Heilbronner haben geteilte Meinungen zu den Verdi-Warnstreiks
Der große Streiktag von Verdi mit rund 800 Teilnehmern in Heilbronn hat Auswirkungen für Bürger – in Stadtbussen, Kindertagesstätten, Kliniken oder bei der Ver- und Entsorgung. Wie sehen die Menschen den Tarifstreit, der sie auch betrifft? Wir haben in der Heilbronner Innenstadt nachgefragt.

Mitarbeiter im öffentlichen Dienst haben am Donnerstag ihre Arbeit niedergelegt - weitere Warnstreiks sollen folgen. Die Streikaktionen betreffen viele Menschen: Stadtbusse und Kitas sind ganztägig bestreikt, auch Mitarbeiter der SLK-Kliniken sind im Ausstand.
Mit Transparenten, Fahnen, rollender Musikbox und einer Trommel zogen die Teilnehmer ab 7.30 Uhr durch Austraße, Weipertstraße und Mannheimer Straße zum Kiliansplatz. Sie wollen ihren Forderungen nach angemessener Vergütung vor der nächsten Verhandlungsrunde der Tarifparteien am 22. Oktober Nachdruck verleihen. Der Heilbronner OB Harry Mergel hofft auf eine Einigung mit Augenmaß. Bisherige Forderungen würden den Stadthaushalt schwer belasten.
Doch was sagen eigentlich die Heilbronner Bürger zu den Streikaktionen? Das wollten wir bei einer Umfrage in der Innenstadt wissen.
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Abasin Shan (21), dualer Student, Heilbronn
„Ich habe leider erst heute Morgen von dem Streik", berichtet der Student. Er warte schon seit 20 Minuten darauf, dass eine Kommilitonin ihn mit dem Auto abholt. Sie wisse leider selbst nicht, ob sie es noch rechtzeitig schafft. „Im Notfall werde ich mit dem Taxi fahren“, sagt er. Er kann die Streikenden verstehen. Gerade jetzt während der Corona-Zeit seien Busfahrer besonders der Gefahr ausgesetzt, sich zu infizieren. Wenn sie nun mehr Geld fordern, sei das gerechtfertigt.
- 2
Karin Schäffer (45), Verkäuferin, Heilbronn
„Ich habe wirklich nicht damit gerechnet. Erst auf dem Weg hierher ist mir der Streik aufgefallen“, erzählt die Verkäuferin. Auf den Informationstafeln an den Busstationen stehe nur ganz unten, dass heute gestreikt wird. „Immerhin fahren die Regionalbusse.“ Sie will nun eine Arbeitskollegin anrufen oder ein Taxi nehmen. Sie findet es kritisch, während einer wirtschaftlichen Krise mehr Geld von den Betrieben zu fordern. Betriebe und Kommunen hätten jetzt schon genug finanzielle Schwierigkeiten. Wie diese nun eine Tariferhöhung finanzieren sollten, versteht sie nicht.
- 3
Timo Hazis (55), Sachbearbeiter, Heilbronn
Timo Hazis hatte vor, sich an einem freien Tag mit ein paar Kollegen zu treffen. „Daraus wird jetzt leider nichts, aber vielleicht fahren heute noch ein paar Busse.“ Er weiß nicht so recht, was er von dem Streik halten soll. „Natürlich hätten die Busfahrer mehr Geld verdient, wenn sie schlecht bezahlt werden, aber woher soll das zusätzliche Geld kommen?“ In den Nachrichten höre man, dass die Städte jetzt schon kein Geld mehr hätten, weil ihnen viele Einnahmen weggebrochen seien. Er hofft dennoch, dass sich alle Parteien schnell auf einen Kompromiss einigen können. „So sollte das hier nicht weitergehen.“
- 4
Cedric Ballmann (54), Taxifahrer, Heilbronn
„Wir haben ein paar Kunden mehr dazu bekommen“ sagte der Taxifahrer. Allzu viel seien es jedoch nicht. Vor allem am Morgen war der Andrang auf die Taxistände größer gewesen als sonst. Im Laufe des Tages ist er jedoch zurück gegangen. „Ich verstehe die Streikenden. Wenn sie nicht genügend Geld bekommen, sollten sie auch was dagegen tun“, antwortet Ballmann auf die Frage, ob er die Position der Streikenden nachvollziehen kann. Aber auch mit den vom Streik betroffenen Bürgern hat er Mitleid. „Sie können ja schließlich nichts dafür, dass gestreikt wird.“
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