Versuchter Mord in Heilbronn? Schwager schwer verletzt – Zeuge liefert Video
Im Prozess gegen zwei Brüder in Heilbronn sprechen Ärzte am Donnerstag von potenzieller Lebensgefahr des Opfers. Aus verletztem Stolz und wegen der Familienehre sollen die mutmaßlichen Täter versucht haben, ihren Schwager zu ermorden.
Verzweifelte Hilferufe eines Mannes wechseln sich ab mit lautem Stöhnen. Immer wieder stößt ein Frau panikartig spitze Schreie aus. Der Film, den die erste Schwurgerichtskammer bei der Verhandlung am Donnerstag, 7. August, im Großen Saal des Heilbronner Landgerichts zeigte, dauert gut fünf Minuten. Aufgenommen hat ihn der Nachbar eines 33 Jahre alten Mannes, der am 18. Dezember 2024 zuerst in seiner Wohnung und anschließend auf offener Straße in Heilbronn von seinen beiden Schwägern angegriffen und verletzt worden sein soll.
Staatsanwaltschaft Heilbronn klagt Brüder wegen versuchten Mordes an ihrem Schwager an
Die Staatsanwaltschaft klagt die beiden 33 und 29 Jahre alten Brüder wegen versuchten Mordes an ihrem Schwager an. Der soll zuvor im Streit mit seiner Frau deren Familie beleidigt haben. Daraufhin sollen ihn die beiden Beschuldigten mit Messer und Schlüssel verletzt haben. Auch geschlagen und gebissen sollen sie ihn haben.
Das Motiv sei laut Anklage verletzter Stolz und Familienehre. Schon am Tag vor dem mutmaßlichen Tötungsversuch ihres Schwagers soll der ältere der beiden Brüder das Fahrzeug des Geschädigten mit einem Baseballschläger beschädigt haben.

Was genau am 18. Dezember in dunkler Nacht geschehen ist, konnte der Nachbar im Zeugenstand nicht sagen. „Ein Konflikt, ein Durcheinander“, sagte er. Wer mit wem gestritten habe, wisse er nicht. Er kenne die Leute nicht. Während des Geschehens unter seinem Fenster habe er sich ausschließlich auf das Video konzentriert.
Nach Angriff in Heilbronn: Nachbar überlässt Videoaufnahme der Polizei
Den Film hat er über eine Nachbarin der Polizei zukommen lassen. Wie die Szene offenbar in den sozialen Medien aufgetaucht sei, könne er nicht sagen. Der Film zeigt aus größerer Entfernung einen Mann, der auf der Straße rennt, von Personen verfolgt und vor einem geparkten Auto gestellt wird. Wenige Augenblicke später rennen mehrere Personen weg. Ein Mann bleibt schreiend und stöhnend auf der Straße liegend zurück. Um ihn herum scharen sich mehrere Menschen.
Die Polizeibeamtin, die mit als erstes vor Ort eintraf, fand den Geschädigten auf der Straße liegend vor. „Er hatte kein T-Shirt mehr an, die Hose war eingenässt, und er hat geschrien.“ Auf seinem Rücken hatte sie „oberflächliche Schnittwunden“ gesehen. „Im Speichel war ein bisschen Blut.“
Eine Frau habe eine Beschreibung abgegeben. Zwei Täter habe sie gesehen. Ein Messer sei im Spiel gewesen. Der schlankere der beiden Verdächtigen habe Stichbewegungen Richtung Hals und Oberkörper gemacht, habe die Zeugin angegeben.
Akutes Nierenversagen nach Angriff: Opfer muss in Heilbronner Krankenhaus
Zwei Tage nach dem mutmaßlichen Angriff musste der Geschädigte wegen akuten Nierenversagens ins Krankenhaus. Zwei behandelnde Ärzte im SLK-Klinikum am Gesundbrunnen sagten am Donnerstag vor Gericht, dass eine Schwellung beider Nieren Probleme verursacht habe. Ursache dafür könne unter anderem Gewaltanwendung gewesen sein, so die Mediziner. Dafür sprächen auch die Hämatome an beiden Seiten des Körpers. „Im schlimmsten Fall ist ein tödlicher Verlauf nicht auszuschließen“, sagte einer der Ärzte. Sein Kollege bestätigte: „Akutes Nierenversagen ist enorm gefährlich.“
Der Geschädigte tritt in der Verhandlung als Nebenkläger auf. Dessen Vertreter, Rechtsanwalt Talip Öz, berichtete von einem Telefonat zwischen seinem Mandanten und dem ältesten Bruder der beiden Angeklagten. Demnach soll der Bruder den Geschädigten aufgefordert haben, die Anzeige zurückzuziehen. Andernfalls würden die Brüder ihn umbringen, wenn sie wieder aus dem Gefängnis kommen. „Es hört nicht auf“, sagte Öz. Das Telefonat habe sein Mandant aufgezeichnet. Öz will den Inhalt des Gesprächs in den kommenden Verhandlungstagen über einen Beweisantrag in den Prozess einführen.
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