Demo in Heilbronn: Verdi mobilisiert 300 Beschäftigte im öffentlichen Dienst
Rund 300 Beschäftigte haben am Montag in Heilbronn an einer Verdi-Demo teilgenommen. Sie zogen lautstark durch die Innenstadt und forderten mehr Geld und Wertschätzung.
Lautstarke Musik dröhnt aus den Boxen, dazu kommen Trommeln und Trillerpfeifen. In gelben und roten Warnwesten ziehen rund 300 Menschen über die Heilbronner Allee und durch die Fußgängerzone.
Am Mittwoch steht die dritte Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst an und die Gewerkschaft Verdi hat zum regionalen Warnstreiktag aufgerufen. Es ist ein bunter lauter Haufen, der da für den Wunsch nach mehr Geld in der Tasche und damit verbundener Wertschätzung auf die Straße geht.

Warnstreik im öffentlichen Dienst in Heilbronn: 300 Beschäftigte ziehen lautstark durch die Innenstadt
Beschäftigte vom ASB Heilbronn-Franken sind inklusive Streikbär dabei, außerdem von der Hochschule Heilbronn, der DHBW, dem Studierendenwerk, dem Zentrum für Psychiatrie Weinsberg (ZfP) mit Außenstellen in Schwäbisch Hall sowie Vermessungstechniker des Landratsamts Neckar-Odenwaldkreis und Mitarbeiter der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg. Dazu kommen angestellte Lehrer und Erzieher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, etwa von der Lindenparkschule Heilbronn.
Und weil man ja solidarisch ist und die Angestellten der AOK kurz vor der zweiten Verhandlungsrunde stehen, sind Mitarbeiter aus Heilbronn und Mosbach ebenso mit von der Partie. Sie alle rufen einheitlich „Heute ist kein Arbeitstag – heute ist Streiktag“.
Niedrige Entgeltgruppen im Fokus: Personalrat kritisiert Bezahlung und fehlende soziale Absicherung
Roland Schweizer streikt offiziell natürlich nicht, denn er ist Beamter an der Hochschule Heilbronn und hat einen Tag Urlaub genommen, um sich gerade als Personalrat solidarisch zu zeigen. „Was die Entgeltgruppen fünf und sechs bezahlt bekommen, ist einfach erbärmlich, deswegen ist die soziale Komponente beim Sockelbetrag extrem wichtig“, betont er. So manches Geschwätz vom Bundeskanzler zeige nur, dass er sich nicht mehr in die unteren Gehaltsgruppen reinversetzen kann, die jedes Mal zittern, wenn eine Heizungsnachzahlung kommt.
Pascal Raugust von der AOK hat ein paar Zitate aus der ersten Verhandlungsrunde in Berlin mitgebracht, die ohne Angebot der Arbeitgeber endete. „Nicht alles, was möglich ist, ist nötig“ und „Personal ist ein Kostenfaktor, der minimiert werden muss“. Klar, dass das sauer aufstößt. „Es ist einfach nur eine Schande, wie mit uns umgegangen wird.“ Als der Tross an der AOK-Geschäftsstelle vorbei zieht, stehen die Kollegen am Fenster und winken.
„Wir wollen nicht reich werden, sondern unser Leben geregelt bekommen“
Monika Prokosch-Bentz ist Lehrerin an einem SBBZ Schulkindergarten. „Wir streiken, weil wir ausgeblutet werden“, erklärt sie. Die Aufnahme von Kindern sei bereits reduziert, Neuanstellungen nicht vorgesehen. „Das macht mich wütend, wie mit Kindern im Musterländle umgegangen wird.“ Lilian Kilian vom ZfP findet, sie und ihre Kollegen verdienen dasselbe wie die Kollegen bei Bund und Kommunen. „Wir wollen nicht reich werden, sondern unser Leben geregelt bekommen“, betont sie.
Der ASB ist über einen Anlehnungsvertrag an den Tarif im öffentlichen Dienst angegliedert. Kitas zu, Rettungsdienst und Krankentransport werden bestreikt: „Wir müssen für unsere Rechte kämpfen, sonst macht die Politik mit uns, was sie will“, zeigt sich Annarita Vellucci kämpferisch.
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