Debatte um Bundeswehr-Regel für längere Reisen – was Heilbronner dazu sagen
Zuletzt gab es Trubel um eine Wehrdienstregel: Demnach müssten sich Männer bis 45 Jahre längere Auslandsreisen genehmigen lassen. Die Genehmigung gilt aktuell generell als erteilt. Was denken Heilbronner darüber?
Seit Januar gilt das neue Wehrdienstgesetz. Neben der verpflichtenden Musterung ab dem Jahrgang 2008 wurde eine weitere Regelung eingeführt, die bis jetzt kaum öffentlich diskutiert wurde. Konkret geht es dabei um eine Genehmigung für Auslandsaufenthalte, die Männer im Alter zwischen 17 und 45 Jahren bei Reisen von über drei Monaten bräuchten.
Allerdings: Verteidigungsminister Boris Pistorius hat inzwischen klargestellt, dass wehrfähige Männer derzeit keine Genehmigung für längere Auslandsreisen brauchen. „In der aktuellen Friedenszeit wird es keine Genehmigungsverfahren geben“, erklärt Pistorius. Noch in dieser Woche werde eine Ausnahme von der Genehmigungspflicht durch eine Verwaltungsvorschrift erlassen, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Die Heilbronner Stimme hat auf den Straßen von Heilbronn nachgefragt, wie die Meinungen zu der Genehmigungspflicht sind. Sollte es zum Verteidigungsfall kommen, würde die Regel greifen.
Nachvollziehbar, aber ineffektiv? Neues Wehrdienstgesetz wirft bei Heilbronnern Fragen auf
Giovanni Braun und Lars Heil finden das neue Wehrdienstgesetz nachvollziehbar. Die Heilbronner Studenten stehen den Maßnahmen trotzdem kritisch gegenüber.
Lars Heil meint, es brauche schon Leute, die Deutschland verteidigen könnten. Er zweifelt allerdings die Wirkung der Maßnahmen an. Selbst wenn Menschen, die im Ausland sind, für die Bundeswehr ausgerüstet werden sollten, denkt der 28-Jährige nicht, dass dafür genug Ausrüstung oder logistische Mittel zur Verfügung stünden. Der Student sagt: „Im Endeffekt ist es, glaub ich, eine ethische Entscheidung, die jeder für sich selbst fällen muss, ob er das machen will oder nicht.“
Student Giovanni Braun erklärt, unter gewissen Umständen sei es verständlich, wissen zu wollen, wer sich wo befinde. „Trotzdem sieht man da Stück für Stück ein weiteres Vorgehen bei der Einschränkung der Freiheit“, sagt der 26-jährige Student. Auch wenn es sich aktuell nur um eine hypothetische Meldepflicht handle, sei unklar, ob und wie die Regelung ausgeweitet werden könnte.
Von einem Auslandsaufenthalt würde die Regelung die Studenten jedoch nicht abhalten. Allerdings müsse man die Entwicklung weiter beobachten.
Leingartener befürwortet Wehrdienst – „Mir hat’s auf keinen Fall geschadet“
Joachim Wahl aus Leingarten hält die neuen Regelungen für angemessen. Er erklärt, dass er selbst auch für 15 Monate bei der Bundeswehr war. „Mir hat’s auf keinen Fall geschadet. Im Gegenteil: Ich habe viele gute Sachen mitnehmen können“, erklärt er im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Der Mann aus Leingarten befürwortet es, dass junge Menschen zur Bundeswehr gehen und sich für Deutschland engagieren.
Gemischte Gefühle und viel Unklarheit: Wie Heilbronner das neue Wehrdienstgesetz sehen
Student Nils berichtet, dass er die Regelung ein bisschen knapp bemessen findet. Drei Monate seien wenig. Er plane nach seinem Studium ins Ausland zu gehen. „Wenn ich mir dafür eine Genehmigung holen müsste, fände ich das schon ein bisschen blöd. Auch, weil ich einfach sage, dass es ja meine Entscheidung ist, ins Ausland zu gehen“, erklärt der 21-Jährige. Er räumt jedoch ein, dass er noch nicht genau wisse, wie die Regelungen umgesetzt werden.
Allerdings sagt der 21-Jährige, er fände es schade, wenn ein Auslandsaufenthalt verboten werden würde. Davon abhalten würde ihn die neue Regelung grundsätzlich nicht.
Studentin Lena wusste noch nichts von der neuen Regelung. Doch die 24-Jährige sagt, sie empfinde das neue Gesetz als komisch und verstehe es nicht. Vor allem junge Menschen äußern Unsicherheit über die Umsetzung der Meldepflicht und stehen – trotz Verständnisses für die Maßnahme – Kritik an der möglichen Umsetzung gegenüber. Auch zur Pflichtmusterung haben Schüler in Heilbronn unterschiedliche Meinungen.
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