Kunden können die Tiffinboxen mittags zwischen 11.30 und 15 Uhr abholen, abends gilt die reguläre Speisekarte. Mit einem Kari, aus dem tamilischen Wort ist der Begriff Curry entstanden, liegt der Preis bei 12,90 Euro, mit zweien bei 14,90 Euro. Die Bestellung erfolgt online. Dort lassen sich auch Tische reservieren, um vor Ort zu speisen.
Sontheimer Restaurant Thamarai bietet Mittagessen in Tiffinboxen
In Tiffinboxen erhalten indische Arbeiter ihr Mittagessen – und nun auch hungrige Heilbronner. Wie das Team des tamilischen Restaurants Thamarai in Sontheim darauf gekommen ist.
Wer die Horkheimer Straße in Heilbronn-Sontheim entlangfährt, erkennt die großen Hinweisschilder, die auf die Lokale Fischer- oder Sängerheim aufmerksam machen. Dass sich an der Ortsdurchfahrt, direkt gegenüber der Schilder, ein weiteres Restaurant befindet, fällt nicht direkt auf. Dabei existiert das Thamarai im Heilbronner Stadtteil seit 2019 – und bietet nun beim Mittagstisch eine ziemlich einzigartige Neuheit: Tiffinboxen.
Restaurant Thamarai bietet Mittagstisch in Tiffinboxen in Heilbronn
Die Edelstahlbehälter kommen auf drei Ebenen daher und sind vor allem in Indien bekannt, wo Arbeiter darin ihr Mittagessen erhalten. „Wir kennen die Boxen aus dem Urlaub sowie aus Filmen und dachten uns: Warum bieten wir sie nicht selbst an?“, sagt Rathika Soosaithasan. Die 34-Jährige, die Wirtschaftswissenschaften studiert hat, führt das Thamarai zusammen mit ihrer Mutter Gowari.

Für den technischen Bereich ist Bruder Prasath, eigentlich Softwareentwickler, zuständig. Auf der Thamarai-Webseite können Kunden ihr Mittagsmenü zusammenstellen. In die unterste Ebene kommen Reis oder Reisnudeln als Basis, in die Ebenen darüber Fleisch- oder vegetarische Gerichte.
So entstehen wechselnde Kombinationsmöglichkeiten. „Es ist schon eine ordentliche Portion für einen großen Kerl“, sagt der 38-Jährige. „Vielleicht bleibt manchmal ein kleiner Snack für den Abend übrig.“ Der Clou an den Tiffinboxen: sie sind wiederverwendbar und die ausgewählten Zutaten vermischen nicht beim Transport.
Indische und tamilische Speisen in Tiffinboxen in Heilbronn-Sontheim
Einen Mittagstisch gibt es im Thamarai seit rund einem halben Jahr. Die Tiffinboxen sind ganz neu. 100 Stück hat die Familie bei einem Händler aus Chennai bestellt. Spülmaschinenfest, auslaufsicher und aus Edelstahl, um den Geschmack nicht zu verfälschen – das waren Anforderungen.
„Es ist nicht einfach, so eine Bestellung durchzuführen“, sagt Prasath Soosaithasan. In Chennai werde aber dieselbe Sprache wie im Norden Sri Lankas gesprochen, wo die Wurzeln der Familie liegen. Fünf Euro Pfand fallen für die Behälter an. „Ob das Zurückbringen funktioniert, müssen wir erst noch sehen.“ Weitere Tiffinboxen lassen sich bei Bedarf aber nachordern.
Bevor das Lokal 2019 eröffnete, wurden die Speisen an einem Streetfood-Stand und tageweise in verschiedenen Gaststätten getestet. Welche Gerichte kommen an? Das galt es vorab herauszufinden. „Wichtig ist uns: Die Karte bleibt klein“, erklärt Rathika Soosaithasan – um so eine hohe Qualität bieten zu können. Auch besonders scharfe Speisen gehören dazu. „Manche erwarten von uns genau das, die scharfe, original tamilische Küche“, ergänzt ihr Bruder.
Mutter und Tochter kochen im tamilischen Lokal Thamarai in Heilbronn
Zu den Stammkunden am Mittag gehören etwa Schwabenhof-Beschäftigte und Angestellte, die ihre Arbeit in der Nähe im Homeoffice absolvieren – aber auch ältere Anwohner, die wegen des rarer werdende Mittagstischangebots im Heilbronner Stadtteil Sontheim kommen. „Auch ihnen schmeckt’s“, freut sich Rathika Soosaithasan.
Sie kümmert sich um den Service, ist aber auch mal in der Küche anzutreffen. Wer besser kocht, daran besteht offenbar kein Zweifel. „Ganz klar Mama. Da lege ich mich nicht mit ihr an“, sagt die 34-Jährige lachend. Inklusive der beiden umfasst das Team fünf Personen.
Nach den Einschränkungen durch die Corona-Krise und dem schrittweisen Umbau der früheren Malerwerkstatt – erst innen, kürzlich im Außenbereich – sieht die Familie nun eine neue Phase angebrochen. „Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem es noch mehr Spaß macht und wir beim Konzept ein wenig experimentieren können“, sagt die Gastronomin. Und bald soll auch das Thema mit der Außenwerbung erledigt sein: „Die Anträge sind gestellt.“
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