Das Land unterstützt Ganztagsgrundschulen mit Lehrerstunden, allerdings gelten Voraussetzungen. Darauf weist Markus Wenz hin, der das Staatliche Schulamt in Heilbronn leitet. „Für die Einrichtung einer Ganztagsschule an einer Grundschule sind dauerhaft mindestens 25 Schülerinnen und Schüler erforderlich.“ Der Nachweis müsse über eine Bedarfserhebung bei den Eltern erbracht werden. Um zu einem neuen Schuljahr eine Ganztagsschule in Betrieb nehmen zu können, müssen Anträge bis zum 1. Oktober des Vorjahres vorliegen. ing
Rechtsanspruch auf Betreuung: Möckmühl und Zaberfeld prüfen Ganztagsgrundschule
Der Gesetzgeber führt den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen ein. Einzelne Kommunen in der Region Heilbronn gehen dabei gleich ganz neue Wege – das sagen die Bürgermeister dazu.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen kommt nach den Sommerferien. Mit den Erstklässlern geht es los. Jedes Jahr stößt ein weiterer Jahrgang dazu, bis schließlich alle Erst- bis Viertklässler darauf einen Anspruch haben. Städte und Gemeinden suchen Personal, um die Betreuung umzusetzen und investieren in Gebäude. Und: Manche Orte planen, die Grundschule auszubauen. Dazu gehören Möckmühl und Zaberfeld, die auf lange Sicht Ganztagsgrundschulen einrichten wollen.
Ganztagsgrundschulen gibt es schon in der Region, manche sind verpflichtend wie beispielsweise die in Bad Friedrichshall-Hagenbach. Andere sehen es als freiwilliges Angebot an Familien – Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind anmelden. Falls sie diese Entscheidung treffen, ist es fürs Kind aber verpflichtend.
Weitere Ganztagsgrundschulen: Viele Kommunen in der Region prüfen den Schritt
„Es gibt eine ganze Reihe von Gemeinden, die – vermutlich auch aufgrund der kommenden Ganztagsbetreuungspflicht – prüfen, inwiefern eine Ganztagsschule sinnvoll wäre“, so Markus Wenz, der das Staatliche Schulamt in Heilbronn leitet. Bis vor einigen Jahren mussten vor einer solchen Entscheidung des Gemeinderats auch Lehrer und Eltern befragt werden. Jetzt nicht mehr.
Laut Markus Wenz setzen Kommunen dennoch weiterhin auf eine gute Abstimmung mit den Schulen. „Es braucht zwar keinen Schulkonferenzbeschluss mehr, aber es braucht die Menschen an der jeweiligen Schule, um ein Ganztagskonzept sinnvoll und gut umsetzen zu können“, ergänzt er. „Außerdem braucht es natürlich den Bedarf vor Ort.“ Das heißt: perspektivisch eine Mindestanzahl von Kindern, um Lehrer für den schulischen Ganztag zu erhalten.
Zaberfeld prüft Ganztagsgrundschule: Das steckt dahinter
Zu den Kommunen, die darüber nachdenken, gehört Zaberfeld. Bürgermeisterin Diana Danner berichtet von Gesprächen mit Eltern und Schulleitung sowie dem Gemeinderat.
Überlegt wird in Zaberfeld, mit einer Ganztagsgrundschule an drei Tagen zum Schuljahr 2026/2027 zu beginnen. Entschieden ist nichts, das Konzept wird erst noch erarbeitet, und Eltern sollen abgeholt werden. „Wir wollen es nicht gegen den Willen der Eltern machen“, sagt Diana Danner. Käme die Ganztagsgrundschule tatsächlich, wäre sie an drei Tagen für die Kinder verpflichtend, an den beiden anderen Tagen gibt es normale Betreuung.
Mit ein Grund der konzeptionellen Weiterüberlegung: Zaberfeld würde das Land stärker in die Verantwortung nehmen. „Wenn die Ganztagsgrundschule kommt, übernimmt das Land die Lehrer.“ Bei der normalen Betreuung ist die Kommune gefordert, die bislang auf eigenes Personal setzt und nicht auf Ehrenamtliche beispielsweise aus den Vereinen. Das Land sagt auch hier finanzielle Unterstützung zu.
Kommt die Ganztagsgrundschule? Das hängt auch von der Anzahl der Kinder ab
Knackpunkt auf dem Weg zur Ganztagsgrundschule ist die Mindestanzahl an Kindern: Mindestens 25 Kinder müssen durchgängig für den Ganztag infrage kommen. Diana Danner wundert sich über die starren Vorgaben des Landes, denn die gelten für große Städte wie Neckarsulm genauso wie für kleine Gemeinden.
Auch Möckmühl arbeitet am Konzept. Man werde den Antrag auf Ganztag für die Grundschule in der Kernstadt erst für 2027 stellen, so Bürgermeister Simon Michler, weil man die Gebäude erst auf Stand bringen wolle. Im „gut funktionierenden Hort“ gebe es durch Platz-Sharing viele Optionen für die Betreuung, so dass man den Rechtsanspruch erfüllen könne. „Es gibt schon jetzt die Betreuung vor und nach der Schule“, betont Simon Michler.
Das hat Möckmühl mit der Grundschule in der Kernstadt vor
Ab 2027 will man den Ganztag in offener Form für zwei Klassen anbieten. Ob der Ganztag an drei oder vier Tagen gewünscht wird, werde man im kommenden Jahr bei den Eltern abfragen. Verpflichtend wolle man den Ganztag in der Grundschule Möckmühl aber nicht machen, weil nicht alle Eltern das wollen. „Da kann man dann sein Kind nicht früher abholen, wenn es zu einem Geburtstag eingeladen ist.“ Bei der Hort-Betreuung sei man hingegen flexibler.
Deutlicher ist das Rathaus in einer Beschlussvorlage für den Gemeinderat. Die Ganztagsgrundschule soll demnach ein Zusatzangebot sein, „unabhängig vom kommunalen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung“. Ab dem Schuljahr 2027/2028 bestehe dann für die Kinder der Klassen 1 und 2, für die dann der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung besteht, die Möglichkeit, aus einem weiteren Baustein eine individuelle Betreuung zusammenzustellen. „Dies unterstützt und entlastet die Stadt Möckmühl in Ihrer Pflicht zum Angebot einer Ganztagesbetreuung.“
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