Streit ums Heilbronner Streetfood-Festival – Veranstalter will umziehen
Ein privater Veranstalter will das Streetfood-Festival in Heilbronn künftig an den Bollwerksturm verlegen. Die HMG lehnt das ab. Die Stadt verweist auf ihre Regeln für kommerzielle Veranstaltungen.
„Zurück aus Kopenhagen - mit vielen frischen Ideen für Heilbronn“, schreibt Steffen Schoch dieser Tage in seinen sozialen Netzwerken. Als eine dieser Ideen, die er von seiner Dienstreise mitgebracht habe, nennt der Geschäftsführer der Heilbronn-Marketing GmbH (HMG) „Markthallen und Streetfood als lebendige Orte der Begegnung“.
Doch gerade am Streetfood-Festival entzündet sich Streit in der Stadt. Denn Hamann & Friends will mit seinem Heilbronner Street-Food-Festival, das die Agentur seit zehn Jahren organisiert, näher an die Innenstadt rücken. Derzeit findet die erfolgreiche Veranstaltung immer Anfang Mai im Wertwiesenpark statt. „Meine Kunden haben mir schon immer gesagt, je näher wir in die Innenstadt rücken desto besser“, erklärt Agenturchef Stefan Hamann seine Beweggründe.
Streit um Heilbronner Streetfood-Festival: Veranstaltung rund um den Bollwerksturm?
Damit würde das Festival auch zu seinen Wurzeln zurückkehren, denn schon 2015 fand das Freiluftereignis für Genießer rund um Neckarbühne, Freizeitbad Soleo und Eisstadion statt. „Das war damals super“, erinnert sich Hamann gerne zurück. Dieser Platz wäre heute für die inzwischen gewachsene Veranstaltung aber zu klein.
Deshalb will er das Fest rund um den Heilbronner Bollwerksturm ausrichten, den Platz hat die Stadt beim Umbau 2015 auch von der Infrastruktur her so gestaltet, dass er für Veranstaltungen bestens geeignet ist.
Heilbronner Streetfood-Festival sorgt für Debatte: Komplizierte städtische Regeln
Einer Anfrage, das Streetfood-Festival am neuen Standort auszurichten, erteilte das Heilbronner Amt für Straßenwesen jedoch eine Absage mit der Begründung, kommerzielle Veranstaltungen würden im Innenstadtbereich von der Stadt generell nicht genehmigt. Die HMG habe aber eine Ausnahmeregelung für solche Veranstaltungen zur Belebung der Innenstadt, was in Fällen wie unter anderem dem Hafenmarkt oder dem Stoffmarkt auch angewandt wird. Daher riet das Amt der Agentur, sich mit der HMG wegen einer Zusammenarbeit in Verbindung zu setzen. Und da liegt der Hase im Pfeffer.
Denn das Tischtuch zwischen Agentur und HMG ist nach Stimme-Informationen spätestens seit dem Jahr 2022 zerschnitten, nachdem Hamann den gemeinsamen Vertrag zur Organisation des Stimme-Firmenlaufes hat auslaufen lassen und die Veranstaltung seither alleine organisiert.
Heilbronner Streetfood-Streit: Unklarheit wegen einer Anfrage
Unklarheit gibt es auch wegen einer vermeintlichen Anfrage. Stefan Hamann habe nach eigenen Angaben bei HMG-Eventmanager Michael Müller wegen einer möglichen Zusammenarbeit zum Streetfood-Festival angefragt und daraufhin eine Absage erhalten. „Bei mir persönlich ist keine Anfrage angekommen“, teilt Steffen Schoch dagegen mit.
Stattdessen wandte sich Hamann an einige Stadträte, die mit einer Anfrage an die Stadt den Stein zusätzlich ins Rollen brachten. Man wolle durch die geltenden Regeln einen Wildwuchs vermeiden, erläutert die Stadt in ihrem Antwortschreiben die Gründe. Bei den Räten stieß dies aber auf Unverständnis.
Streit um Heilbronner Streetfood-Festival: Unverständnis bei Stadträten
„Grundsätzlich begrüßen wir Veranstaltungen, die die Innenstadt beleben“, macht Holger Kimmerle als einer der Stadträte klar. „Die liegen in unserem Interesse und die HMG hat auch den Auftrag, solche Veranstaltungen anzubieten“, so der Grünen-Fraktionsvorsitzende weiter. „Wir müssen deshalb einen Weg finden, um solche Veranstaltungen zu ermöglichen“, sagt Kimmerle.
Sein Kollege Herbert Burkhardt geht noch einen Schritt weiter. „Die HMG sollte sich raushalten, wenn es gute Ideen von privaten Unternehmen gibt, die so eine Veranstaltung organisieren können“, bezieht der Stadtrat der Freien Wähler klar Stellung. Burkhardt, der auch im Aufsichtsrat der HMG sitzt, verweist zudem darauf, dass die Veranstaltungen der HMG steuerfinanziert seien, die von Privaten dagegen nicht.
Streetfood-Festival sorgt für Debatte: Widersprüchliche Aussagen
Die Antworten von Steffen Schoch gehen dagegen in eine andere Richtung. „Die HMG unterstützt grundsätzlich alle qualitätsvollen Events in der Stadt und auch am Bollwerksturm, die eine junge Zielgruppe ansprechen“, schreibt Steffen Schoch auf Anfrage. Weiter heißt es in der Antwort: „Die HMG plant derzeit nicht, gemeinsam mit Hamann & Friends ein gemeinsames Streetfoodevent durchzuführen.“
Dabei lohnt sich ein weiterer Blick auf Kopenhagen. Die Hauptstadt Dänemarks gilt nämlich geradezu als Paradies für Streetfood-Fans. Markthallen und Schlemmer-Angebote gibt es in der Metropole auf mehreren Plätzen. Einige dieser Plätze liegen auch nah am Zentrum der Stadt mit ihren 650 000 Einwohnern.
Hintergrund: Das Streetfood-Festival findet in diesem Jahr von 1. bis 4. Mai im Wertwiesenpark statt. Der Veranstalter verspricht 28 Food-Trucks und Anbieter die über 130 verschiedenen Gerichte aus aller Welt präsentieren. Neben dem gastronomischen Angebot sorgen ein Rahmenprogramm und das Kinderangebot für Unterhaltung. Das Festival startet am Donnerstag, Samstag und Sonntag um 12 Uhr und dauert bis 22 Uhr (sonntags bis 21 Uhr). Am Freitag ist das Gelände von 17 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene beträgt für alle vier Tage 4 Euro.
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