Sabine Görmez, Rektorin der Grundschule Biberach, legt Zahlen vor, wonach 57 Prozent der Biberacher Grundschüler ein Betreuungsangebot nutzen, davon 69 Prozent bis 14 Uhr, lediglich vier Prozent bis 16.30 Uhr. Sie ist davon überzeugt: Würde man die Betreuungszeiten reduzieren, müssten Kinder, die darauf angewiesen sind, an einer anderen Grundschule angemeldet werden. Bestehende soziale Gruppen aus dem Kindergarten würden zum Zeitpunkt der Einschulung getrennt.
Eltern in Biberach und Frankenbach kritisieren Kürzung der Nachmittagsbetreuung
Die Stadtverwaltung Heilbronn will an den Grundschulen in Biberach und Frankenbach die Betreuungszeiten reduzieren. So sind die Reaktionen vor Ort.
Die Grundschulen in den Heilbronner Stadtteilen Biberach und Frankenbach fühlen sich von der Stadtverwaltung überrumpelt. Erst kürzlich sind Familien und Rektoren darüber informiert worden, dass das Rathaus die freiwillige Betreuung an Nachmittagen reduzieren möchte – ab kommendem Schuljahr.
Elternbeiratsvorsitzende spricht von Kaltschnäuzigkeit seitens der Heilbronner Stadtverwaltung
„Ernsthaft?“ Das war die erste Reaktion von Viviane Kalisch. Ab kommendem Schuljahr soll es nach den Plänen der Stadtverwaltung für Teile der Kinder keine Betreuung ab 14 Uhr mehr geben. „Das ist ein massiver Eingriff“, so die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Stadt Heilbronn. Es sei den Familien vor die Füße geschmissen worden, sagt die Biberacherin im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Von „Kaltschnäuzigkeit“ seitens des Verwaltung spricht Viviane Kalisch.

Auch in Frankenbach ist das Entsetzen groß, so die dortige Vorsitzende des Elternbeirats. Emily Musselwhite weiß von anderen Schulen, die von einem „ähnlich respektlosen Umgang bezüglich des Kommunikationsflusses zwischen Schulleitung und Stadt“ berichtet hätten.
Kürzung der Betreuung an Grundschulen: Heilbronner Eltern sind hilflos bis wütend
„Die Stimmung der Eltern aller Schulen rangiert von hilflos bis wütend“, so Emily Musselwhite. In Frankenbach verstünden Eltern nicht, „warum eine Schule, in der ein Drittel des Ganztagesangebots ausgeschöpft ist und die gut funktioniert“ komplett umgekrempelt werden solle. „Wir verstehen um das Ersuchen der Stadt, die Kosten an den Bund abzugeben. Allerdings hätte man im Dialog sicherlich mehr und effizienter arbeiten können.“
Die Frankenbacherin bezieht sich damit auf ein Ansinnen des Rathauses, Grundschulen zur Ganztagsschule umzustellen. Dafür gibt es Lehrerstunden. Das Land stünde also finanziell noch stärker in der Pflicht, wenn im kommenden Schuljahr sukzessive der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung eingeführt wird. Über eine solche Umstellung denken weitere Kommunen in der Region nach.
Kürzere Betreuungszeiten in Heilbronn: Wenn sie kommen, dann nur für Erstklässler
Laut Karin Schüttler, die im Rathaus das Schul-, Kultur- und Sportamt leitet, ist über die kürzeren Betreuungszeiten noch nicht endgültig entschieden worden. „Das Konzept befindet sich aktuell erst im Entwurfsstatus und wird mit den Beteiligten erörtert.“ Käme es zu Änderungen in der Betreuung, dann beträfe dies nur Kinder, die ab Herbst 2026 eingeschult werden. „Für die bestehenden Klassen bleibt es beim Status quo.“
Zudem verweist Karin Schüttler darauf, dass die beiden Grundschulen an der Halbtagsschule festhalten wollen. Ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung bedeute nicht, so die Amtsleiterin, dass alle entsprechenden Schulen ein solches Angebot haben müssen. „Zur Erfüllung des Rechtsanspruchs reicht aus, wenn in zumutbarer Entfernung ein Angebot bereitgestellt werden kann, das den Rechtsanspruch erfüllt.“
Verwaltung: Stadt Heilbronn hofft, dass beide Schulen zur Ganztagsschule werden
Die Stoßrichtung im Rathaus ist klar. Die Stadt würde sich freuen, wenn sich die beiden Grundschulen zur Ganztagsschule in Wahlform weiterentwickeln würden. In einer solchen Form entscheiden Familien, ob sie ihr Kind zum Ganztag anmelden oder nicht.
Die beiden Grundschulen lassen das Argument mit der Umstellung nicht gelten. In Frankenbach gebe es eine „bedarfsgerechte Betreuung“, so Rektor Florian Scheufele. „Wir orientieren uns an den Eltern.“ Derzeit würden 25 Prozent der Kinder die Betreuung nutzen.
Bedarfsgerechte Betreuung: Das ist die Haltung der Grundschulen Biberach und Frankenbach
Ähnlich die Haltung von Sabine Görmez, die Rektorin der Grundschule in Biberach ist. „Für den Standort Biberach ist unser Modell eine gute Lösung.“ Das belegen auch die Anmeldezahlen: Keine Familie habe bislang ihr Kind an einer anderen Grundschule angemeldet. „Wir haben alle Interessen und Bedürfnisse befriedigt.“
Eine Umwandlung zur Ganztagsschule würde zudem für einen Großteil der Kinder und Familien aus Biberach nicht dem Betreuungsbedarf entsprechen, deshalb habe sich die Schule bislang stets für „das Modell des kommunalen, flexiblen Ganztags entschieden“, so Sabine Görmez.
Selbst wenn sich die Grundschule nun zur Umstellung auf eine Ganztagsschule aussprechen würde: Die Frist ist abgelaufen, um sie für Herbst 2026 genehmigt zu bekommen.
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