Heilbronn im Winter – Obdachlose suchen Schutz in Bankfilialen
Wenn die Temperaturen sinken, suchen obdachlose Menschen in Heilbronn geschützte Orte – auch in Bankfilialen. Wie häufig das vorkommt und wie Institute wie die Kreissparkasse mit der Situation umgehen.
Wenn die Temperaturen sinken, suchen obdachlose Menschen in Heilbronn vermehrt geschützte Orte auf. In den Wintermonaten ist dabei immer wieder zu beobachten, dass sie nachts in öffentlich zugänglichen Bereichen von Bankfilialen – meist in den Selbstbedienungszonen – Zuflucht suchen.
Die Situation wirft Fragen nach dem Ausmaß des Phänomens und dem Umgang der Banken damit auf.
Kreissparkasse Heilbronn bestätigt Fälle: Obdachlose suchen im Winter Schutz
Die Kreissparkasse Heilbronn zeigt Verständnis für die Situation obdachloser Menschen in den Wintermonaten. „Uns ist die Notlage von Menschen ohne festen Wohnsitz, insbesondere bei diesen eisigen Temperaturen, sehr bewusst und das lässt uns nicht unberührt“, teilt Pressesprecherin Isabell Grosser auf Anfrage mit.

In der Vergangenheit habe es in den Wintermonaten „vereinzelt Fälle“ gegeben, in denen Obdachlose in SB-Filialen genächtigt hätten. Dabei sei es „in Ausnahmen auch zu Verunreinigungen oder schlechten Gerüchen“ gekommen.
Seit 2024 habe die Kreissparkasse Heilbronn flächendeckend Nachtschließungen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr eingeführt. Hintergrund sei der Schutz vor Automatensprengungen. In dieser Zeit sei „kein Zutritt mehr möglich“, so Grosser weiter.
In Einzelfällen wird die Polizei gerufen
Man wisse, „dass einige in den frühen Morgenstunden (zwischen 6 Uhr und 9 Uhr) die Selbstbedienungsbereiche oder Vorräume unserer Filialen als vorübergehende Wärmestuben nutzen“. Solange dabei Kunden nicht belästigt würden und keine Verschmutzungen oder Beschädigungen entstünden, zeige man „in begrenztem Umfang Verständnis“ und dulde dies, sagt Grosser.
Grundsätzlich handele es sich dabei jedoch um Hausfriedensbruch. Die betroffenen Personen würden im Tagesbetrieb hinausgebeten, da das Wohl der Kunden sowie der Mitarbeitenden an erster Stelle stehe. Bei aggressivem Verhalten oder Kundenbelästigung werde in Einzelfällen auch die Polizei eingeschaltet, „das kommt allerdings selten vor“.
„Kommt gelegentlich vor“: Das sagen andere Bank-Filialen
Auch die Commerzbank berichtet, „dass sich in den SB-Zonen einiger unserer Filialen, insbesondere in den Wintermonaten, obdachlose Menschen zeitweise aufhalten“, so Sandra Kobus, Pressesprecherin Region Süd. Dabei handele es sich nicht um ein neues Phänomen: Der Aufenthalt obdachloser Menschen in SB-Bereichen komme „in den Wintermonaten gelegentlich vor“ und betreffe „nicht ausschließlich unsere Standorte, sondern auch Filialen anderer Banken“.
Im Umgang mit der Situation liege die Priorität der Bank auf der Sicherheit und dem Wohlbefinden von Kundinnen, Kunden und Mitarbeitenden. Gleichzeitig bemühe man sich, solche Situationen „sensibel zu lösen“ und gegebenenfalls auch auf bestehende Hilfsangebote wie Kältehilfen hinzuweisen. Fälle von Vandalismus kommen laut Sandra Kobus nur vereinzelt vor. Um vorzubeugen, habe man entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Unter anderem würden nachts die SB-Bereiche der Filialen verschlossen.
Hinweisschild in der Filiale der Deutschen Bank, die Polizei zu rufen
Auf die konkreten Fragen nach Beobachtungen in diesem Winter, möglichen Fällen in den vergangenen Jahren sowie dem Umgang mit obdachlosen Menschen ging die Deutsche Bank in ihrer Antwort nicht ein. Stattdessen teilte das Institut lediglich mit, dass die SB-Stelle in Heilbronn täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet sei und an allen Standorten laufende Sicherheitsanalysen vorgenommen würden. Soweit erforderlich, würden vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen angepasst, wozu auch ein zeitweiser nächtlicher Verschluss zählen könne.
In der Heilbronner Filiale der Deutschen Bank hängt zudem ein Hinweisschild, das Kundinnen und Kunden dazu auffordert, bei unberechtigtem Aufenthalt die Polizei zu verständigen.
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