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Wie Heilbronner Eltern ihre eigenen Kinder gefährden

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Elterntaxis, die in zweiter Reihe, auf dem Zebrastreifen oder in der Feuerwehreinfahrt parken, sind eine Gefahr für Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen. Die Grünewaldschule in Heilbronn hat eine vierwöchige Aktion "Zu Fuß zur Schule" gestartet.

Von Stefanie Pfäffle
Die Polizisten vom Referat Prävention sprechen vor der Grünewaldschule Eltern an, die dort halten, wo es für andere gefährlich werden kann.
Foto: Stefanie Pfäffle
Die Polizisten vom Referat Prävention sprechen vor der Grünewaldschule Eltern an, die dort halten, wo es für andere gefährlich werden kann. Foto: Stefanie Pfäffle  Foto: Pfäffle, Stefanie

Ein Kind sitzt mit Schulranzen auf dem Rücken auf dem Vordersitz, das andere nicht angeschnallt hinten, und trotzdem stoppt die Mutter ihr Fahrzeug direkt vor der Grünewaldschule am Straßenrand - genau dort, wo am Montagmorgen (17.04.) zwei Polizisten vom Referat Prävention stehen. Die weisen erstmal bestimmt auf die vielen Verstöße hin, bevor sie auf den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit hinweisen - Elterntaxis, die andere Kinder gefährden. Die Böckinger Grundschule startete am Montag (17. April 2023) ihre vierwöchige Aktion "Zu Fuß zur Schule".



Hinweis auf prekäre Parksituation

Zu jedem Schuljahresbeginn werden alle Eltern über die prekäre Parksituation an der Schule vom Elternbeirat informiert. "Trotzdem ist es jeden Morgen eine Katastrophe", beschreibt die Vorsitzende Linda Mugele. Es seien einfach zu viele Eltern, die ihr Kind mit dem Auto zum Unterricht bringen. Die parken dann gern in zweiter Reihe oder quasi auf dem Zebrastreifen oder in der Feuerwehreinfahrt - und das bedeutet Gefahr für alle Schulkinder, die zu Fuß kommen.

Wunsch: die Kinder sollen laufen

Mit der Aktion wollen Elternbeirat und Schule gemeinsam dazu animieren, dass die Kinder laufen - bei allem Verständnis für berufstätige Mamas und Papas. "Wir würden uns wünschen, dass sie oben beim Friedhof parken und dann runterlaufen", macht Schulleiterin Eva Happold einen Vorschlag. Man habe auch schon probiert, in der Elternschaft und im Quartierszentrum Freiwillige zu finden, die von dort einen Laufbus anbieten, aber ohne Erfolg.

Direkt vor dem Gebäude

Roberto Monaci vom Referat Prävention der Heilbronner Polizei kennt das Problem von jeder Schule. "Sie mal zu fahren, ist ja kein Thema. Das Problem liegt mehr darin, dass sie direkt vor dem Gebäude anhalten." Dabei sei es für Kinder viel besser, zu Fuß zu gehen. Zum einen weckt die frische Luft müde Knochen und Gehirne und zum anderen lernen sie auch, den Verkehr besser einzuschätzen. "Das zu üben, ist sehr wichtig in dem Alter."

Am Sonntag wurde nochmals ordentlich Werbung gemacht für die Aktion, bei der die Kinder auf ihrem Laufpass Unterschriften sammeln können - getätigt von den Eltern, um die Lehrer zu entlasten. Die Klasse, die bis zum 17. Juni die meisten "Stempel" zusammen hat, bekommt einen Preis. Wobei natürlich alle Kinder belohnt werden.

"Bei den Grünis läuft's"

Schon vor den Ferien haben die Klassen Banner mit ihren Füßen bemalt, die nun den Zaun rund um das Schulgelände schmücken. "Bei den Grünis läuft's" ist da auch zu lesen. Emely und Maurice suchen ganz gespannt nach ihren Fußabdrücken, als sie mit Mama Anja Miltenberger zum Unterricht gehen. "Laufen ist besser, da macht man auch Sport", finden die Siebenjährigen. Ihre Mutter sieht das ähnlich. "Zum einen sind sie dann fitter und sie müssen es ja auch lernen."

Stopp am Zebrastreifen

Je näher der Gong um 8 Uhr rückt, desto mehr Trubel ist rund um die Grünewaldschule. Ein Vater hält direkt am Zebrastreifen an, um sein Kind rauszulassen. Die Polizistin ist erwartungsgemäß nicht begeistert. Dann kommt ein großer Pulk den Berg hinunter. "Genau das wollten wir erreichen", freut sich der zweite Elternbeiratsvorsitzende Günter Kartalligil. Eine Mutter ist dabei. "Wenn das immer so wäre, herrlich!"

Robert Monacis Fazit: "An sich ist die Verkehrssituation hier besser als an vielen anderen Schulen, aber durch individuelles Fehlverhalten entstehen trotzdem gefährliche Situationen." Trotz Appell seien immer noch viele Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht worden. "Es sind nicht die Kinder, es sind die Eltern", weiß Linda Mugele.

Verlängerung der Aktion

Das Polizeirevier Böckingen wird die Aktion die nächsten vier Wochen begleiten und immer mal wieder bei Schulbeginn und -ende an der Grünewaldschule nach dem Rechten sehen, erklärt Roberto Monaci. Die Stadt Heilbronn startet jedes Schuljahr die Aktion "Lauf zur Schule", bei der die Schüler auch Kilometer sammeln können und ausgezeichnet werden. "Wir dachten, wir erweitern das auf Ostern bis Pfingsten, damit die Eltern richtig reinkommen, dann ist es vielleicht nachhaltiger", erläutert Eva Happold.

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