Nach Vulkanausbruch auf La Palma: Heilbronner Hip-Island-Erfinder atmet auf
2021 brach auf La Palma ein Vulkan aus. Nach dem Ascheregen war Großputz angesagt. Jetzt atmen viele auf, auch ein prominentes Heilbronner Gastro-Trio begrüßt in seiner blitzblanken Finca wieder Urlauber.

Sie sind die Erfinder des Hip Island, also einer der ersten Strandbars im Schwabenland, die 2016 mit großem Tamtam von der Karl-Nägele-Brücke am Altneckar beim Media Markt zur Hafenstraße verlegt wurde. 2017 wagten Alexandra (53) und Ralph Munz (58) den Sprung auf eine richtige Insel, auf La Palma, wo sie eine Finca im Ort Los Llanos de Aridane zum hawaiianisch angehauchten Ferienresort umzubauen begannen.
Doch auf dem viel gerühmten Eiland des ewigen Frühlings hatten die Heilbronner Erfolgsgastronomen zunächst weniger Glück als in ihrer Heimat. "Auf den Kanaren blühten uns gleich drei Katastrophen: Corona, ein Inselbrand und dann auch noch der Vulkanausbruch vom September 2021."
Seit der Eruption sind zwölf Monate vergangen - und Munzens Boutique-Resort Aloha La Palma strahlt in neuem Glanz: fünf Appartements, Terrassen, Pool und große Liegeflächen zum Relaxen, wobei man auch Hula-Workshops, Massagen, Yoga und Reiki-Kurse buchen kann.
Einweihungsfest mit Hawaii-Flair
Pünktlich zum Jahrestag haben Ralph und Alexandra Munz, zu denen inzwischen die ehemalige Besitzerin des Heilbronner Lokals Eckstein, Mares Baudewyins, gestoßen ist, die Neueröffnung feiern können: stilecht im Südsee-Flair mit hawaiianischen Hula-Tänzerinnen, passendem Essen, Getränken, 60 Gästen und traumhafter Aussicht auf Meer, Sonnenuntergang und Sternenhimmel. Das Fest markierte nebenbei den Auftakt für eine Spenden-Kooperation zugunsten notleidender Inselbewohner. Pro Appartement fließt nun täglich ein Euro an die Hilfsaktion SOS La Palma.
20 Kilometer langer Lavastrom

Am Rande des Festes träumten die Munzens nicht nur von Hawaii, es wurden auch schlimme Erinnerungen wach. Nur drei Kilometer von "Aloha", was eigentlich so viel wie Harmonie oder Freundlichkeit heißt, tat sich am 16. September 2021, Schlag 15.12 Uhr, die Erde auf. Eine Staubwolke legte sich über das Paradies. Zausende Inselbewohner mussten evakuiert werden. Bis Mitte Dezember ergoss sich ein drei Kilometer breiter und 20 Kilometer langer Lavastrom bis ins Meer.
"Kehrwoche" über Monate hinweg
Der neu entstandene Vulkan Tajogaite hat das fruchtbare Aridane-Tal in einen Steinwüste verwandelt und einen Großteil seiner Nachbarn heimatlos gemacht. "Wir hatten noch Glück", so Munz, "uns haben die Lavaströme nicht erreicht. Aber unser 5000 Quadratmeter großes Grundstück war mit einer 20 Zentimeter hohen Ascheschicht bedeckt".
Nach einem Zwangsurlaub auf Teneriffa und in Heilbronn haben sich die beiden mit freundlicher Unterstützung junger Einheimischer und einer Facebook-Spendenaktion, die 4500 Euro einbrachte, ans Aufräumen gemacht: "Mit Schaufeln, Minibagger und einer benzinbetriebenen Schubkarre haben wir 1000 Tonnen Asche zusammengekratzt und zur Straße gekarrt", wo die öffentliche Hand alles abgefahren hat.
Insel um sechs Hektar gewachsen
Gleichzeitig mussten Fassaden gestrichen, Risse ausgebessert, das Grün neu angelegt werden. "Pflanzen, Palmen, Obstbäume waren fast vertrocknet", haben sich laut Munz aber schnell erholt, wie fast die ganze Insel. Durch die Lava sei sie sogar um sechs Hektar und um eine Attraktion gewachsen: ein schmaler Streifen "energiegeladenes Naturschauspiel aus Lava". Die Faszination hat für Munz aber ihre Grenzen, so sei die beliebte Küstensiedlung Puerto Naos wegen CO2-Dämpfen bis heute unbewohnbar, was auch den Urlauberzustrom etwas bremse.


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