Heilbronner Stadträte zerbrechen sich Kopf über alte Möbel
Was passiert eigentlich mit ausgemusterten Rathaus-Möbeln? Die Grünen-Fraktion bringt mit ihrer Wiederverwertungs-Idee eine Kreislauf-Debatte in Gang.

Ausgediente, aber noch brauchbare Möbel nicht einfach entsorgen, sie vielmehr im Sinne der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft "einer weiteren Nutzung zuzuführen", wodurch "alle Akteure der Stadt gemeinsam von den bereits vorhandenen Ressourcen profitieren": Darauf zielt ein Antrag der Heilbronner Grünen-Fraktion ab, der im städtischen Bau- und Umweltausschuss eine rege Debatte in Gang brachte.
Am Ende verständigte man sich darauf, dass das Rathaus in einem viertel Jahr berichtet, wie man mit dem Thema jetzt schon umgeht und inwieweit die Ideen von Grünen-Stadträtin Angelika Hart aufgriffen und in ein Gesamtkonzept plus externem Management integriert werden können.
Ideen der Grünen
Im Wesentlichen wünscht sich Hart hier eine noch engere Zusammenarbeit mit den Experten der Aufbaugilde und eine digitale Plattform, über die sich Interessenten über das Rathaus hinaus informieren können. Hart denkt hierbei auch an Vereine und soziale Träger. Außerdem könnten sich die Grünen einen "Tag der offenen Tür" vorstellen, bei dem ausgemustertes Mobiliar allen zugänglich gemacht wird. "Gegen Spenden für einen sozialen Zweck könnten diese Möbelstücke dann ersteigert werden."
Wie die Stadt bisher verfährt
In der Regel würden ältere Schreibtische, Stühle oder etwa Schränke "anlassbezogen" durch neue ersetzt, erklärte der kommunale Gebäudemanager Johannes Straub, also etwa bei der Neuordnung von Organisationseinheiten und Büros. Dabei werde der Möbelbestand sorgfältig gesichtet und bewertet. Was wieder einsetzbar ist, werde eingelagert, bis man es brauchen kann. "Wir achten da schon drauf und wägen immer auch die Wirtschaftlichkeit ab", gab Straub zu bedenken. In der Regel gehe es um Kosten für Transport, Lagerflächen, gegebenenfalls Reparatur, Aufarbeitung und Reinigung.
Kraut und Rüben im Büro?
Außerdem müsse die Wiederverwendung mit der künftigen Nutzung und gewissen Qualitätsstandards abgeglichen werden. "Es sollte in unseren Büros ja nicht gerade wie Kraut und Rüben aussehen, das muss schon passen", ergänzte Bürgermeister Andreas Ringle. Vor diesem Hintergrund würden abgängige Möbel entsorgt. Man arbeite auch bereits mit der Aufbaugilde zusammen und werde mit dieser über ein Gesamtkonzept plus Management reden, wobei auch dort Lagerraum knapp sei.
Meinungen gehen weit auseinander
Nicht alle Stadträte waren von der Idee begeistert. Susanne Schnepf (CDU) wisse aus eigener Erfahrung, wie schwierig es derzeit sei, für gebrauchte Möbel neue Nutzer zu finden. "Kreislaufwirtschaft ist sinnvoll, aber irgendwo muss man auch Aufwand, Kosten und Ertrag abwägen", gerade innerhalb einer Stadtverwaltung.
Sperrmüll-Frage
Wolf Theilacker (Grüne) riet, den Blick über die Grenzen zu weiten, so habe man vor Jahren gar ein Schul-Sprachlabor von Heilbronn ins damalige Leningrad vermittelt. Tanja Sagasser-Beil (SPD) sprach von einer "charmanten Idee", verwies auf gut laufende Online-Plattformen und soziale Netzwerke. Zudem regte sie eine entsprechende wissenschaftliche Arbeit beim Studiengang Nachhaltigkeit an. Anders Alfred Dagenbach (AfD): "Es ist überflüssig, sich mit diesem Thema zu befassen." "Das Thema treibt uns alle um", unterstrich Gottfried Friz (FDP). Er führte die Sperrmüllsammlungen ins Feld, wo "die Leute bei Nacht und Nebel" mit dem Busle anfahren, weil sie Angst haben müssten, bestraft zu werden. "Das ist ein Unding. Kann man das den Leuten nicht gönnen? Die Polizei sollte sich besser um richtige Banditen kümmern."
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