Schmuggel-Affäre: Ein faules System
Unsere Recherchen legen nahe, dass es sich bei der Schmuggel-Affäre im Heilbronner Gefängnis eben nicht nur um den Einzelfall eines korrupten Beamten handelt. Gegen sechs weitere Mitarbeiter wird ermittelt.

Die Recherchen unserer Zeitung legen nahe, dass es sich bei der Schmuggel-Affäre im Heilbronner Gefängnis eben nicht nur um den Einzelfall eines korrupten Beamten handelt. Gegen sechs weitere Mitarbeiter wird ermittelt. Es könnten sich noch mehr Personen an einem kriminellen System beteiligt und geholfen haben, Drogen und Handys hinter schwedische Gardinen zu bringen. Schlimmer noch: So wie es aussieht, haben Anstaltsleitung und Ermittlungsbehörden es trotz mehrerer Versuche nicht geschafft, diesen Sumpf trockenzulegen − obwohl es wohl schon seit Jahren Hinweise auf den faulen Apfel in der Kiste gab.
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Möglicherweise hat diese Unfähigkeit und Ohnmacht des Rechtsstaates dazu beigetragen, dass ein fauler Apfel andere Äpfel in der Kiste angesteckt hat. Nun wirft der böse Verdacht seine Schatten auf die ganze Heilbronner Belegschaft. Obwohl es jetzt wichtig wäre, zu betonen, dass die meisten Äpfel in der Kiste eben nicht faul sind.
Vollzugsbeamte als Diener von Kriminellen
Verheerend ist der Eindruck, dass an einem Ort, an dem Straftäter eigentlich resozialisiert werden sollten, das Gegenteil passiert: Vollzugsbeamte, die Diener des Staates sein sollten, werden zu Dienern von Kriminellen. Dass nun auch noch das Krisenmanagement wenig souverän ausfällt, passt ins Bild. Die Ermittlungen laufen zwar noch. Aber was bis jetzt von offizieller Seite verlautbart wurde, wirft die Frage auf: Warum reagiert der Rechtsstaat erst jetzt mit Härte, um gegen Missstände vorzugehen? Es spricht Bände, dass es ein Häftling war, der Polizei und Stimme informierte und die Ermittlungen vorantrieb.
Im Heilbronner Gefängnis läuft allem Anschein nach schon seit längerer Zeit einiges schief. Die Wahrheit muss vollständig ans Licht kommen. Sonst wird sich nichts ändern. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Personalausstattung der Haftanstalten im Land so dünn ist, dass Fehlverhalten zu lange nicht auffällt.
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