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Steht die Traditions-Gaststätte Krone in Heilbronn-Biberach vor dem Aus?

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Der Besitzer kündigt der beliebten Wirtin in Biberach nach 14 Jahren. Die Bürger bangen nun, ob es dort weitergeht. Das ist das Rätsel: Der Hausherr gibt trotz mehrfacher Nachfragen keine Auskunft.

von Carsten Friese
Birgit Stock serviert Essen in ihrer gut besuchten Kronen-Gaststätte. Ende April wird sie nach der Kündigung das Licht ausmachen. Fotos: Andreas Veigel
Birgit Stock serviert Essen in ihrer gut besuchten Kronen-Gaststätte. Ende April wird sie nach der Kündigung das Licht ausmachen. Fotos: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Die Nachricht hat viele Biberacher geschockt: Die Wirtin der "Kronen"-Gaststätte im Ortskern, Traditionslokal seit über 125 Jahren und gute Stube der Biberacher, hat vom Verpächter die Kündigung erhalten. Ende April wird Birgit Stock die Krone nach 14 Jahren schließen. Wie es dann weitergeht in dem Lokal, das viele Vereine, Bürger und Auswärtige wegen der historischen Atmosphäre und gut bürgerlichen Küche schätzen, ist bisher völlig unklar. Niemand weiß etwas. Der Eigentümer der Immobilie antwortete nicht auf Anfragen.

Ein Aus für die Krone? "Mir würde das Herz bluten", sagt Ortskartellchefin Verena Schmidt. Die Gastwirtin habe sich in die Herzen der Biberacher gearbeitet, sei "eine feste Institution. Sie wird fehlen." Legendär nennt sie das Brätbrotessen einen Tag vor Heiligabend. Schmidt hat selbst keine Informationen von Verpächter Harald Halter, welche Zukunft die Krone hat. Das Gasthaus sei Treffpunkt für Jung und Alt. "Wir hoffen, dass es weitergeht."

Bezirksbeiratssprecher: Ein endgültiges Ende im Lokal wäre "ein Riesen-Verlust"

Auch Bezirksbeiratssprecher Lars Dietrich hat nichts über die Kronen-Zukunft gehört. Gewundert hat ihn, dass der Eigentümer den Gäste-Parkplatz gegenüber der Krone mit einem Bauzaun abgesperrt habe. Gearbeitet werde dort aber nicht. "Das hat für Unmut im Ort gesagt", sagt Dietrich. Ein Aus für die Krone wäre "ein Riesen-Verlust", findet er. Nach Schließung der Traube vor einigen Jahren habe man aktuell noch die Pizzeria La Rosa und die Stadiongaststätte des TSV.


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Bei der Wirtin flossen Tränen

Was ist da los? Gastwirtin Birgit Stock sagt, es seien bei ihr einige Tränen geflossen. "Ich mag die Biberacher. Es sind auch Freundschaften entstanden." Geknirscht hat es offenbar schon länger zwischen Gastronomin und Verpächter. Sie habe einen neuen Gasherd für die Küche beantragt, weil an dem alten nur noch drei von sechs Flammen funktionierten.

Als Antwort sei die Kündigung gekommen. Der Verpächter sei ihr in der schwierigen Pandemiezeit nicht entgegengekommen. Die Miete, versichert Stock (52), habe sie bis zur Kündigung immer bezahlt. Dann habe ihr Anwalt auf einige Mängel reagiert.

Sinnbild für eine 128 Jahre lange Kneipentradition: die Krone am Eingang.
Sinnbild für eine 128 Jahre lange Kneipentradition: die Krone am Eingang.  Foto: Veigel, Andreas

Die Kontaktaufnahme zum Verpächter sei auch nur über einen Anrufbeantworter möglich, nie direkt. "Es ist zu viel passiert", sagt die Wirtin. Jetzt hat sie einen neuen Job in Heilbronn in Aussicht. Die Biberacher hätten sie zuletzt aber gut unterstützt und "halten zu einem". Die Gäste "werden mir fehlen". Zum Abschluss möchte sie auf jeden Fall noch einen beliebten Abend mit griechischem Essen veranstalten.

Nachfragen laufen ins Leere

Harald Halter (66) für eine Auskunft zu erreichen, den langjährigen Geschäftsführer der Biberacher Kronenbrauerei, ist tatsächlich sehr schwierig. Er lebt im Landkreis Heilbronn. Vier Anrufe an zwei Tagen auf der offiziellen Nummer, wo der AB um eine Nachricht nach dem Ton bittet, laufen ins Leere. Auch der Versuch, über ein Familienmitglied die Privatnummer zu erhalten, scheitert. "Ich darf die Nummer nicht 'rausgeben'", sagt der Mann. Er bietet an, Halter anzurufen und die Nummer des Journalisten mit der Bitte um Rückruf weiterzugeben. Ein Rückruf erfolgte nicht.

So müssen die Biberacher weiter bangen, was aus dem beliebten Traditionslokal wird. Unter Denkmalschutz stehe das Gebäude nicht, teilt die Untere Denkmalbehörde auf Anfrage mit. Das heißt: Eine andere Nutzung als ein Lokal ist möglich.

Die Gemütlichkeit und das Urige ein Trumpf

Für Siegfried Dodenhöft, den langjährigen früheren Bezirksbeiratschef in Biberach, wäre ein Verlust der Krone "fatal". Er fragt sich, ob vielleicht Erbregelungen in der Familie eine Rolle bei der Entwicklung spielen könnten. Die Gemütlichkeit in der Krone, das Urige des historischen Lokals mit der gut bürgerlichen Küche, hat er immer geschätzt. "Ich kann nur hoffen, dass es weiter geführt wird." Der Verlust der Brauerei im Jahr 2016 sei schon ein gewaltiger Einschnitt gewesen.

Damals hatte die Familie Halter die Markenrechte für ihr Kronen-Bräu an Haller Löwenbräu verkauft und den Braubetrieb eingestellt. Aus gesundheitlichen Gründen könne er den Familienbetrieb nicht weiter führen, hatte Harald Halter den Schritt begründet.

Anfänge im Jahr 1894

Die Brauereigaststätte gab es schon im 19. Jahrhundert. 1894 hat die Familie Halter die Kronenbrauerei in Biberach gegründet, direkt am Standort des Gasthauses Krone. Kronen-Bräu war über Jahre die letzte Brauerei in der Stadt Heilbronn. Im Sommer 2016 übernahm Haller Löwenbräu die Marke und braut das Bier (Pils, Export, Weizen) nach Biberacher Familienrezept in Schwäbisch Hall weiter. Laut Handelsregister ist die Kronenbrauerei Halter GmbH seit 19.1.2022 aufgelöst und damit endgültig Geschichte.

 
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