Versuchter Auftragsmord in Waldenburg: Angeklagter krümmt sich vor Schmerz
Im Heilbronner Prozess um einen mutmaßlichen Auftragsmord in Waldenburg wurden bereits zwei Verhandlungstage komplett abgesetzt. Auch am Montag mussten die Richter die Verhandlung unterbrechen.
Der Prozess um den versuchten Auftragsmord in Waldenburg vor der ersten Schwurgerichtskammer des Heilbronner Landgerichts zieht sich voraussichtlich in die Länge. Die Verhandlung am Montag unterbrach der Vorsitzende Richter Martin Liebisch schon vor der Mittagspause. Die beiden Prozesstage zuvor hatte die Kammer bereits abgesetzt. Grund: Der Hauptangeklagte ist offenbar nicht verhandlungsfähig.
Unter anderem gemeinschaftlich versuchten Mord sowie gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs wirft die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Oberregierungsrätin Miriam Birk-Braun, den drei Angeklagten vor. Dabei soll der Hauptangeklagte K. die beiden Angeklagten F. und G. angestiftet haben, seine Exfrau zu ermorden. Am 23. Mai 2025 soll F. die Geschädigte vor dem Waldenburger Kindergarten mit dem Auto angefahren haben. Sie wurde dabei verletzt.
Versuchter Auftragsmord an Ex-Frau: Justizwachtmeister schieben Angeklagten im Rollstuhl in den Gerichtssaal
Mit schmerzverzerrtem Gesicht wurde K. am Montag im Rollstuhl in den Großen Saal des Gerichtsgebäudes geschoben. Statt auf der Anklagebank Platz zu nehmen, musste sich K. auf eine Krankenliege in die hinterste Reihe des Saals legen. Während die ersten Zeugen aussagten, bewegte sich der Angeklagte auf dem Rücken liegend hin und her. Richtete sich auf und kauerte nach vorn gebeugt am Rand der Liege. Die Augen waren zugekniffen, offenbar wegen starker Schmerzen.
Laut seiner Anwältin Anke Stiefel-Bechdolf leidet der Hauptangeklagte an einer lumbalen Spinalkanalstenose und an einem Iliosakralsyndrom, was bereits Anfang Dezember diagnostiziert worden sei. „Er gehört in einem Vollzugskrankenhaus behandelt“, sagte Anke Stiefel-Bechdolf am Rand der Verhandlung. Stattdessen sei noch nicht einmal ein MRT gemacht worden.
Am vergangenen Wochenende habe er nach eigenen Angaben in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim keine Medikamente bekommen. Laut Liebisch lagen der Kammer zwar andere ärztliche Informationen vor. Der Angeklagte blieb aber dabei: „Ich habe das ganze Wochenende über vielleicht 20 Minuten geschlafen.“

Angeklagter droht auf Krankenliege im Gerichtssaal einzuschlafen
In einer von mehreren Verhandlungsunterbrechungen bekam K. offenbar eine Tablette des Opiats Tilidin. Als er danach mehrfach während des fortlaufenden Prozesses einzuschlafen drohte, brach die Kammer die Verhandlung für diesen Tag ab. Mehrere Zeugen mussten unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Zuvor hatte Liebisch bereits die Zeugen für den Nachmittag informiert, dass sie zu einem anderem Zeitpunkt geladen werden.
Zuvor hatte Rechtsanwalt Michael Traub im Auftrag der Angeklagten G. eine Erklärung abgegeben, in der sie ihren Lebensgefährten F. als Fahrer des Autos benannte, das die Exfrau von K. am 23. Mai 2025 gezielt vor dem Kindergarten in Waldenburg angefahren hatte.
Sie selbst sei von K. zu keinem Zeitpunkt damit beauftragt worden, dessen Exfrau mit einem Auto anzufahren oder anfahren zu lassen. Daher sei sie „völlig schockiert“ gewesen, als sie von ihrem Lebensgefährten F. am Nachmittag des 23. Mai 2025 erfuhr, was passiert war.
Mitangeklagte will von Auftragsmord nichts gewusst haben
„Ich konnte nicht glauben, dass er zu einer solchen Tat fähig sein könnte. Vor allem deshalb, weil wir ein gemeinsames Kind erwarteten“, ließ die Angeklagte ihren Anwalt erklären. In einer Whatsapp-Nachricht schrieb sie ihm offenbar einen Tag nach der mutmaßlichen Tat: „Du überfährst Menschen stresst mich das ich das Kind am verlieren bin . . . was bist du für ein Mensch?“ (Originalfassung der Nachricht)
Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt auch der Vorwurf, dass die beiden Angeklagten F. und G. vor der mutmaßlichen Tat die Gewohnheiten und den Tagesablauf der Geschädigten ausspioniert haben sollen. Erhärtet werde dieser Vorwurf, dass der Inhaber einer Werkstatt in Eschelbach ein verdächtiges Fahrzeug über einen längeren Zeitraum beobachtet habe, als die Geschädigte ihr Fahrzeug zur Inspektion in diese Werkstatt gebracht habe. Das sagte der Inhaber der Werkstatt im Zeugenstand aus.
Anwohnerin beobachtete verdächtiges Fahrzeug Tage vor der Tat
Dabei handelte es sich offenbar um das gleiche Fahrzeug, mit dem das Opfer angefahren wurde: Ein silberner Ford Focus mit Augsburger Kennzeichen. Dieses Fahrzeug ist auch einer Anwohnerin in einer Wohnstraße in Eschelbach aufgefallen.
Außerdem sah sie ein schwarzes Auto, das vor dem Ford gestanden hatte. Darin habe eine Frau mit Sonnenbrille und hellbraunen Haaren gesessen. Sie habe sich mit einem Mann mutmaßlich gestritten, der dunkle Haare und einen Vollbart getragen habe. Der wiederum dürfte zu dem silbernen Ford gehört haben, so die Vermutung der Zeugin.
Im Prozess um den versuchten Auftragsmord in Waldenburg spricht die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Oberregierungsrätin Miriam Birk-Braun, von einem perfiden Plan. Demnach sollte vor einem Kindergarten in Waldenburg die nichts ahnende Exfrau des Angeklagten K. am 23. Mai 2025 gegen 13.18 Uhr mit einem Pkw überfahren werden. Ziel sei es gewesen, sie zu töten. Beim Prozessauftakt schwiegen alle drei Angeklagten. Über das mögliche Motiv des Anstifters wurde vorerst nichts bekannt. Den beiden anderen Angeklagten warf die Oberregierungsrätin Habgier vor. Immerhin soll der 41 Jahre alte Exmann der Geschädigten den beiden 28 und 33 Jahre alten Beschuldigten F. und G. zwischen 10.000 und 15.000 Euro angeboten haben.
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Kommentare
Roland Blank am 02.03.2026 17:39 Uhr
Was ist nur in Deutschland los? Wenn man jemanden nicht passt, dann gleich Abmurksen???