Frau in Heilbronn aus Fenster gestoßen? „Ich dachte, ich sterbe an diesem Tag“
Im Dezember 2024 soll der heute 27 Jahre alte Angeklagte aus Nigeria seine Lebensgefährtin geschlagen, gewürgt und aus dem Fenster einer Heilbronner Wohnung gestoßen haben. Vor dem Landgericht bestritt er die Vorwürfe.
Mit all den Anschuldigen habe er nichts zu tun. Geschlagen, gewürgt und aus dem Fenster gestoßen? Für den Beschuldigten ist das alles erfunden. Von seiner Lebensgefährtin, von der er noch auf der Anklagebank sagt, sie sei seine Verlobte, mit der er ein gemeinsames Leben aufbauen will. Obwohl seine 29 Jahre alte Freundin ihn laut seiner Aussage vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts angeblich ins Gefängnis bringen wollte.
Prozess in Heilbronn: Beziehungsdrama eskaliert im Streit um eine Kette
Warum sie das wollen könnte, wollte der Vorsitzende Richter Martin Liebisch wissen. Weil sie das Kindergeld allein für sich haben wolle, antwortete der Angeklagte. Die beiden haben drei gemeinsame Kinder.
Er sei immer ein guter Vater gewesen, sagt die Lebensgefährtin im Zeugenstand. Ob er verurteilt wird oder ober er freigesprochen wird - „das geht mich nichts an“, so die 29-Jährige. Sie habe keine Angst mehr vor ihm. Die Beziehung sei beendet.

Das mutmaßliche Drama eskalierte am 15. Dezember 2024 wegen des Streits um eine Kette. An diesem Tag soll der Beschuldigte seine Lebensgefährtin in 4,75 Meter Höhe aus dem Kinderzimmerfenster der gemeinsamen Wohnung in Heilbronn gestoßen haben. Am offenen Fenster stand sie, weil sie um Hilfe gerufen habe, so die mutmaßlich Geschädigte. Ihr Lebensgefährte habe sie zuvor dreimal gewürgt. „Ich dachte, ich sterbe an diesem Tag“, sagt die Geschädigte Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann unter anderem versuchten Totschlag zur Last.
Verhandlung in Heilbronn: Richter redet dem Angeklagten ins Gewissen
Dass er im Gefängnis ist, sei seine Schuld, so das mutmaßliche Opfer. „Er hat sich in diese Lage gebracht. Er kann sich nicht kontrollieren.“ Er habe ihr gedroht, ihr etwas anzutun und der Polizei zu sagen, dass sie aus dem Fenster gesprungen wäre. Der Angeklagte sagte vor der Kammer genau das Gegenteil. Sie habe gedroht, aus dem Fenster zu springen, damit die Polizei glaube, er habe sie gestoßen und er ins Gefängnis müsse.
Richter Liebisch redete dem Angeklagten ins Gewissen. Er solle sich überlegen, ob er bei dieser Erzählung bleibe. Ein unbeteiligtes Mädchen aus der Nachbarschaft habe gesehen, dass ein Mann die Frau aus dem Fenster gestoßen habe. Der Angeklagte blieb bei seiner Geschichte.
Streit in Heilbronn: Angeklagter habe bereits früher mit Wurf aus Fenster gedroht
Immer wieder hat es zwischen den beiden Auseinandersetzungen gegeben. Schon am 29. November etwa soll er ihr gedroht haben, sie aus dem Fenster zu werfen und der Polizei zu sagen, sie sei gesprungen. Die Geschädigte konnte damals offenbar aus der Wohnung flüchten und die Polizei verständigen. Grund war der Streit um ein Fernsehgerät.
Am Abend des 14. Dezember soll es erneut zu einer Auseinandersetzung gekommen sein. Diesmal ging es um die Rückgabe einer Kette. Bei diesem Streit habe der Angeklagte gedroht, ihr etwas anzutun, so die Zeugin. Erneut sei ihr die Flucht gelungen. Zusammen mit den drei gemeinsamen Kindern suchte sie offenbar Schutz bei einer Nachbarin, bei der die Flüchtenden übernachten konnten. „Ich konnte nicht schlafen. Ich hatte Angst, dass mir das Jugendamt die Kinder wegnehmen könnte“, so die dreifache Mutter.
Aussage in Heilbronner Landgericht: „Ich habe ihn angefleht, mich nicht zu töten.“
„Am nächsten Morgen bin ich zurückgekommen, die Türe war offen“, sagte das mutmaßliche Opfer. Später habe er an der Tür geklingelt. Sie habe die Türe nicht aufmachen wollen, bevor die Polizei kommt. Darauf sei er durch das offene Fenster ins Wohnzimmer gekommen.
„Er hat angefangen, mich zu schlagen. Den Kindern habe ich gesagt, sie sollen ins Wohnzimmer gehen, um zu spielen. Das mache sie immer, wenn die beiden Streit hätten. „Ich habe ihn angefleht, mich nicht zu töten.“ Aber er habe angefangen, sie zu würgen. Und er wollte offenbar ihr Handy. „Er hat mich fest am Hals gepackt, dass ich nicht mehr atmen konnte.“
Dann habe das Telefon geklingelt. Er sei rangegangen. Sie habe das Fenster aufgemacht und versucht um Hilfe zu rufen. In diesem Moment habe er sie aus dem Fenster gestoßen. „Ich bin gefallen und habe nicht gedacht, dass ich mich jemals wieder bewegen kann.“ Als die Polizei in die Wohnung kam, soll der Angeklagte gesagt haben, seine Frau sei aus dem Fenster gesprungen.
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