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Stadtplanung der Zukunft in der Heilbronner Bolzstraße

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Die Stadtsiedlung versucht, in einem Viertel im Heilbronner Süden künftig mehr Bewohner unterzubringen und weniger Ressourcen zu verbrauchen. Es ist Teil eines bundesweiten Forschungsprojekts.

von Bärbel Kistner
Die Gebäude an der Sontheimer Landwehr gehören zum Modellquartier BoHei. Die Bauten sind energetisch nicht mehr zeitgemäß und sollen weichen.
Foto: Mario Berger
Die Gebäude an der Sontheimer Landwehr gehören zum Modellquartier BoHei. Die Bauten sind energetisch nicht mehr zeitgemäß und sollen weichen. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Das Viertel im Süden von Heilbronn rund um die Bolzstraße ist ein typisches Stadtquartier, das in die Jahre gekommen ist. Die Gebäude, die der Stadtsiedlung gehören, stammen teils aus den 30er Jahren. In den 50er Jahren kamen an der Sontheimer Landwehr noch große Mehrfamilienhäuser dazu. Die Bausubstanz ist unzulänglich, eine energetische Sanierung unwirtschaftlich.

Auf längere Sicht sollen die Gebäude durch Neubauten ersetzt werden. Das neue Meseno-Gebäude ist der erste Baustein für eine Neuordnung und Nachverdichtung.

Erkenntnisse gewinnen

Doch bevor die Abrissbirne anrollt, läuft im Quartier unter dem Namen BoHei, Bolzstraße Heilbronn, ein bundesweites Forschungsprojekt. "Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft" ist das Ziel. Dabei geht es darum, Erkenntnisse für einen zukunftsweisenden Stadtumbau zu gewinnen.

In insgesamt zwölf Städten wird nach Lösungen gesucht: für den Umgang mit knapper werdenden Ressourcen wie Fläche, Trinkwasser und Baumaterialien, für Regenwassermanagement und mehr Stadtgrün. Heilbronn steht in einer Reihe mit Berlin, Leipzig, Hamburg oder Göttingen. Alle Erkenntnisse münden in einen gemeinsamen praxisorientierten Leitfaden, mit dem die Stadtplaner arbeiten können. Das beim Bundesforschungsministerium angesiedelte Projekt wird mit einer Million Euro gefördert. 200.000 Euro erhält die Stadtsiedlung.

Die zentrale Aufgabe für die kommunale Wohnungsbaugesellschaft ist es, die Bewohner des Quartiers in den Umgestaltungsprozess einzubeziehen. Trotz Nachverdichtung und Neubauten soll es weiterhin bezahlbaren Wohnraum geben. "Können wir hier wohnen bleiben?", sei die wichtigste Frage, sagt Architektin und Stadtplanerin Helena Böhmer, die für die Stadtsiedlung das Projekt betreut. Gut 30 Bewohner wurden befragt - die allesamt die Wohnlage schätzen.

Mehr Wohnraum an gleicher Stelle

Die Neuordnung soll nicht nur an gleicher Stelle mehr Wohnraum schaffen. Viele ältere Bewohner, die oft seit Jahrzehnten in dem Quartier leben, können dadurch in altersgerechte und barrierearme Wohnungen wechseln - die auch von der Fläche her besser zu ihrer Lebenssituation passen. Mancher kann von einer zu großen in eine kleinere Wohnung umziehen.


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Der Kontakt und die Vernetzung zwischen den Bewohnern wird durch Mitmachgärten gefördert, die in Planung sind. Wassermanagement ist dabei ein Thema, um für den Umgang mit der Ressource zu sensibilisieren. Bei den Gartenflächen sind Tanks aufgestellt für das Sammeln von Regenwasser. Bewohner sollen ein Gefühl für Mengen bekommen. Sauberes Trinkwasser fließt im Alltag oft ungenutzt ins Abwasser.

Abriss erst in fünf Jahren

Auf drei Jahre ist das Projekt angelegt. "Es dauert fünf Jahre, bis weitere Gebäude abgerissen werden", informiert Helena Böhmer. Es soll darauf geachtet werden, dass Bewohner nicht zwei Mal umziehen müssen. Auch das Thema neue Mobilität und die autoarme Umgestaltung steht auf dem Plan.

"Noch nie wurde mit Bewohnern in dem Ausmaß die Zukunft ihres Viertels besprochen", sagt Timo Buff, dessen Planungsbüro das Projekt begleitet. Das Ziel sei, "mehr Bewohner unterzubringen, die, die schon da sind, sollen auch in Zukunft ihren Platz finden". Die Uni Stuttgart ist bei der wassersparenden Infrastruktur mit im Boot. Doppelt so viele Bewohner sollen nicht doppelt so viel Wasser verbrauchen.

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