„Wer denkt an die Kinder?“ Elternfrust, weil Schülerbetreuung reduziert werden soll
Die Stadt Heilbronn möchte an den Grundschulen in Frankenbach und Biberach die Betreuung reduzieren. Das ist der aktuelle Stand.

Die Überraschung war groß unter Eltern, Schulleitungen und Teilen des Gemeinderats. Ende vergangenen Jahres wurde hinter verschlossenen Türen bekannt: Die Stadtverwaltung Heilbronn denkt darüber nach, die Betreuungszeiten an den Grundschulen Biberach und Frankenbach zu reduzieren. Betroffen wären davon nur die nächsten Erstklässler, nach den Sommerferien sollte es losgehen.
Die Stimmung in beiden Orten hat sich nicht verbessert, im Januar finden nun zwei Veranstaltungen statt. In Biberach informiert das Rathaus am Dienstag, 20. Januar, ab 18.30 Uhr in der Böllingertalhalle sowie in Frankenbach am Mittwoch, 21. Januar, ab 18.30 Uhr in der Gemeindehalle.
Betreuung an Grundschulen reduzieren: Darum geht es dem Rathaus
Die Stadt schreibt: „Ziel ist es weiterhin, verlässliche und bedarfsgerechte Bildungs- und Betreuungszeiten anzubieten und zugleich die vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen.“ Das letzte Wort hat der Gemeinderat.
Beide Schulen sind keine Grundschulen mit Ganztagsunterricht, an sogenannten Halbtagsschulen soll demnach eine verlässliche Betreuung nur bis 14 Uhr angeboten angeboten werden und damit deutlich weniger, als aktuell. Aber nur für jene Kinder, die ab dem Schuljahr 2026/27 eingeschult werden. An Ganztagsschulen soll es einen verlässlichen Betreuungsrahmen von 7 bis 16 Uhr geben. Eltern, so das Rathaus weiter, hätten weiterhin die Möglichkeit, einen Schulbezirkswechsel zu beantragen, wenn deren zuständige Grundschule nicht die passende Schulform anbietet.
Sollen Erstklässler mit dem Bus fahren? Das sagen Elternvertreter zu den Ideen der Stadtverwaltung
Genau das sorgt für einen Aufschrei unter Eltern. Nicht alle Eltern könnten ihre Kinder an eine andere Grundschule bringen. Sollten deren Mädchen und Jungen dann mit dem Bus fahren?, wundert sich Viviane Kalisch, Vorsitzende des Heilbronner Gesamtelternbeirats, die in Biberach wohnt. „Wer denkt an die Kinder?“, fragt sie.
Bei der Kritik gehe es nicht nur um den Schulweg, so Viviane Kalisch. Kinder, die gemeinsam einen Kindergarten besucht hätten, würden mit Einschulung getrennt – wenn die Betreuungszeit nicht passe.
Elternbeirat aus Biberach geht auf Kommunalpolitiker zu
Der Elternbeirat der Grundschule Biberach schreibt an die Mitglieder des Gemeinderats sowie die Bezirksbeiräte. Der Schulbezirkswechsel sei aus pädagogischen Erwägungen „eine nicht tragbare Zumutung an die jüngsten Schulkinder, da es mit einer enormen Belastung hinsichtlich Entwurzelung aus dem sozialen Milieu wie der Trennung aus bestehenden sozialen Netzwerken wie Kindergartenfreundschaften und Bindungen zu älteren Geschwisterkindern einhergeht“. All das geschehe zu einem Zeitpunkt, an dem ohnehin enorme Anpassungsleistungen vom Kindergarten- zum Schulkind erbracht werden müssten, so das Schreiben, dass der Stimme vorliegt.
Familien hätten viele Fragen, die allerdings seitens des Rathauses derzeit noch unbeantwortet seien, sagt Viviane Kalisch. „Natürlich sind die Eltern besorgt“, schildert sich die Situation vor Ort.
Mit dem Bus an eine andere Grundschule: So sähe ein Schulweg aus
Der Biberacher Elternbeirat hat dargestellt, wie beispielsweise Kinder aus dem Teilort per Bus an die Albrecht-Dürer-Schule in Neckargartach kämen. Dort beginnt der Darstellung zufolge der Unterricht um 7.45 Uhr. Führen Kinder um 6.36 los, wären sie mit Umsteigen am Hallenbad/Bildungscampus Ost in Heilbronn um 7.24 Uhr in Neckargartach. Die Verbindung mit einem Bus, der um 7.06 Uhr abfährt, brächte die Kinder zu spät nach Neckargartach.
Eltern hätten einige Fragen, so die Elternvertreter. Beispielsweise wollen sie auch wissen, wie es mit Familien mit mehreren Kindern weitergeht: Wenn ein Kind die bisherige Betreuung auch zukünftig bekommen soll, was ist dann mit Geschwisterkindern, die erst im Herbst 2026 eingeschult werden?
Die Elternsprecher wollen eine gemeinsame Lösung finden, „die das Wohl und den Bedarf der Kinder und der Familien in den Mittelpunkt stellt“.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare