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Künstliche Intelligenz

Warum es mehr Frauen in KI-Berufen braucht: Professorin der Hochschule Heilbronn engagiert sich

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Nicola Marsden von der Hochschule gehört zum Vorstand des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit. Darum geht es dem Verein.

Eine KI-Anwendung sortiert Schrauben: Mit Künstlicher Intelligenz befassen sich Forscher der Hochschule Heilbronn auch am Techcampus in Sontheim.
Eine KI-Anwendung sortiert Schrauben: Mit Künstlicher Intelligenz befassen sich Forscher der Hochschule Heilbronn auch am Techcampus in Sontheim.  Foto: Berger, Mario

Frauen sind in den Bereichen Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik eine Minderheit, entsprechend sind sie auch in Berufen mit Bezug zu KI unterrepräsentiert. Es tue sich aber etwas, langsam, sagt Nicola Marsden, die die Forschungsprofessur Sozioinformatik an der Fakultät Informatik der Hochschule Heilbronn innehat. 19 Prozent Frauen seien es in der KI an der Hochschule vor einiger Zeit gewesen, jetzt seien es 25 Prozent.

„Der Talentpool ist größer, wenn Frauen nicht ausgeschlossen werden“, sagt Nicola Marsden. Aber sie hofft zugleich aus mehreren Gründen auf eine stärkere Rolle von Frauen in diesen Bereichen: Gemischte Teams kämen auf bessere Lösungen. Zumal dann auch weibliche Themen nicht unter den Tisch fielen. Sie erinnert sich an eine Gesundheits-App, die vieles aufzeichnen konnte. Was bei der Programmierung durch Männer allerdings vergessen wurde: das Tracking der Periode, sagt die Professorin.

Nicola Marsden ist stellvertretende Vorsitzende und Schatzmeisterin beim bundesweiten Verein Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit

Nicola Marsden möchte es beim Status quo nicht belassen, beim bundesweiten Verein Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit ist sie stellvertretende Vorsitzende und Schatzmeisterin. Der Verein fördert nach eigenen Angaben die Chancengleichheit von Frauen und Männern. Zu seinen Angeboten gehören unter anderem die Projekte Girls‘ Day und Boys‘ Day, bei denen Mädchen und Jungs in Berufe schnuppern, die üblicherweise dem jeweils anderen Geschlecht zugeordnet werden.

Kürzlich hat die Gruppe auch ein Positionspapier an Bundesforschungsministerin Dorothee Bär geschickt: Zentrale Rolle für eine zukunftsfähige Technologiepolitik habe die Gleichstellung. Es heißt darin unter anderem: „Trotz wachsender Bedeutung technologischer Schlüsselbereiche – insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) – sind Frauen in Forschung, Entwicklung und Anwendung weiterhin massiv unterrepräsentiert.“

Pflichtfach Informatik, Vorbilder: Das sollte sich ändern

Nicola Marsden spricht sich dafür aus, dass schon in Schulen das Fach Informatik für alle verpflichtend sein muss. Das Interesse, sagt sie, müsse geweckt werden. Zudem setzt sie sich dafür ein, außerschulische Angebote zu schaffen. Zudem brauche es weibliche Vorbilder, die Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigten, und eine Arbeitswelt, die offen für Frauen sei. Viele verließen beispielsweise den IT-Sektor, weil sie sich dort als Frau diskriminiert fühlten, so die Wissenschaftlerin. 

KI eröffnet nach Ansicht der Professorin besondere Chancen. „Grenzen lösen sich auf“, sagt Nicola Marsden. Weil man Prompts eingebe, also besondere Befehle einer KI geben könne, benötige man nicht mehr nur IT-Expertise. Zudem würden sich mit KI die Sozialwissenschaften befassen. Und das sei ein Bereich, in dem viele Frauen arbeiten. Dass sich etwas ändert, daran glaubt die Wissenschaftlerin. „Ich bin grundoptimistisch.“

Mehr Frauen in Mint-Bereiche: Erst kürzlich wurde erstmals ein Stipendium vergeben, das ausschließlich Frauen fördert, die an der Hochschule Heilbronn promovieren.

Ist im Bereich Künstliche Intelligenz tätig: Professorin Dr. Nicola Marsden von der Fakultät Informatik der Hochschule Heilbronn.
Ist im Bereich Künstliche Intelligenz tätig: Professorin Dr. Nicola Marsden von der Fakultät Informatik der Hochschule Heilbronn.  Foto: Gajer, Simon



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