen. Er selbst, sagt Höch, habe in dem Fall die Pflichtverteidigerkosten erhalten. Die Summe, die Xatar ihm bei Übernahme seiner Verteidigung versprochen habe, sei nie geflossen.




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