„Woher weiß er, wo ich bin?“: Stalker verfolgte junge Frau bis zum Elternhaus
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Eine Frau aus dem Raum Stuttgart wird gestalkt. Immer wieder trifft sie an unterschiedlichen Orten auf einen ihr unbekannten Mann. Der Heilbronner Rechtsanwalt Malte Höch begleitet den Fall juristisch und gibt klare Handlungsempfehlungen.
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„Abends gehe ich auf gar keinen Fall alleine raus“, sagt eine 24-Jährige. Sie hat das Handy gewechselt. Auf der Straße blickt sie sich jetzt immer um. Im Auto guckt sie, wer hinter ihr fährt. „Von anderen höre ich, ich sei ruhiger geworden.“ Die Frau aus dem Großraum Stuttgart ist gestalkt worden. Sie möchte anonym bleiben.
Der Heilbronner Rechtsanwalt Malte Höch vertritt sie. Sein Appell: Nicht lange zögern, Tatverdächtige anzeigen.
Stalker verfolgt 24-Jährige aus Raum Stuttgart: Unbekannter Mann weiß von ihr und ihren Schwestern
Es ist März 2023. Die Studentin jobbt in einem Einkaufszentrum in Sindelfingen. Die Mittagspause verbringt sie in ihrem Auto auf einem Parkdeck. Die Seitenscheibe lässt sie ein Stück herunter. Ein unbekannter Mann steht in der Nähe und telefoniert. Er kommt zu ihrem Wagen und spricht sie an. Wo die Toiletten seien, habe er gefragt. Dann habe er Small Talk halten wollen.
Es stellt sich heraus, dass er von ihren beiden Schwestern weiß, sogar deren Alter kennt. „Ich wurde nervös“, erinnert sich die Frau mit den langen blonden Haaren. „Ich war überfordert.“ Sie wimmelt den Unbekannten ab. Ein mulmiges Gefühl bleibt.
Stalking-Opfer spricht über Vorfall: Zwillingsbrüder lauern ihr abwechselnd auf
Es ist der Auftakt einer ganzen Reihe unheimlicher Begegnungen mit dem Mann – in ihrem Wohnort vorm Haus der Eltern, an der Uni, in Leonberg, in Pforzheim auf einer Studenten-Party in einer Kneipe, in einem Thermal-Bad, in einer Post-Filiale, bei McDonald’s, in der Bahn. Diese Begegnungen an völlig verschiedenen und weit entfernten Orten seien alles andere als Zufall gewesen, sagt Rechtsanwalt Höch.
Beim zweiten Zusammentreffen ist die 24-Jährige zunächst unsicher: Ist er es? Sie habe angefangen zu überlegen: „Woher weiß er, wo ich bin?“ Später stellt sich heraus, dass es sich beim Stalker um Zwillingsbrüder handelt. Immer abwechselnd lauert einer von ihnen der Frau auf. Zum Tatzeitpunkt sind die beiden 37 Jahre alt.
Stalking-Fall aus dem Raum Stuttgart: einer der Beschuldigten ist laut Heilbronner Rechtsanwalt Wiederholungstäter
Das Böblinger Amtsgericht verurteilt den einen zu einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 15 Euro, den anderen zu einem halben Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Er ist wegen Nachstellens schon ein Mal verurteilt worden. „Ein Wiederholungstäter“, sagt Rechtsanwalt Höch. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig. Die Beschuldigten hätten Berufung eingelegt.
Nachstellungen: Anzeigen bei der Polizei
Die Polizei erfasste vergangenes Jahr in der Stadt Heilbronn 40 Fälle von Nachstellungen, 2019 waren es 27. Im selben Zeitraum stieg die Zahl im Kreis Heilbronn von 31 auf 66. Im Hohenlohekreis erreichten die Fälle 2023 mit 16 den Höchststand und gingen auf sechs (2024) zurück. Polizei und Amtsgericht können unter anderem ein Annäherungs- und Kontaktverbot aussprechen. Der Stalker darf sich dem Opfer beispielsweise nur bis auf 100 Meter nähern. Bei Missachtung droht eine Strafverfolgung.
Heilbronner Rechtsanwalt Malte Höch rät Stalking-Opfern, in die Offensive zu gehen
Malte Höch rät Betroffenen, nicht lange zu fackeln. Sie sollten Stalker ansprechen. Klar - das sollte man nur in Begleitung beispielsweise von einer Freundin machen und immer an einem öffentlichen Ort. „Ich bin dafür, den Täter zu stellen, ihn aus der Anonymität zu holen“, sagt Höch. Von ähnlichen Fällen wisse er, dass ein aggressives und selbstbewusstes Auftreten von Betroffenen viele Stalker abschrecke. Das sei für Opfer nicht leicht, zumal sie nicht wissen, wann eine Situation eskaliert.
Stalker haben meistens Berührungspunkte zum sozialen Umfeld des Opfers
Die 24-Jährige beschreibt sich selbst als schüchtern. Im Gespräch berichtet sie sachlich von den Vorkommnissen. Ein forsches Auftreten liegt ihr offensichtlich nicht, schon gar nicht in diesen beängstigenden Begegnungen. „Ich hatte immer das Gefühl, ich muss vorsichtig sein.“ Sie lässt sogar ihr Auto auf mögliche Peilsender untersuchen.
Unklar ist, wie die Stalker ausgerechnet auf die Studentin aufmerksam geworden sind. Höch zufolge könnte es sein, dass einer der Beschuldigten sie bei deren Hausarzt gesehen hat oder an der Hochschule, wo er schon mal wegen Stalkings auffällig gewesen sein soll. Täter, sagt Höch, kommen immer aus dem sozialen Umfeld. An irgendeiner Stelle gebe es Berührungspunkte.
24-Jährige aus Raum Stuttgart zeigt Stalker an: Polizei hält Gefährderansprache
Der Stalker starrt sie an. Im Schwimmbad und auf der Kneipen-Party kommt er ihr körperlich nahe. Es dauert einige Zeit, bis die 24-Jährige zur Polizei geht und Anzeige erstattet. Mit dem Handy macht sie heimlich Videos und Bilder. Auf einem ist das Autokennzeichen des Stalkers zu sehen. Das hilft den Ermittlern, die Identität der Zwillingsbrüder festzustellen.
Die Anzeige und alles, was danach folgt, sind kein Spaziergang für die 24-Jährige. Die Beschuldigten erhalten eine Gefährderansprache durch die Polizei. Die Frau stellt einen Gewaltschutzantrag beim Amtsgericht. Es kommt zum Prozess. Rückblickend empfindet die 24-Jährige die Zeit als Kampf. Behörden hätten auf solche Fälle „keinen Bock“, sagt Malte Höch. Die Beweiserhebung ist schwierig. Wichtig sei, dass Betroffene Datum, Uhrzeit und Ort von Stalking-Begegnungen dokumentieren – und aktiv gegen Täter vorgehen. „Totschweigen ist falsch.“
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