Burger, Pommes und Co: So viel geben Heilbronner für Fast Food aus
Fast Food scheint während der EM 2024 besonders beliebt zu sein. Die Gewerkschaft NGG hat berechnet, wie viel die Heilbronner konsumieren. Doch die Zahl verrät nicht alles.

Bier, Burger, (Fuß-)Ball: Die EM 2024 geht mit den Viertelfinal-Partien in die heiße Phase, die DFB-Elf spielt in Stuttgart gegen Spanien, und offenbar haben die Menschen neben dem sportlichen Geschehen großen Appetit.
"Der Fußballhunger ist enorm – auf Tore genauso wie auf Burger, Pommes oder Pizza in der Halbzeit“, sagt Frank Meckes, der Heilbronner Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten), in einer Mitteilung. Demnach geht der Fast-Food-Hunger während der EM 2024 deutlich nach oben. Ohnehin hätten die Menschen in Heilbronn im Jahr 2023 48,1 Millionen Euro für Essen in der Systemgastronomie ausgegeben. Doch was steckt hinter dieser großen Zahl?
Heilbronner konsumieren 2023 Fast Food für 48,1 Millionen Euro
Auf Anfrage der Heilbronner Stimme erklärt der Heilbronner NGG-Gewerkschaftssekretär Kerem Billor, dass als Grundlage für die Berechnung der Gesamtumsatz dient, den der Bundesverband der Systemgastronomie (BDS) ermittelt hat. Der Gesamtumsatz lag 2023 bei 31 Milliarden Euro. Geteilt durch die Bevölkerungszahl in Deutschland ergeben sich Pro-Kopf-Ausgaben von 375 Euro.
Die Bundesbürger geben also, im Durchschnitt, 375 Euro pro Jahr für Pommes, Burger und Co. aus. Diesen Wert hat die NGG nun mit der Einwohnerzahl Heilbronns in Bezug gesetzt und so die 48,1 Millionen Euro erhalten. Im Landkreis Heilbronn liegt der Betrag, aufgrund der größeren Einwohnerzahl, bei 130,8 Millionen Euro.
Entwicklung der Umsätze in der Systemgastronomie
Durchschnittswerte bringen mit sich, dass sie auf den einen mehr, auf den anderen weniger zutreffen. In diesem Fall kommt hinzu, dass sich der Gesamtumsatz als Grundlage der Berechnung auf die tarifgebundenen Unternehmen bezieht, die Mitglied im BDS sind. Das sind zum Beispiel L'Osteria, Nordsee, McDonald's oder Burger King. Nicht enthalten ist also die Dönerbude um die Ecke.
In den vergangenen Jahren hat sich der Gesamtumsatz der Branche, abgesehen von Corona-Rückgängen, nach oben entwickelt:
- Gesamtumsatz 2019: 25 Milliarden Euro
- Gesamtumsatz 2020: 19,5 Milliarden Euro
- Gesamtumsatz 2021: 21 Milliarden Euro
- Gesamtumsatz 2022: 28 Milliarden Euro
- Gesamtumsatz 2023: 31 Milliarden Euro
Systemgastronomie: Gewerkschaft weist auf Belastung für Beschäftigte hin
Kerem Billor betont: "Die Beschäftigten in der Systemgastronomie leisten sehr harte Arbeit." Er führt hohe Taktzahlen, Hitze, Rotation und körperliche Belastung als Gründe an. Durch die EM 2024 sei die Arbeitsbelastung "sehr deutlich gestiegen, an den Spielorten noch mehr".
In ihrer Mitteilung weist die NGG auf den Stundenlohn einer Servicekraft hin. Der liegt in den unteren Stufen bei 12,61 Euro, also nur 20 Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn. Laut BDS-Gehaltstabelle ergibt sich ein monatliches Entgelt von 2131 Euro.
Die Branche habe enormen Nachholbedarf bei den Löhnen, fordert die NGG. "Ein Big-Mac-Menü kostet knapp zwölf Euro. Wer also fürs Pizzabacken, Burgerbraten oder Geschirrabräumen in der Systemgastronomie an der untersten Lohnkante verdient, müsste fast eine Arbeitsstunde investieren, um selbst überhaupt satt zu werden", sagt Frank Meckes.
Tarifverhandlungen: Gewerkschaft NGG will sich für höhere Löhne einsetzen
Die NGG will sich bei den Tarifverhandlungen, die kurz nach der EM 2024 beginnen, für höhere Löhne einsetzen. "Konkret geht es um einen Einstiegslohn von 15 Euro pro Stunde. Und wer schon Erfahrungen im Job hat, soll im Monat mit 500 Euro zusätzlich nach Hause gehen. Um diese Fixsumme müssen die Löhne angehoben werden, um in der Systemgastronomie aus der Niedriglohnfalle herauszukommen", sagt der Geschäftsführer der NGG Heilbronn.
Von der BDS war am Freitag kurzfristig keine Stellungnahme zu erhalten. In einem Podcast vom März 2024 sagte Hauptgeschäftsführer Markus Suchert: "Es ist wichtig, dass die Arbeitsbedingungen fair und das Lohnniveau auskömmlich ist." Gleichzeitig gelte es im Blick zu behalten, "dass die Unternehmen in der Branche mit Belastungen zu kämpfen haben". Als Beispiele führt er steigende Lebensmittelpreise oder die Rückkehr zur 19-prozentigen Besteuerung von Speisen in der Gastronomie an, die schon seit längerem für Unmut bei Gastronomen sorgt.
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