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Nahostkrise
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Heilbronner sitzen wegen Iran–Krieg in Malaysia fest – und ärgern sich über Behörden 

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Ihre Flüge wurden gestrichen: Die Lage in Nahost mit dem Iran-Krieg sorgt dafür, dass vier Heilbronner Urlauber weiter festsitzen – in Malaysia in Südostasien. Wie lange noch? 


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Thomas Gooß ärgert sich. Nach einem Thailand-Urlaub ging es zusammen mit drei Freunden noch auf einen Abstecher nach Malaysia – einen alten Freund aus der Heimat und dessen Familie besuchen. Ursprünglich sollte es am 3. März zurück nach Hause gehen. Eigentlich wäre Gooß also seit einigen Tagen wieder daheim in Heilbronn-Neckargartach – und seine Stammtischfreunde aus Nordheim und Heilbronn-Böckingen ebenfalls. Aber wegen der Unruhen im Nahen Osten sitzt das Quartett, knapp zehn Tage nach geplanter Abreise, weiter in Malaysia fest.

Heilbronner Reisegruppe sitzt wegen Iran-Krieg in Malaysia fest

Gooß berichtet: „Unser Flug wurde zunächst abgesagt und dann immer wieder verschoben. Zunächst auf den 6. – dann auf den 8. März.“ Bei den Fluggesellschaften sei es schwierig, jemanden zu erreichen. „Hilfe oder Perspektiven gibt es kaum. Nur permanent neue Flugtermine.“ Stand jetzt soll es für die vier Heilbronner im Alter zwischen 55 und 60 Jahren an diesem Freitag, 13. März, über Peking zurück nach Deutschland gehen. 

Heilbronner Urlauber sind in Malaysia gestrandet (von links): Daniel Hublitz, Joachim Weber, Horst Hippich und Thomas Gooß.
Heilbronner Urlauber sind in Malaysia gestrandet (von links): Daniel Hublitz, Joachim Weber, Horst Hippich und Thomas Gooß.  Foto: privat

„Nach Kontaktaufnahme mit dem Auswärtigen Amt kam von dort nur eine standardisierte Antwort-Mail zurück: Unser Reiseland sei nicht von der militärischen Eskalation im Nahen Osten betroffen. Daher sollen wir uns selbst um Rückreise-Möglichkeiten kümmern“, berichtet Gooß. Er kritisiert: „Ob die Lufträume offen oder geschlossen sind – das erfahren wir aus den Medien und nicht von offizieller Seite. Dabei sind meine Kontakte bekannt.“

Darüber hinaus haben Gooß und zwei weitere seiner Reisebegleiter versucht, sich beim Portal Elefand des Auswärtigen Amtes – der Elektronischen Erfassung Deutscher im Ausland – anzumelden. „Das hat gar nicht funktioniert“, berichtet der 55-jährige Gooß. „Ich habe mehrfach meine Daten eingegeben, ein Passwort festgelegt – und dann ging es einfach nicht weiter. Meinen Freunden ging es genauso.“

Wegen Iran-Krieg in Malaysia gestrandet: Zu wenig Unterstützung durch Behörden?

Dem Neckargartacher ist bewusst, dass er sich keineswegs in einer Notlage befindet. „Uns geht es gut, wir sind bei unserem aus Heilbronn stammenden Bekannten und seiner Familie untergebracht. Von den schrecklichen Ereignissen im Nahen Osten bekommen wir nichts Direktes mit.“

Auch habe er Verständnis, weil derzeit wohl viele Anfragen bei den Behörden eingehen. „Wenn wir uns aber wirklich in einem Katastrophengebiet befinden würden, wären wir aufgeschmissen. Wie sollten wir beispielsweise erfahren, wenn es für gestrandete Touristen Sonder-Rückflüge gäbe?“

Auch wenn er an seine wenig digitalaffine Mutter denkt, kritisiert Gooß die mangelhafte Betreuungssituation: „Wenn sie an unserer Stelle hierher nach Asien verreist wäre – sie wäre angesichts der mangelnden Unterstützung total verzweifelt und verloren. Und die Mails, die wir erhalten, könnte man sich aufgrund des allgemeinen Blabla auch sparen.“ Er fühle sich in seiner zwar nicht bedrohlichen, aber dennoch unbefriedigenden Situation zu wenig wahrgenommen.

Heilbronner sitzt in Malaysia fest und muss nun auf Lohn verzichten

Die voraussichtlich zehntägige Verlängerung des Asien-Urlaubs geht für Thomas Gooß und seine Mitreisenden vor allem ins Geld. Etwa die neuen Flüge reißen bei dem Quartett Löcher in die Reisekassen. Gooß arbeitet als Energieanlagenelektroniker bei den Südwestdeutschen Salzwerken. „Mein Arbeitgeber ist zum Glück sehr verständnisvoll.“ Sein längerer Aufenthalt bedeutet konkret: „Ich habe nun also unbezahlten Urlaub.“ 

Da die vier Reisenden privat untergebracht sind, fallen für die Übernachtungen keine zusätzlichen Kosten an. Gooß betont: „Allerdings wollten wir unserem Gastgeber und seiner Familie natürlich nicht so lange den Alltag auf den Kopf stellen.“ Wenn der Flug am Freitag erneut ausfallen und sich der Aufenthalt weiter verlängern sollte, werde es finanziell zunehmend problematisch.

Auch ein Dubai-Tourist aus Steinheim an der Murr im Landkreis Ludwigsburg musste seinen Urlaub aufgrund der Iran-Krise kürzlich verlängern, da Flüge ausgefallen sind. Der Steinheimer hat in seiner Urlaubs-Destination sogar Raketen fliegen sehen.  




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