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Heilbronner FDP-Politiker Link zu Trump: „Inhaltlich widersprechen, wenn er Unsinn redet“

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„Keiner weiß, was passieren wird“, sagt Michael Link über den neuen US-Präsidenten Trump, er sei unberechenbar. Was die Europäer trotzdem tun können, erklärt der frühere Transatlantik-Koordinator im Interview.


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Der Heilbronner FDP-Politiker Michael Link ist ein profunder Kenner des politischen Systems der USA und seiner Akteure. Bis zum Bruch der Ampel-Koalition war er Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung und als solcher viele Male in den USA unterwegs, um Kontakte zu knüpfen. „Das war zu erwarten“, sagt er über die Rede von Donald Trump bei der Amtseinführung zum Präsidenten.

 

Sie haben die Inauguration vor dem Fernseher verfolgt. Was war Ihr Eindruck?

Michael Link: Trump hat sich als Präsident gezeigt, der vor Kraft kaum laufen kann. Überraschend war das nicht. Aber er hat so viel versprochen, das wird er nicht alles halten können. Vor allem, weil die Mehrheiten für die Republikaner knapp sind und in zwei Jahren bereits Zwischenwahlen anstehen. Trump wird nicht einfach durchregieren können.

 

Was hat Sie persönlich am meisten überrascht?

Link: Für uns verstörend, und wohl auch für viele Amerikaner, ist, dass alle Täter des Aufstands vom 6. Januar 2021 von Trump begnadigt wurden. Das sind verurteilte Straftäter - und er hat sie auch noch zu Geiseln hochstilisiert, während gleichzeitig in Israel echte Geiseln der Hamas freigelassen werden. Die übrigen Aussagen, auch zum Panamakanal, sind nicht neu. 

„Das war zu erwarten“, sagt Michael Link (kleines Foto) über die Antrittsrede von Donald Trump.
„Das war zu erwarten“, sagt Michael Link (kleines Foto) über die Antrittsrede von Donald Trump.  Foto: dpa (großes Foto), HSt-Archiv (kleines Foto), Montage: Stimme.de

Aber hoch problematisch. Eine Annexion des Panamakanals wäre ein Verstoß gegen das Völkerrecht.

Link: Ja, deshalb muss man Trump auch inhaltlich widersprechen, wenn er Unsinn redet, unabhängig von der Tatsache, dass wir auch weiterhin eng mit den USA zusammenarbeiten müssen. Es ist eine Gratwanderung. Entscheidend ist, dass wir pragmatisch mit ihm arbeiten, statt ihn moralisch zu belehren. Das heißt auch: Selbstbewusster und europäisch geeinter Widerspruch ist wichtig, wenn er Aussagen tätigt wie zu Grönland oder den menschengemachten Klimawandel leugnet.

 

Zahlreiche Experten versuchen, Trumps Agieren zu deuten. Ist das überhaupt möglich?

Link: Trump ist unberechenbarer als sein Vorgänger Biden. Er übt harte Kritik an China, aber keiner weiß, was passieren wird, wenn er sich mit dem chinesischen Präsidenten Xi persönlich trifft. Das Einzige, was wir Europäer selbst beeinflussen können, ist unsere eigene Stärke. Die Neuwahlen in Deutschland sind eine Chance für eine echte Wirtschaftswende, eine Zeitenwende, die ihren Namen verdient hat und mehr Zusammenhalt innerhalb Europas. Nur wenn wir als Europäer gemeinsam entschlossen agieren, werden wir pragmatische Beziehungen mit Trump aufbauen können.




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